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HIER WOHNTE… #35

… HERZOG CARL EDUARD

Das war eine gelungene Gemeinschaftsaktion, als das Großherzogtum Sachsen- Weimar-Eisenach und die Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha sowie Sachsen in einem Staatsvertrag 1856 beschlossen, eine Eisenbahnstrecke von Eisenach nach Coburg zu bauen. Bereits zwei Jahre später konnte die 130 Kilometer lange Strecke feierlich eingeweiht werden. Eine bemerkenswert schnelle Bauzeit. Schließlich entstanden neben der eingleisigen Strecke auch zahlreiche Lokschuppen, Betriebsgebäude, Brücken sowie Über- und Unterführungen. Und in Coburg sogar ein fürstlicher Wartesaal.

Den Mitgliedern des Herzogshauses und auch deren Verwandten aus dem europäischen Hochadel konnte – so die Überzeugung damals – das gemeinsame Warten mit dem normalen Bürger unmöglich zugemutet werden. Also wurde zwischen 1911 und 1915 begonnen, ein neues Empfangsgebäude mit Anbau nur für die Herzogsfamilie zu errichten. Zwischenzeitlich kamen die Bauarbeiten aufgrund des 1.Weltkriegs allerdings komplett zum Erliegen. Erst im Jahre 1923 wurde das Stationsgebäude so, wie es heute noch steht, fertig gestellt. Der Südflügel, der sogenannte Fürstenbahnhof, war zu dieser Zeit aber schon seiner eigentlichen Funktion beraubt. Denn der letzte Coburger Herzog Carl Eduard hatte bereits 1918 abgedankt. So war der Fürstenbahnhof, den die Coburger kurz „Fürstenbau“ nennen, nur kurze Zeit in Betrieb. Ein bisschen Stolz mag bei seinen Untertanen dennoch mitgeschwungen haben, wenn Carl Eduard mit seinem von der Gothaer Waggonfabrik gelieferten Salonwagen in den Coburger Bahnhof einfuhr. Er war mit der neuesten Technik ausgestattet, hatte zwei Schlafzimmer, einen Salon und drei Toiletten. Damit ließe es sich auch heute noch komfortabel vorwärtskommen. Die zwei Löwen über dem Eingang des Fürstenbahnhofes erinnern an diese Zeit: Die Tiere halten bis heute das Wappen des Herzogshauses fest in ihren Tatzen.

Vieles hat sich seitdem verändert. Wo man im Jahre 2019 Bücher und Zeitungen kaufen kann oder sich einen Kaffee to go im Vorbeigehen mitnimmt, gab es früher eine Bahnhofsgaststätte und Wartebereiche für die 1. und 2. Klasse. Also sonderte sich nicht nur der Adel von den Bürgern ab, sondern selbst die Bürger untereinander. Selbst ein Gepäcklager mit Münzwaage zur Kontrolle des Gepäcks beherbergte das Gebäude. Beim Ausbau der Stadtautobahn verschwanden etliche Bauwerke der Bahn. Bei Ed’s Bräustüble etwa ein Stellwerk, eine Bahnmeisterei an der Adamistraße und ein Wohnhaus für Bahnarbeiter im Rummental. Und im Fürstenbahnhof? Da herrscht bis heute noch viel Verkehr. Kundenverkehr. Denn seit 1992 kümmert sich das Team um Heidi Scheler gemeinsam um die Haare ihrer Kunden. Hier wird geschnitten, gefärbt, gewellt und geglättet. Aber auch die neuesten Neuigkeiten ausgetauscht bei einer schönen Tasse Kaffee. Wie sich das so gehört auf einem Bahnhof.

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