Sonderthema Leidenschaft: Mit Muskelkraft um die Welt #57

Von Gabi Arnold | Fotos: Privat

Der Weltenbummler

Leidenschaft ist der Motor, der uns antreibt. Ohne Leidenschaft haben wir es schwer, unsere Ziele zu erreichen, ob im Privatleben oder im Beruf. Leidenschaft entfacht unsere Kreativität und spornt uns zu Höchstleistungen an. Leidenschaft ist Lebensfreude. Dass man dafür keine materiellen Dinge benötigt, zeigt uns Bastian Heimberger. Der 31-Jährige wohnt in einem Camper-Van. Mehrere Wochen im Jahr packt ihn seine Leidenschaft. Dann steigt er auf sein Fahrrad und tritt in die Pedale. Im Durchschnitt legt er 150 Kilometer pro Tag zurück. Heimberger radelt um die Welt und erlebt Momente voller Glück und Zufriedenheit.

Es ist heiß. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, nur vereinzelte Wolken zeigen sich. Bastian Heimberger steht auf einem Felsplateau, er hält in der einen Hand die griechische Flagge und in der anderen eine Sandale. Der Coburger hat es wieder einmal geschafft. Er ist nach 27 Tagen und 2503 Kilometern an seinem Ziel angekommen – aus eigener Kraft. Bastian Heimberger ist Radreisender. Er radelt seit 15 Jahren um die Welt. Und sammelt nebenbei Geld für einen guten Zweck. Auf seinem YouTube-Kanal teilt er seine Abenteuer. Die Videos sind temporeich, spannend und sehr unterhaltsam.

Apropos Sandale: In seinem Video „In Birkenstocks nach Athen“ nimmt der 31-Jährige die Zuschauer mit auf eine Reise, die in Salzburg beginnt und in Athen endet. Bastian und seine Freunde Tarek und Johannes radeln diese Tour in Birkenstocks, sie schlafen im Zelt und kochen auf einem Campingkocher. Ihre Leidenschaft für das Radfahren haben die Männer mit einem guten Zweck verbunden und Spenden gesammelt, um Viva con Aqua (sauberes Trinkwasser) und das Griechische Rote Kreuz (Opfer der Waldbrände) zu unterstützen.

Aus eigener Kraft Orte zu erkunden, mit einem Reisetempo von durchschnittlich 20 Kilometern pro Stunde, ist die große Leidenschaft des Coburgers. Seine erste große Tour führt ihn durch das Altmühltal, Rothenburg ob der Tauber, nach Kelheim, nach Passau und von Mainz nach Köln. „Das war ein bisschen Fahrradfahren, ein Radler trinken auf dem Weg und abends herunterkommen.“

Startschuss für die große Leidenschaft

Bastian steht kurz vor seinem Fachabitur, als er erfährt, dass er die Klasse wiederholen muss. Da es nichts mit dem „Abi“ wird, packt er wenige Dinge und startet seine erste größere Reise. Sein Ziel ist das Mittelmeer. „Ich hatte ein billiges Fahrrad und eine schlechte Ausrüstung.“ Bastian steigt mit seinem Fahrrad und wenig Gepäck in den Zug und fährt zum Bodensee, um dort seine Tour zu beginnen. Zwei Wochen lang tritt er in die Pedale, die Nächte verbringt er in seinem Zelt, auch in Marseille. Als er am Morgen aufwacht, ist der Schreck groß: Sein Fahrrad ist nicht da, es wurde gestohlen.

„Ich war natürlich todtraurig und bin mit dem Zug wieder nach Hause gefahren. Ich habe aber gemerkt, dass mir das taugt. Das war der Startschuss für meine große Leidenschaft, das Radreisen.“

Ein Jahr nach der „Birkenstock-Tour“ radelt er mit Freunden von Berlin ans Nordkap. Die drei Männer sammeln parallel über 1000 Euro für die Aktion „Deutschland hilft – Ukraine Fonds.“ Durch den Nordkaptunnel radeln sie sieben Kilometer, ohne Tageslicht zu sehen. Und 20 Kilometer durch traumhafte, hügelige Landschaften, entlang des tiefblauen Meeres auf einsamen Straßen. Dann sind sie am Nordkap, dem nördlichsten Punkt Europas, an dem die Sonne monatelang nicht untergeht und sich tausende von seltenen Vogelarten versammeln, angekommen. Es ist ein magischer Ort.

