Das Jahr 2020 – Erfolgsgeschichten im Krisenjahr #42

Das Jahr 2020

Geschlossene Türen, Stoffmasken vor dem Gesicht, Plexiglasscheiben, die uns von den Mitmenschen trennen. Abstand halten, Ausweichen anstelle von Umarmungen, Berührungen und Nähe. Was für ein Jahr!

Viele Pläne, ob eine lang geplante Urlaubsreise oder ein Familienfest, konnten wir nicht realisieren. Das SARS-CoV-2-Virus wütet immer noch weltweit. Es weist uns in unsere Grenzen. Doch gibt es in dieser Krise auch viele kleine und große Erfolgsgeschichten. Wir haben uns mit Menschen getroffen, die kreativ auf die neue Situation reagiert haben, die anpacken und helfen. Beispielsweise freuen wir uns über unser Gespräch mit einer Seniorin, die die Corona-Infektion überlebt hat. Und wir zeigen, wie Coburg trotz der Corona-Pandemie voranschreitet. Der COBURGER stellt sechs Erfolgsgeschichten vor.

Im Süden Coburgs entsteht ein Leuchtturmprojekt:

Es ist nicht zu übersehen: Im Süden Coburgs, zwischen den Bahngleisen und der Itz, sind Bauarbeiten im vollen Gang. Dort entsteht ein architektonisches Highlight: Das Globe wird nach englischem Vorbild auf dem ehemaligen Güterbahnhofareal gebaut. Es wächst viergeschossig in die Höhe und ist momentan das größte Bauvorhaben der Stadt Coburg. Der Rundbau soll als Interimsspielstätte für das sanierungsbedürftige Landestheater genutzt werden. Das markante Bauwerk soll aber auch langfristig Coburgs Kulturszene bereichern und für Veranstaltungen genutzt werden. „Das Globe war von Anfang an und in vieler Hinsicht außergewöhnlich“, sagt Peter Cosack, Leiter des Hochbauamtes der Stadt Coburg. Auch deshalb, weil viele Beteiligte, wie die Globe Coburg GmbH, die Hochschule Coburg, das Designforum Oberfranken, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg, die Stadtverwaltung Coburg mit dem Coburger Stadtrat und nicht zuletzt die vielen externen Fachplaner in die Maßnahme involviert seien. „Das Besondere ist aber auch, dass eine Studienarbeit zweier Studierenden der Hochschule Coburg aus dem Jahr 2016 Grundlage für das Globe war, die jetzt realisiert wird“, sagt Cosack. Die Idee ein Globe zu errichten, kam vor allem auch bei den drei Coburger Unternehmen Brose, Kaeser Kompressoren und HUKCoburg gut an. Die drei Unternehmen unterstützen die Maßnahme mit je einer Million Euro. Die Gesamtkosten für den Rundbau mit seinen drei Nebengebäuden und Außenanlagen belaufen sich auf 33 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt mit zehn Millionen Euro. Das Globe soll im Herbst 2022 fertig sein und das Herzstück von Coburgs neuen Süden bilden.

Coburg bekommt einen Zukunftsbahnhof:

Im Moment ist er noch eine Baustelle, aber das soll sich bald ändern. Der Bahnhof in Coburg wird saniert und soll nach Abschluss der Arbeiten zu einem Vorzeigeprojekt werden. Coburg wird einer von zwei Zukunftsbahnhöfen in Bayern. Insgesamt tragen dieses Label 16 Bahnhöfe bundesweit. Die Deutsche Bahn (DB) modernisiert das Innendesign des Gebäudes und gestaltet die Unterführung zu den Bahnsteigen neu. Um den Charme des Bahnhofes zu bewahren und noch zu erhöhen, bleiben dabei die historischen Elemente erhalten. „Ziel ist eine deutlich verbesserte Aufenthaltsqualität für alle Reisenden und Besucher“, sagt Stefanie Ehlert, Projektleiterin Zukunftsbahnhöfe Bayern. Die Empfangshalle und der Durchgang zur Unterführung sollen bereits bis Ende 2020 fertiggestellt sein. Den Reisenden in Coburg stehe dann ein neuer Fußboden im historischen Schachbrettmuster sowie einladende Sitzlandschaften zur Verfügung. Die Arbeiten an der Unterführung dauern noch bis in 2021 an. Insgesamt investieren die DB und der Freistaat Bayern rund 1,8 Millionen Euro. Die Stadt Coburg ergänzt die Maßnahmen in ihrer Zuständigkeit mit Investitionen von rund 500.000 Euro.

