Monaco Franke

Der Monaco Franke #57

Diese Parallelität der Ereignisse – soll mir fei bluuß kaaner erzählen, dass des Zufall woar! Aber irgendwie ist es ja auch putzig, dass sich Markus Söder ausgerechnet an dem Tag zum CSU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl wählen lässt, an dem Charles III. in Westminster Abbey zum König gekrönt wird. Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten: Während in England nach Händels Krönungshymne „Zadok Th e Priest“ ein beherztes „God save the King!“ gefolgt von einem „Long live the King!“ zu hören ist, ertönt beim Parteitag in Nürnberg noch nicht mal der eigentlich obligatorische Defiliermarsch für „König Maggus“.

Das war beim Politischen Aschermittwoch in Passau schiefgegangen (die örtliche Stadtkapelle hatte zum Ärger Söders stattdessen den Marinemarsch „Gruß an Kiel“ angestimmt … KIEL!). Diesmal wollte man sich nicht blamieren und verzichtete vorsorglich darauf. Auch der Ablauf der „Krönung“ verlief in Nürnberg etwas anders. Während der mit Öl gesalbte Charles immer ein „König von Gottes Gnaden“ sein wird, war der Machterhalt des selten salbungsvollen großen Mittelfranken von der Zustimmung seiner Delegierten abhängig. Die „krönten“ ihn nun für weitere fünf Jahre zum designierten alten und neuen bayerischen Ministerpräsidenten.

Per Handzeichen. Sicher ist sicher. Etwaige Abweichler (die es dann nicht gab) hätten so leichter identifiziert und von seiner Majestät in die politische Bedeutungslosigkeit verbannt werden können. Damit sind wir also wieder mal im Wahlkampf angekommen. Goar ned Söders Ding, gell, so zurückhaltend und ausgleichend, wie er sich immer gibt! (Do g’hearad jetz a Zwinkersmiley her!) Nein, jetzt im Ernst: Man hat bei Söder ja eigentlich immer das Gefühl, dass er mitten im Wahlkampf steckt. Die komplette laufende Legislaturperiode schoss er bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen die anderen Parteien und ganz besonders gerne gegen die Grünen. Es schien gerade so, als sei er vor allem damit beschäftigt, sei Fähnla noch’m Wind zu hänga und seine Meinung den aktuellen Umfragen anzupassen. Dass er häufiger in Bierzelten anzutreffen war als im Plenum im Landtag? G’hört halt aa zum Job! Dass er sich wie beim Thema AKW-Laufzeiten dabei wiederholt selbst widerspricht? Worschd! Wo das bis zum 8. Oktober noch hinführen soll? Kei‘ Ahnung!

Söder ist eben ein leidenschaftlicher Politiker, was ihn von seinen fränkischen Landsleuten durchaus unterscheidet. Schließlich gilt der Franke gemeinhin als leidenschaftlich leidenschaftslos. Googeln Sie mal „Franken + Leidenschaft “! Da wunnert dich fei nix mehr! Die Top-Suchergebnisse, die man da angezeigt bekommt, sind „Leidenschaft für Gerstensaft“ und „Leidenschaft für altes Kernobst“ – damit ist dann auch schon vieles gesagt.

Naa, is natürlich a Käs! Freilich kann der Franke Leidenschaft! Es dauert halt oft nur etwas länger, bis sich das auch zeigt oder bis ihm die Gäule durchgehen. Das zeigt sich schon in der Beziehung. Wenn’s Schätzla redet, dann erwartet die Gattin kei‘ Antwort und erst recht keinen Widerspruch. Da kann der Franke ganz er selbst sein und muss nicht raus aus seiner Haut, sondern sitzt den Wortschwall aus. Nur so funktioniert das überhaupt mit der Ehe! Auch boliddisch hält er sich eher zurück und wählt konservativ, also das, „wos iech scho immer g’wählt hob“! Höchstens wenn vor der eigenen Haustüre die „Revolution“ ausgerufen wird, also der Müllwoong nimmer mondoochs, sondern blödzlich mittwochs kummt oder aufm Weg zur Arbeit scho widder a Fahrspur denne Drahteselkutscher geopfert wird, geht auch schon mal der Protestler mit ihm durch.

Dagegen wird er schnell aufbrausend, wenn ihm jemand ned sei Ruh’ lässt: „Horch, Du Waafn! Der Watschnbaum fällt fei glei um, gell!“ Selbiges gilt für die Kulinarik. Auf gar keinen Fall will der Franke hören, dass sein Schäuferla oder der Sonndochs-Krustenbrodn nicht gerade zum Gesündesten gehören, was die Speisekarte hergibt, und er doch lieber mal einen Salat bestellen soll. Was er isst und trinkt, das ist „sei Sach‘“ und das gilt im übrigen – und da bildet die Google-Suche mal wirklich die Wahrheit ab auch fürs Elferseidla, den Frühund den Dämmerschoppen. Weil: Beim Bier, do hod da Spass a Loch!

Und da wären wir auch schon wieder bei Söder. Dass ihm ausgerechnet jetzt sein „Lieblingsgegner“ einen Skandal auf dem Silbertablett serviert, ist ein gefundenes Fressen für den Machtmenschen aus Nürnberg. Die „Affäre Graichen“ schüttelt Robert Habecks Vetternwirtschaftsministerium ordentlich durch, und – netter Nebeneffekt lenkt von den eigenen, gar nicht so guten Glaubwürdigkeitswerten ab, die der Bayern-Trend alle paar Wochen ausspuckt. Der MP kommentiert das entsprechend genüsslich, spricht von „grüner Korruption“ und lässt seinem Terrier Alexander Dobrinth einen Paten-Mafia-Vergleich durchgehen.

So macht Wahlkampf Spaß! Ist aber auch schön, wenn sich der politische Rivale selbst zerlegt, weil dessen Staatssekretär, der sein Trauzeuge ist, alle Freunde und Verwandte samt ihrer Ehefrauen mit Pöstchen versorgt. So einen Amigo-Filz hat‘s in dieser Gründlichkeit schon lange nicht gegeben und würde wohl selbst dem Streibl Max Respekt abnötigen, dem „Sonnenkönig aus Oberammergau“. Long live the King! Schätzla, schau, wie iech schau!

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