Sonderthema Ressourcen: Ein Haus an der Sonne #58

Vom Leben im Drehhaus

Rolf Friedenstab war acht Jahre alt, als er von seiner Tante gebeten wurde, ein kaputtes Radio zu reparieren. Für den Jungen war das keine große Sache. Das Radio war schnell wieder intakt. Friedenstab ist ein Erfinder und Tüftler von Kindheit an. Seiner Kreativität ist es zu verdanken, dass er heute in einem ganz besonderen Haus lebt, das rund ist, sich nach der Sonne dreht und Wärme speichert. Es ist barrierefrei und energieautark. Und das ist nicht alles: Friedenstab lebt in Einklang mit der Natur. Wir sitzen auf der schattigen Terrasse mit Blick auf den 1,90 Meter tiefen Naturteich, der durch das Regenwasser gespeist wird und auch zur Abkühlung an heißen Tagen dient.

Eine Taube flattert vorbei. Libellen schwirren, Schmetterlinge flattern, Vögel zwitschern um die Wette und Frösche quaken. In Friedenstabs Welt duftet es nach Kräutern und Lavendel. Der Coburger hat sich in Rödental ein Paradies geschaffen. „Sie glauben gar nicht, welche Artenvielfalt sich hier entwickelt. Neulich ist ein Igel vorbeispaziert. In der Nacht sieht man Glühwürmchen“, sagt der Naturfreund.

„Ich wollte mir eine Oase der Ruhe, der Freude und der Hingabe schaffen.“

Auf dem Weg zum Drehhaus

Friedenstab erkrankt im Jahr 2007 schwer. Die Diagnose, die er erhält, verändert sein Leben völlig. Der Tüftler macht sich nicht nur selbstständig, sondern er plant auch eine innovative Wohnform. Es soll ein rundes, drehbares Haus sein. Eine Firma aus Hessen setzt seine Wohnidee um. Im Jahr 2014 wird mit dem Bau seines Drehhauses sein Traum wahr. Friedenstabs rundes Domizil fügt sich harmonisch in die Umgebung ein, obwohl es sich von anderen Häusern im Wohngebiet unterscheidet. Seine Firma „Friedenstab Formenbau und Werkzeugreparatur“ befindet sich heute gleich nebenan in einem Gebäude.

„Ich wollte ein Haus bauen, das im Unterhalt so wenig kostet wie möglich. Schließlich haben wir die Sonne, PV-Anlagen und Erdwärme.“

Es ist ein heißer Sommertag. Der Hausherr bittet in sein Anwesen. Er wohnt auf einer Fläche von insgesamt 125 Quadratmetern auf zwei Ebenen. Es ist trotz der Hitze angenehm kühl, obwohl das Haus keine Klimaanlage hat. „Die Fensterfront wandert in den Schatten, wenn es heiß ist. Im Winter ist es umgekehrt“, erklärt er. In der unteren Ebene sind die Küche, der Wohnbereich und ein Musikzimmer eingerichtet. Im Obergeschoss ist Platz für eine separate Wohnung. Falls Friedenstab im Alter auf Hilfe angewiesen sein sollte, könnte hier eine Pflegekraft einziehen.

Immer in Richtung Sonne

Wir nehmen im Wohnzimmer Platz. Friedenstab demonstriert, wie sich das Haus lautlos in Richtung Sonne bewegt. Der idyllische Garten zieht vorbei. Der 60-Jährige genießt diesen Anblick noch immer wie am ersten Tag. Photovoltaikanlagen auf dem Dach und dem Balkon erzeugen Strom und werden in einer Batterie gespeichert. Die Maschinen seines Unternehmens werden ebenfalls durch Sonnenenergie betrieben. Der Überschuss an Strom wird in das Stromnetz eingespeist. Zusätzlich versorgen zwei Kollektoren auf dem Balkon das Haus mit Warmwasser. Durch die Nutzung von Sonnenenergie und Erdwärme wird das Haus beheizt. Ein Luftwärmetauscher im Inneren des Hauses sorgt für frische Luft, ohne dass ein Fenster geöffnet werden muss.

Die Technik sitzt im Keller

Einige Stufen geht es hinab in den kühlen Keller. Hier sitzt die Drehkonstruktion. Auf einer Kugellager-Drehscheibe ist eine Plattform befestigt, die von einem kleinen Motor mit weniger als 1000 Watt angetrieben wird. Diese Konstruktion trägt das 180 Tonnen schwere Haus. Der Erfinder zeigt auf zwei große Tanks. „Damit fange ich Regenwasser auf und pumpe es in die Toilettenspülung und in die Waschmaschine“, erklärt er.

Das Haus hat zwar 30 Prozent mehr gekostet als ein gewöhnlich gedämmtes Haus, aber diese Mehrkosten sind in zehn bis 12 Jahren amortisiert, da das Projekt langfristig kaum Nebenkosten verursacht. Die Bauarbeiten für das innovative Haus haben ein Jahr gedauert. Die harmonische Umgebung ist im Laufe der Jahre gewachsen. Sollte sich die Sonne einmal nicht blicken lassen, dann steigt der 60-Jährige auf seinen Heimtrainer. Er kann sein Haus nämlich auch mit Muskelkraft bewegen.

„Es ist ein sehr schönes Gefühl nachhaltig und mit der Natur zu leben.“

    1 Antwort

    1. Könnten sie mir den Kontakt zusenden oder behilflich sein den Kontakt herzustellen. Ich habe auch schon länger mit dem Gedanken gespielt ein Drehbares Haus zu bauen. Wir sind ein Elektro-Handwerksbetrieb und bauen auch PV-Anlagen.
      Vielen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen.
      Albert Ottillinger

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