Digitalisierung an Schulen nimmt endlich Fahrt auf:

Homeschooling ist plötzlich ein Thema. Die Digitalisierung an den Schulen nimmt Fahrt auf. „Wir haben dazu gelernt, vieles was wir jetzt eingeführt haben, wird auch nach der Corona- Pandemie bestehen bleiben“, sagt Klaus Reisenweber, Rektor der Realschule Coburg II. Die Schulen im gesamten Bundesgebiet, in Stadt und Landkreis Coburg mussten auf die neue Lage reagieren. In der Realschule Coburg II werden Turnhalle, Biologie-, Physik- und Chemieräume zusätzlich für den Unterricht genutzt. Dadurch sind neue Schulräume entstanden, die ausreichend Platz bieten. Es kann weitgehend auf den Wechselunterricht verzichtet werden, vor allem in den neunten und zehnten Klassen. Eine neue Form des Unterrichtes ist es, die Schüler einer Klasse auf zwei Klassenzimmer aufzuteilen. Der Lehrer befindet sich in einem Raum und die Schulstunde wird in das andere Klassenzimmer live übertragen. Homeschooling, also lernen von zu Hause aus, ist auch ein Thema in der „COII“, zum Beispiel auch dann, wenn sich eine Klasse in Quarantäne befindet. Pünktlich um acht Uhr morgens loggen sich die Schüler per Liveschaltung in die Schule ein. Muss ein Lehrer im Homeoffice bleiben, dann kann er sich ebenso in das Klassenzimmer schalten. Das Jahr 2020 hat die Schule verändert, aber nicht nur negativ. „Es ist schön zu sehen, dass die Schüler die Schule mehr zu schätzen wissen“, sagt Reisenweber. Die Schüler seien sehr vernünftig und diszipliniert. Anna Mitzel, Greta Irowec und Isabel Wittmann aus einer zehnten Klasse der Realschule Coburg II haben sich auf die neue Situation eingestellt. „Es ist zwar ein komplett anderer Unterricht, aber die Schulen müssen ja Maßnahmen ergreifen“, sagt Anna. Homeschooling, so Greta, habe gut geklappt, obwohl sie den Unterricht in der Schule bevorzuge. Dem stimmt Isabel zu: „Zu Hause ist es schwerer sich motivieren als in der Klassengemeinschaft .“ Der Landkreis Coburg und der Freistaat Bayern haben der „CO II“ übrigens über 100 Tablets zur Verfügung gestellt. Die Digitalisierung schreitet in Schulen schrittweise voran, ob mit oder ohne Homeschooling.

Gesundheits- und Pflegepersonal hilft im Dauereinsatz:

„Ich bin nicht mehr dieselbe, wie ich vor der Erkrankung war“, sagt Gudrun Stegner. Der 86-jährigen Neustadterin steckt der Schreck immer noch in den Knochen. Im Frühjahr 2020 wurde sie positiv auf Corona getestet und seitdem ist nichts mehr, wie es vorher war. „Ich habe geistig und körperlich stark abgebaut in kurzer Zeit“, sagt die Seniorin.