Was sein schönstes Abenteuer war, vermag Bastian nicht zu sagen. Der Radbegeisterte hat so viele atemberaubende Landschaften entdeckt, tolle Menschen getroffen und neue Kulturen kennengelernt. Er ist 2018 zur Fußballweltmeisterschaft nach Moskau geradelt oder von San Francisco nach New York, von München nach Rom und vom Bodensee nach Barcelona. Er ist vom Frühling in den Winter gestrampelt, hat viele Höhenkilometer überwunden, Tornados überlebt und klatschnasse Zelte überstanden. Er ist bei Hitze, Regen, Kälte unterwegs. Er geht durch Höhen und Tiefen und ist am Ende immer glücklich. Auf dem Fahrrad fühlt er sich frei, energetisch, aktiv und unbeschwert. Die einzige Sorge gilt einem Schlafplatz und Proviant.

„Es ist dieses Freiheitsgefühl, die Bewegung, die Eindrücke und die Begegnungen. Manchmal denkt man, man schafft das nicht, dann schafft man es doch. Es ist unglaublich, was man erreichen kann während so einer Reise.“

Mit dem Rennrad fährt er bis zu 200 Kilometer am Tag, auf dem normalen Rad sind es 100 Kilometer Strecke, die er aus eigener Muskelkraft bewältigt. Er ist im Schnitt fünf bis sechs Stunden unterwegs, bei einer Reisegeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Mehr als 30 Euro am Tag gibt er nicht aus. „Ich versuche nichts für die Unterkunft zu zahlen, zelte jede zweite Nacht, meistens in der Wildnis, oder ich finde auf Plattformen wie Couchsurfing ein Bett. Es passiert voll oft, dass Leute fragen, wo Du hinwillst, ob Du Essen oder eine Unterkunft benötigst.“

Leben im Camper-Van

Seit dreieinhalb Jahren lebt Bastian Heimberger in München. Dort arbeitet er bei einer Snowboard Firma im Customer Bereich und verdient damit das Geld für seine Abenteuer. In wenigen Wochen macht er sich wieder auf die Reise. Die Flugtickets sind gebucht. Er radelt 5000 Kilometer von Calgary über Vancouver, San Francisco nach San Diego. „Es wird mein wahrscheinlich größtes Abenteuer, da ich komplett auf mich allein gestellt sein werde.“

Wenn er nicht um die Welt radelt, wohnt er in einem Camper-Van in München. Es handelt sich um ein ehemaliges Wäscherei Fahrzeug, das er ausgebaut hat. „Eigentlich sollte es nur für ein Jahr sein. Er war als Abenteuer gedacht“, sagt er. Daraus sind 630 Tage geworden. Er liebt dieses reduzierte Leben ohne tausend überflüssige Dinge, die sich im Laufe der Jahre anhäufen. Noch mal reduzierter ist es, wenn er mit dem Fahrrad unterwegs ist, mit nur drei Satteltaschen und ein paar Wertsachen.

„Mehr hast du nicht. Aber da merkst du halt in unserer Konsumgesellschaft, in der jeder das neueste iPhone will, dass man gar nicht so viel benötigt und dass viel Geld für Quatsch ausgegeben wird.“

Seit Beginn seiner Radreisen dreht er Videos, von denen er selbst sein größter Fan ist. Wenn es ihm nicht so gut geht, er sich einsam fühlt oder ihn das Fernweh packt, schaut er seine Videos. Bastian möchte, solange er noch ungebunden ist, möglichst viel erleben, stets in der Natur. Er unternimmt auch Wanderungen oder fährt Kajak.

In Zukunft möchte er eine Familie gründen. Vielleicht wohnt er in einem Tiny House in der Region, denn Coburg ist nach Hause kommen. „Hier ist meine Heimat. Hier ist es wunderschön.“ Einen Rat hat er an alle Abenteuerlustigen, denen der Mut fehlt. „Traut Euch einfach und fahrt los. Man kann alles schaffen, wenn man es will.“

https://www.youtube.com/@Bastianheimberger21
https://www.instagram.com/mr_homemountainer/

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