Buchempfehlung: Maifliegenzeit von Mathias Jugler #62

von Martin Vögele von der Buchhandlung Riemann | Gesponserter Beitrag

Ein kleines Buch über ein großes Unrecht

Nach „Die Verlassenen“ greift Matthias Jügler auch in seinem neuen Roman „Maifliegenzeit“ ein dunkles Kapitel ostdeutscher Geschichte auf: In bis zu 2000 Fällen soll in der DDR der Tod eines Säuglings vorgetäuscht worden sein.

Hans, der Ich-Erzähler in „Maifliegenzeit“, ist Rentner und passionierter Angler. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin Anne in seinem nahe der Unstrut gelegenen Elternhaus und verbringt viele Stunden am Fluss. Die große Tragödie seines Lebens, den Tod seines Sohnes, hat er in einem entlegenen Winkel seines Bewusstseins abgelegt. Daniel starb unmittelbar nach seiner Geburt, und die Ohnmacht ob dieses schrecklichen Ereignisses sowie insbesondere die Zweifel, die seine Frau Katrin an der offiziellen Version des Geschehens von Anfang an hat, münden in der raschen Trennung des sich zuvor liebenden Paares. 1987, neun Jahre nach Daniels Geburt und ihrer Trennung, treffen sich Katrin und Hans auf ihren Wunsch erstmals wieder. Katrin weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat und äußert eine letzte Bitte: Er möge die Augen offenhalten und die die Möglichkeit zu Nachforschungen nutzen, sollte sich diese eines Tages ergeben.

Ihre Überzeugung lässt ihn nicht unbeeindruckt, und so beginnt Hans kurz nach dem Fall der Mauer zu recherchieren. Er beantragt Einsicht in die Krankenhausakten, wird jedoch mit fadenscheinigen Antworten abgespeist. Hans lädt Schuld auf sich, als er trotz der offenkundigen Ungereimtheiten dem offensichtlichen Verbrechen jahrelang nicht nachgeht. Erst im Jahr 2007 rafft er sich zu einem neuen Anlauf auf, scheitert aber erneut.

Als Hans eines Tages vom Angeln nach Hause kommt, erwartet ihn seine Lebensgefährtin mit der Nachricht, dass Daniel angerufen hat. Daniel, sein einziges und seit vierzig Jahren totes Kind, für das Hans selbst das Grab ausgehoben hatte. Das erste Treffen von Vater und Sohn verläuft nicht so, wie von Hans erhofft und erwartet. Was Daniels Adoptiveltern ihm über seine Adoption erzählt haben, entspricht nicht der Wahrheit, und so reagiert dieser zunächst abweisend …

„Maifliegenzeit“ ist ein eindringlicher, spannender und bewegender Roman über ein unwiederbringlich verlorenes Familienleben, um das die leiblichen Eltern von einem diktatorischen Staat betrogen wurden. Ich freue mich sehr darüber, dass es dem Team von „Coburg liest!“ gelungen ist, nicht nur Matthias Jügler, sondern auch seine Lektorin Angelika Schedel für einen Auftritt in Coburg zu begeistern. Am Freitag, den 26. April, werden die beiden bei uns in der Buchhandlung zu Gast sein.

INHALTSANGABE

Für Katrin und Hans wird der Alptraum aller Eltern wahr: Nach der Geburt verlieren sie noch im Krankenhaus unweit von Leipzig ihr erstes Kind − und kurz darauf auch sich als Paar. Denn Katrin quälen Zweifel an der Darstellung der Ärzte, Zweifel, von denen Hans nichts wissen will. Als Katrin Jahre später stirbt, wird klar, dass sie mit ihren Befürchtungen womöglich Recht hatte. Bei seinen Recherchen, die ihn tief in die Geschichte der DDR führen, stößt Hans auf Ungereimtheiten und eine Mauer des Schweigens …

MATTHIAS JÜGLER, …

… geboren 1984 in Halle/Saale, studierte Skandinavistik und Kunstgeschichte in Greifswald sowie Oslo und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sowohl für seinen Debütroman »Raubfischen« (2015) als auch für seinen Roman »Die Verlassenen« (2021) wurde er mehrfach ausgezeichnet, 2022 erhielt er den Klopstock-Preis für Literatur des Landes Sachsen-Anhalt. 2023 war Jügler Stadtschreiber von Halle. Er lebt mit seiner Familie in Leipzig, wo er auch als freier Lektor arbeitet.

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