Monaco Franke

Der Monaco Franke #54

Iech muss Sie amoll was frong‘: Sind Sie auch so zwiegespalten? Der Monaco jedenfalls ist voll in der Zwickmühle – im WM-Dilemma! Einerseits lockt jetzt viereinhalb Wochen lang die Fußball-Weltmeisterschaft mit bis zu vier Partien pro Tag im frei empfangbaren Fernsehen. Andererseits gibt’s ja sehr gute Gründe, die nachweislich gekauft e Veranstaltung in Katar zu boykottieren und so seinen Beitrag zu leisten, dass es ein Turnier wird, das hinterher niemand als Erfolg verkaufen kann. Man hört die Infantinos und Scheichs ja nur beim Gedanken daran schon im Brustton ihrer Überzeugung stolz verkünden: „Das war die tollste, erfolgreichste, beste WM aller Zeiten.“

Fußballfans haben es in diesen Tagen nicht leicht. Eine WM findet schließlich nur alle vier Jahre statt und ist gerade deshalb immer irgendwie etwas Besonderes. Und woar des ned schee früher als Kind? Erschd hat man sein ganzes Taschengeld und all die Zehnerla und Fuggerla, die einem der Opa oder die Oma zugesteckt haben, für Paninibildla ausgegeben, die man dann ins passende Album neigebichd hat (von Argentinien 1978 fehlen mir immer noch Rüdiger Abramczik und des Wappen von Mexiko, falls die jemand doppelt hat!). Dann gab’s die besten Spiele live im Fernsehen, kommentiert von Ernst Huberty, Heribert Faßbender, Dieter Kürten oder Gerd Rubenbauer. Und wenn man vorher nicht ins Bett musste, weil am nächsten Tag wieder Schule war, durfte man gucken bis in die Bubbm und am nächsten Tag im Sportunterricht (wo die Jungs natürlich Fußball spielen durften) den Müllers und Abramcziks oder später den Völlers und Klinsmännern nacheifern.

Und diesmal? Streng genommen war ja schon seit der Bekanntgabe Ende 2010 klar, dass bei der WM 2022 alles anders sein würde. Anders, aber sicher nicht besser. Letztlich hat in den nachfolgenden Jahren aber niemand den Mut gefunden, darauf zu drängen, die WM-Vergabe rückgängig zu machen und das Turnier neu zu vergeben. Na ja, von denne Gleeskepf bei der FIFA woar nix annersch zu erwarten, wemma ehrlich is‘. Wie hätt‘ des aa geh’ sollen? Hätten die Delegierten, die ihr Kreizla für Katar gmacht ham, ja die Rolex-Uhren, Bestechungsmillionen und all die anderen „Geschenke“ wieder zurückgehm‘ sollen, oder wie?! Bei vielen anderen Akteuren – auch beim Deutschen Fußball Bund – hatte man aber auch nicht den Eindruck, dass sie wirklich Druck machen wollten. Das eine oder andere kritische Wort ja, aber bitte bloß nicht zu sehr anecken! Jetzt, ein paar Jahre und viele viele Tote auf den Stadionbaustellen später, hadert die Fußballwelt mit der Entscheidung, die der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter am 2. Dezember 2010 verkündete. Eine Fußball-Weltmeisterschaft in ein Land zu vergeben, das Menschenrechte für überflüssig hält, das Frauen nach wie vor nicht als gleichberechtigt ansieht und deren Rechte mit Füßen tritt und das Homosexualität für einen „geistigen Schaden“ (Original- Wortlaut des katarischen WM-Botschafters und früheren Fußball-Nationalspielers Khalid Salman!) hält, war halt doch keine so gute Idee. Von anderen Bewegungen wie etwa der LGBTQ-Szene mal ganz zu schweigen! Alle seien in Katar willkommen, heißt es zwar. Im Land müsse man sich aber dann schon an die dort geltenden Regeln halten. Wenn eben etwas „haram“, also verboten sei, dann steht darauf eben Gefängnis. Wenn’s gut läuft . Schließlich wird in Katar ja auch noch die Todesstrafe vollzogen, und dafür kann die „falsche“ sexuelle Orientierung schon ausreichen. Hilfsorganisationen berichten jedenfalls von willkürlichen Verhaftungen, Verhören, psychischer Folter und Auspeitschungen bis hin zum Tod. Ja, ham na die alle aans an der Waffel? Klar muss in so einem Land eine Fußball-WM stattfinden! In Wirklichkeit wird’s schon nicht so schlimm werden. Das glaubt zum Beispiel so jemand wie Uli Hoeneß, der moralisch ja sowieso über allen anderen schwebt und immer den Durchblick hat. Das hat er mit seinen früheren Klubkollegen, dem Rolex-Empfänger Karl- Heinz Rummenigge (dass die nicht versteuerten Uhren ein Geschenk der Kataris waren, bestreitet der frühere FC Bayern-Vorstand bis heute) und auch mit Franz Beckenbauer gemeinsam, der auf den Stadionbaustellen in Katar „keinen einzigen Sklaven“ gesehen haben will. „Die laufen alle frei rum.“ Überhaupt die Stadien! Acht Arenen mit Fassungsvermögen zwischen 40.000 und 80.000 wurden aus dem Wüstenboden gestampft , auf einer Fläche, die deutlich kleiner ist als Thüringen und kaum größer als Oberfranken! Nach der WM werden hier in der einheimischen Liga die Vereine wieder vor ein paar hundert Zuschauern kicken. Das ist, was die Nachhaltigkeit angeht, genauso fragwürdig wie das, was die Katarer der Umwelt antun mit ihren runtergekühlten Arenen. Die Behauptung, die Energie dafür komme aus einem Solarkraft werk, klingt zwar ganz schön. Es blieb bis wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel eine Behauptung. Belegt ist das nicht. Die Deutsche Umwelthilfe jedenfalls ist der Meinung: „Alle wissen, dass dort etwas geschaffen wurde, das ökologisch nicht nachhaltig ist.“ Uff ! Des sind fei viele Argumente, die gegen diesen WM-Ausrichter sprechen! Viele Bekannte wollen das Ereignis daher boykottieren – zumindest vor dem Fernseher. Selbst Sportjournalisten und Fußballtrainer höherklassiger Teams, wie Jan Gernlein von Bayernliga-Tabellenführer 1. FC Eintracht Bamberg, haben angekündigt, sich keine WM-Partien anzuschauen. Es gibt ja auch genügend Alternativprogramm in der Weihnachtszeit, nicht zuletzt sagenhafte 15 Ausstrahlungen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und diverse Wiederholungen vom „kleinen Lord“ …

Wie der Monaco sein Dilemma löst? Ganz einfach. Der träumt weiter von seinem Lieblingsverein, dem er – wenn es die Zeit und das Schätzla zulassen – dann wieder ab Januar zu Auswärtsspielen hinterherreist, egal wie weit der Weg auch sein mag. Je nachdem, wo der Liga-Fahrstuhl gerade hält, geht’s mal nur in ein fränkisches Provinzdorf („tschuldichung, wo geht’sn do zum Stadion von Hinterbrücklasreuth?“), mal ist er in ganz Bayern unterwegs (na, wer war sonst schon auf dem Sportplatz in Th annhausen oder Markt Schwaben?), mal sogar in größeren, traditionsreichen Arenen. Selbst eine 1.000-Kilometer-Fahrt mit dem Diesel ist klimafreundlicher als eine Spielsekunde in Katar, schon gleich wenn noch jemand mitfährt. Reicht ja, wenn die FIFA das Kulturgut Fußball so in den (katarischen) Sand setzt.

Schätzla, schau wie iech schau!

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