Im Frühjahr bemerkte Gudrun Stegner, dass sie nichts mehr riechen und schmecken konnte. Sie hatte keinen Appetit mehr und verlor stark an Gewicht. Hinzu kamen Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen und ein psychischer und physischer Abbau, unter dem sie heute noch leitet. „Dass man so was bekommt, daran haben wir nicht gedacht“, sagt die Seniorin. Gudrun Stegner war wegen einer Operation im Krankenhaus, als sie dort positiv getestet wurde.

Zwei Wochen musste sie auf der Isolierstation bleiben. Nach der stationären Behandlung war die Rentnerin noch weitere zwei Wochen in Quarantäne. Mit ihren Kindern konnte sie in dieser Zeit nur telefonieren. „Ich habe meine Mutter vier Wochen lang nicht gesehen, sie hat viel geweint“, sagt Tochter Ute Wildner. Gudrun Stegner versteht nicht, dass es Corona- Leugner gibt, die auf die Straße gehen und andere Menschen mutwillig gefährden. „Die Verordnungen der Regierung sind keine Schikane, sondern das sind Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz aller.“ Schließlich könne Corona jeden treffen, unabhängig vom Alter.

Gemeinsam geht Coburg durch die Krise:

Als der erste Lockdown im Frühjahr ausgerufen wurde, konnte die 93-jährige Georgeta Ehlers ihr Haus nicht mehr verlassen. Gut, dass es Menschen wie Lena Kropp gibt, die spontan geholfen haben. Die Pandemie hat die Studentin im Frühjahr in eine Zwangspause versetzt. Lena wollte helfen und stand Georgeta Ehlers zur Seite. Die Studentin kaufte ein, besorgte Medikamente in der Apotheke und hörte einfach zu. „Einmal ist es mir einfach ein Anliegen, so nach meinem besten Wissen, Gewissen und so, wie ich kann, eine Hilfe zu sein für die Leute, die jetzt eben nicht mehr einkaufen können oder auch stark gefährdet sind. Und dann bin ich auch ganz froh, was zu tun zu haben“, sagt Lena. Der Kontakt zu den Senioren entstand im AWO-Mehrgenerationshaus im Bürglassschlösschen in Coburg. Dort absolvierte Lena eine Ausbildung, um pflegende Angehörige zu entlasten. Zuhören, trösten, einkaufen und einfach da sein – manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die Großes bewirken.

Coburgs Betriebe reagieren kreativ und flexibel:

Die Corona-Pandemie hat das Hotel- und Gastronomiegewerbe und die Kunst- und Kulturschaffenden besonders hart getroffen. Einfach nur die Türen schließen, war für viele keine Option, auch nicht für Louis Sommer, den Geschäftsführer des Lokals 1627 in Coburg. Zu Beginn der Pandemie, bei dem ersten Lockdown, wussten Louis Sommer und seine Partnerin Andrea Lindner noch nicht, wie es weitergehen sollte. „Wir hatten da noch nicht so große Bedenken, wir haben unseren Jahresputz gemacht, renoviert, restauriert und die Mitarbeiter haben Überstunden abgebaut.“ Doch dann wurde klar, dass ein neues Konzept erstellt werden musste. Das 1627 hat nicht nur auf das „To-go-Geschäft“ gesetzt, sondern auch das Restaurant in einen Kiosk umgestaltet. „Die Idee dahinter ist, dass auch tagsüber Leute in unser Haus kommen. Wir wollen keinen Stillstand, wir wollen weiter wahrgenommen werden“, sagt Louis Sommer. Im Kiosk werden ausgesuchte Produkte verkauft, die direkt vom Hersteller kommen, wie Spirituosen, Weine, kleine Geschenke oder auch selbst gemachte Spezialitäten. Ab 17 Uhr läuft das „To-go-Geschäft“ mit Speisen und Getränken für Zuhause. „Ich bin dankbar und zufrieden, dass das so funktioniert“, sagt Louis Sommer, und zufrieden ist er trotz der Pandemie.

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