Buchempfehlung #43

Gesponserter Beitrag

Buchempfehlung

MARTIN VÖGELE VON DER BUCHHANDLUNG RIEMANN

„Ich habe mal gelesen, dass es Löcher im Universum gibt, die alles Licht und alle Himmelskörper verschlucken. St. Jerome’s nahm alles Licht aus meinem Leben.“

„Der gefrorene Himmel“ erzählt die Geschichte von Saul Indian Horse. Saul ist Angehöriger der Ojibwe, einem Volk, das zu den Ureinwohnern Kanadas zählt. Gods Lake im Norden Kanadas, 1961: Sauls Eltern lassen diesen bei der Großmutter zurück, um seinen an Tuberkulose gestorbenen Bruder kirchlich zu bestatten. Sie scheiden im Streit, da die Großmutter den Jungen traditionell bestatten will, während seine Eltern auf eine Beerdigung mit priesterlichem Segen bestehen.

Als der Winter hereinbricht und Sauls Eltern noch immer nicht zurückgekehrt sind, bricht die Großmutter mit Saul auf, um in der nächstgelegenen Stadt Zuflucht zu suchen. Doch die beiden erreichen ihr Ziel nicht, und Saul kommt in die Obhut des Staates.

Er wird in die St. Jerome’s Indian Residential School gebracht. St. Jerome’s ist ein katholisches Heim für „Indianerkinder“ unter der Führung von Priestern und Nonnen. Das Leben im Heim ist für die Kinder ein Martyrium. Mit gnadenloser physischer und psychischer Gewalt wird ihnen alles vermeintlich Heidnische auszutreiben versucht.

Nach einigen Jahren im Heim eröffnet sein außergewöhnliches Talent im Eishockey Saul eine überraschende Perspektive: Er kann das Heim verlassen, um bei der Familie von Martha und Fred zu leben, die früher selbst Heimkinder in St. Jerome’s waren. Fred trainiert „The Moose“, ein sogenanntes Reservat-Team, und sieht das unglaubliche Potenzial, das in Saul steckt.

So rettet das Eishockey Saul vor dem Heim und bietet ihm eine einzigartige Chance. Sein Talent, sein Ehrgeiz und seine beinahe magische Fähigkeit, das Spiel zu lesen, tragen ihn schließlich in ungeahnte sportliche Höhen. Doch egal wie gut er ist, wie sehr er sich anstrengt oder sich anzupassen versucht, aufgrund seiner indianischen Herkunft bleibt er immer ein Außenseiter, von dem die weißen Kanadier sich „ihr“ Spiel nicht klauen lassen wollen. Je besser er wird, desto mehr wird er abgelehnt.

Daran und an seiner persönlichen Geschichte droht Saul zu zerbrechen, und er begibt sich auf einen langen, einsamen und steinigen Weg, um sich dem Trauma seiner Zeit in St. Jerome’s zu stellen und seinen Platz in der Welt zu finden. Ihm dabei zu folgen, ist dank der kraftvollen, poetischen Sprache Wagameses ein ganz besonderer (Lese-)Genuss. „Der gefrorene Himmel“ ist ein fesselnder, tief bewegender Roman über eine nicht allzu ferne Vergangenheit, der an ein Trauma der kanadischen Gesellschaft rührt und mich sehr berührt hat.

Inhaltsangabe

Kanada in den 1960er-Jahren: Als kleiner Junge wird Saul von den Behörden seinen Eltern entrissen und auf eine Residential School geschickt, wo ausschließlich Kinder leben, die den kanadischen First Nations entstammen. Diese Schulen sollen die Kinder von ihren Eltern und von deren kulturellem Einfluss fernhalten. Als großes Eishockeytalent kann sich Saul etwas Anerkennung und Würde erkämpfen, doch selbst dieser urkanadische sportliche Erfolg bewahrt ihn nicht vor rassistischer Demütigung und kultureller Entwurzelung. Erst als er die Gabe der Vision, die schon sein Urgroßvater besaß, in sich entdeckt, und er sich auf den Weg in seine ursprüngliche Heimat macht, lernt Saul die allgegenwärtige Magie kennen, die auch sein Leben durchwirkt.

Richard Wagamese

… geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations.

Er veröffentlichte 15 Bücher, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Publikumspreis des Canada-Reads-Programms des staatlichen Rundfunks für den Roman „Der gefrorene Himmel“, dessen von Clint Eastwood produzierte Verfilmung ebenfalls preisgekrönt wurde.

Als Kind von seinen Eltern getrennt, aufgewachsen in Heimen und bei Pflegefamilien, die ihm eine Beziehung zu seinen indigenen Wurzeln verboten, wurde Wagamese erst im Alter von 23 Jahren wieder mit seiner Familie vereint.

Er ließ sich in Kamloops, British Columbia, nieder, wo ihm später von der Thompson Rivers University die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Richard Wagamese verstarb im Jahr 2017.

    Hinterlassen Sie ein Kommentar

    18 + vierzehn =