Billardkugeln

Billard #19

Die stärkste Liga der Welt in Coburg

Wenn man an Bundesliga und Coburg denkt, kommen einem zuerst die Handballer in den Sinn. Vielleicht noch die im letzten Jahr finanziell gescheiterten Volleyballer. Natürlich die Schützen, die immerhin schon Deutscher Meister gewesen sind. Wie auch die Kanupolo Damen. Viele aber wissen gar nicht, dass aktuell noch eine Mannschaft in einer höchsten Spielklasse des Landes ihren Sport betreibt. Noch dazu einen, der noch vor geraumer Zeit als reiner Kneipensport galt – Billard.

Ein lauter Knall. Wie eine Explosion. Die bunten Kugeln schießen über den Tisch. Gleich mehrere treffen eine der sechs Taschen. Die anderen kommen langsam zu Ruhe. Der Spieler analysiert die Situation, legt sich einen Schlachtplan zurecht. Dann versenkt er die restlichen Kugeln. Präzise. Eine nach der anderen. Am Ende locht er auch noch die schwarze Kugel ein. Der Gegner hat keine Chance, kommt überhaupt nicht an den Tisch. So oder so ähnlich stellt man sich eine Partie Billard vor.

Doch dass Billard nicht gleich Billard ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben: Es gibt mehrere unterschiedliche Spielformen. Pool Billard, Snooker oder Carambolage zum Beispiel. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Als Spieler muss mit dem Queue die Kugeln treffen. Präzise. Mit dem richtigen Tempo. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Der genaue Ursprung dieses Spiels ist bis heute nicht bekannt – es gibt mehrere Theorien, die deutlich voneinander abweichen. Engländer und Franzosen streiten sich darüber, wer das Spiel im 13. Jahrhundert erfunden hat. Billard, das klang lange vor allem nach Kneipensport und Hollywood. Filmszenen mit Zigarrenrauch und Whiskey. Heute dagegen hat sich Billard zum Leistungssport in schicken Westen entwickelt. Von Rauch und Whiskey nämlich gibt es im Billardzentrum Creidlitz nichts zu sehen. „Wir waren einer der ersten Vereine in Coburg, die das Rauchen im Vereinsheim verboten haben“, so Folker Koch, der seit 51 Jahren Carambolage spielt. Dazu gekommen ist er durch seinen Vater, der den Verein mitgegründet hat. Das „Carambolage-Fieber“ hat die Familie fest im Griff, denn auch Kochs Frau und die beiden Kinder spielen diese Art des Billardspiels.

Carambolage – das sind keine sechs Löcher am Tisch, wie vom Pool Billard bekannt, das sind keine vielen bunten Kugeln, sondern nur drei. Carambolage unterscheidet sich somit sehr von den anderen Spielweisen im Billardsport. Jeder Spieler spielt über die gesamte Partie mit seinem eigenen Ball, so nämlich heißen die „Kugeln“ bei Carambolage. Er muss versuchen, diesen so zu stoßen, dass er die beiden anderen Bälle berührt. Gelingt dies, zählt das einen Punkt, und der Spieler darf weiter machen. Aufgeschrieben werden sowohl die erzielten Punkte als auch die Aufnahmen. Die besagen, wie oft jeder Spieler an den Tisch kommt. Die Partie endet, wenn einer der Spieler die festgelegte Punktzahl oder die Anzahl der Aufnahmen erreicht hat. Die richtet sich nach der Stärke der Liga.

Präzision, Taktik und Disziplin sind nur drei Eigenschaften eines guten Spielers. Ein anderer wichtiger Faktor ist die Psychologie. „Wenn man mal einen schlechten Tag hat und nicht gut spielt, dann muss man eben dafür sorgen, dass der Gegner noch schlechter spielt“, so Koch. „Es ist einfacher, gegen Gegner zu spielen, die man kennt. Da weiß ich, wie die ticken.“ Psychologie hat einen hohen Stellenwert im Billard, und das in zweierlei Hinsicht. Da ist der Kampf gegen sich selbst. Konzentrationsschwächen, Nervosität, Selbstzweifel und Selbstkritik. Alles das gilt es zu überwinden, damit man sich nicht selbst blockiert. Daneben gibt es natürlich auch noch den Kampf gegen den Gegner, gespickt mit Kniffen und Tricks. „Wenn man in der Aufnahme keinen Punkt mehr machen kann, muss man dem Gegner einen schwer zu bespielbaren Tisch hinterlassen.“

Natürlich klappt das nicht immer reibungslos, aber Übung macht auch hier den Meister. Das gilt vor allem wenn man in der höchsten Spielklasse Deutschlands den Queue schwingt. Seit dieser Saison spielt Folker Koch mit seinen drei Teamkollegen Christian Dressel, Franzl Simon und Manuel Ortmann in der 1. Bundesliga, die wie im Handball auch als stärkste Liga der Welt gilt. Den Aufstieg hatten die Coburger schon in den vergangen drei Jahren sportlich geschafft, jedoch verzichtete man jeweils. Im vergangen Jahr war das dann anders. „Nachdem unser befreundeter Billardverein aus Neustadt/Orla sich aus der 1. Liga zurückzog und zwei Spieler aus Neustadt zu uns wechselten, war der Weg für uns frei.“ Ein Weg, der vor allen finanziell nicht einfach ist für den kleinen Verein mit seinen 50 Mitgliedern. „Besonders die weiten Entfernungen zu den anderen Bundesligisten machen es schwierig für uns. Wir verbringen in einer Saison mehr als 4000 Kilometer auf der Straße und reisen, um die Kosten zu verringern, erst immer am Spieltag an“, so Koch, der die Kosten für eine Saison in der Belletage des Billards auf circa 6000 Euro beziffert. Dennoch ist sich Folker sicher, dass man es irgendwie stemmen wird, um damit auch in der nächsten Saison erstklassig zu spielen. Sportlich ist man in Creidlitz auf jeden Fall auf einem guten Weg, die Liga zu halten.

Autor: Benedikt Dellert

Bildquelle: Sebastian Buff

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