BBC - Teambild

Sonderthema DESIGN:
Die Marke BBC #20

Mit dem Corporate Design kam der Erfolg

Von der siebten Liga in die zweigeteilte zweite Liga in acht Jahren. Kürzlich erst haben die Riesen von der Itz den Durchmarsch in die sogenannte 2. Bundesliga ProB perfekt gemacht – der erste oberfränkische Basketball-Standort Coburg ist angekommen im nationalen Spitzensport. Der Erfolg aber ist nicht nur sportlicher Natur, sondern auch das Ergebnis eines Designprozesses, der aus dem BBC Coburg eine Marke gemacht hat.

»Wir haben schon lange erkannt, dass es eigentlich nichts Wichtigeres gibt als das Corporate Design.«
Manuel „Bobby“ Fischer, Manager BBC Coburg

Aussehen ohne Wert

Um zu verstehen, was Markenbildung bedeutet, muss man früh anfangen, ganz früh. Eigentlich mit der Gründung des BBC Coburg 1954 als erster Basketball-Verein in Oberfranken und sogar als erster reiner Basketball-Verein in Deutschland. Damals, der Krieg steckte allen in den Knochen, ging es darum, zu spielen, Spaß zu haben. So etwas wie ein bewusstes Erscheinungsbild gab es nicht, lediglich einheitliche Trikots. Aber nur um Mitspieler von Gegnern zu unterscheiden. Und natürlich einen Namen. Aber auch nur, weil das so sein muss, um sich gründen, um am Spielbetrieb teilnehmen zu können. Das blieb auch so, jahrelange, jahrzehntelang. „Auf so etwas wurde einfach kein Wert gelegt“, sagt Manuel „Bobby“ Fischer, Manager des BBC Coburg und neben Wolfgang „Jack“ Hörnlein einer der beiden Erfolgsgaranten im Hintergrund, die beide früher selbst als Korbjäger die Zeiten in praktisch-orientierten weitgehend schmucklosen Trikots noch kennen. Auch die Jahresberichte aus dieser Zeit dokumentieren die geringe Wertigkeit von Image, Marke oder Design: Es gab verschiedene Logos, irgendwelche Schriftzüge, nichts koordiniertes, je nachdem, wer gerade verantwortlich war, machte er sein eigenes Ding. Das war beim BBC Coburg nicht anders als bei vielen Sportvereinen. Die Außenwahrnehmung war entsprechend.

Erst einmal ein Logo

Ein Umdenken setzte erst vor etwa zehn Jahren ein. Man machte sich Gedanken über ein einheitliches Logo. Ein Basketball sollte mir rein, die Veste, neue Farben, auf die man sich basisdemokratisch einigte, nicht mehr gelb oder gelb-schwarz wie bisher je nach Lust und Laune. Ein Grafiker hat Konzepte erarbeitet, schnell ist man beim aktuellen Logo gelandet. Das war noch keine Markenbildung, aber ein Anfang war gemacht, eine Basis für eine neue Homepage, für ein Saisonheft. Das sollte ab sofort einheitlich sein. Früher war jedes Jahr ein anderer verantwortlich, die Ergebnisse sind mit viel Liebe und Herzblut gestaltete Magazine, dadurch aber auch Fragmente einer vergangenen Zeit, museal, Erinnerungsstücke, die jetzt mit zunehmendem Erfolg umso sorgsamer gehütet werden. Mit Corporate Design hatte das nichts zu tun, seit einigen Jahren aber haben die Saisonhefte und natürlich die neue Homepage ein einheitliches Erscheinungsbild. Das ist keine Liebhaberei, im Gegenteil – man demonstriert damit jene Professionalität, die vom Umfeld, von Fans, von ambitionierten Spielern und Trainern und gerade auch von Sponsoren erwartet wird. Gerade die setzen nämlich an eine Unterstützung eines Sportvereins zumeist ganz unternehmerische Maßstäbe an. Und ohne die kein sportlicher Erfolg. Der einheitliche „Firmenauftritt“ also war Grundlage des sportlichen Erfolgs.

Eine Agentur kommt ins Spiel

An diesem vermeintlich kleinen Beispiel Saisonheft dokumentiert sich dieses Umdenken: Es wird heute nicht nur einheitlich gestaltet, es wird darüber hinaus auch nicht mehr nur in einer gerade mal dreistelligen Auflage an die Vereinsmitglieder verteilt, bei denen es neben den anderen Jahresberichten im Regal steht. Nein, es dient heute der Kommunikation nach außen. Die mehr und mehr Zuschauer suchen nach Informationen, nach Bildern, nach Hintergründen, irgendwie also nach Bindung, nach Identifikation, die Sponsoren nach Werbeflächen, nach Gegenwerten für ihr Engagement. Dabei hilft dem damaligen Sechstligisten die Zusammenarbeit mit einer Agentur, die sich anbietet. Geld kann keines fließen, dazu ist der Verein noch viel zu klein, aber beide gehen eine Kooperation ein, von der sie profitieren. Die Agentur nimmt die positiven Ansätze aus dem Verein auf und gießt sie in ein einheitliches Corporate Design, Farbräume, Schriftarten, alles das festgelegt in einem Corporate Design-Heft, an das sich jeder zu halten hat, der im Namen des BBC kommuniziert.

Basketball ist schick

Jetzt hatte man neben den ersten sportlichen Aufstiegen auch eine neue organisatorische Professionalität erreicht. Es gab Zuständigkeiten, das Team um das eigentliche Team wuchs mit, schnell, aber noch so organisch, dass es bisher keinen Bruch in der Entwicklung gab, viele langjährige Vereinsmitglieder ziehen mit, Erfolg steckt an. Und natürlich hat vor allem die neue Ballsporthalle auf der Lauterer Höhe geholfen, um aus dem Schattendasein in das Licht der Öffentlichkeit zu gelangen. Dort nämlich übertrag man das Corporate Design noch auf den Event. Technik und Gegebenheiten vor Ort machten es möglich: Werbebanden, Leinwände, Cheerleader. Das war in der damaligen sechsten Liga schon einmalig. Eine Einlaufshow kam dazu, ein Fanshop, Fan-TV. Nicht nur das Logo und die Werbemittel sind mittlerweile designt, auch die Spiele selbst unterliegen einem festen Gestaltungsmuster geworden, das begeistert, das Fans und Sponsoren an den Verein bindet. Es entstand eine Eigendynamik, ein Fanclub wird sich gründen, auch der VIP-Raum wird zukünftig wohl häufiger nachgefragt. Über 1000 Zuschauer pilgern mittlerweile regelmäßig zum Basketball. Vor zehn Jahren waren nur die Verwandten und Freunde da. Der BBC Coburg ist zur Marke geworden – zum Gesprächsthema, es wird zunehmend schick, in Coburg auch mal zum Basketball zu gehen.

Und jetzt? Sicherlich wird der BBC Coburg auf seinem Weg weitermachen, gemeinsam mit seiner Agentur und den Fans. Auch, wenn mit dem Erfolg auch die Arbeit zugenommen hat. Früher hat man sich einmal im Jahr zusammengesetzt, heute wöchentlich.

Bericht von Wolfram Hegen
Fotos: Sebastian Buff

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