Kandidaten #46

10 Kandidaten wollen für den Wahlkreis Coburg – Kronach in den Bundestag, allesamt neue Gesichter. Das verspricht Spannung. Wer macht das Rennen für das Direktmandat? Wir stellen sie vor.

Dr. Jonas Geissler – CSU


Der Kronacher ist 37 Jahre alt und Regierungsrat im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Er hat Politikwissenschaft, Geschichte und Internationale Beziehungen in Erlangen und Budapest (2003-2009) studiert. Am Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte der Uni Erlangen hat er promoviert. Geissler ist seit 2008 Stadt- und Kreisrat in Kronach, Fraktionsvorsitzender der CSU-Fraktion, Vorsitzender der Jungen Union Oberfranken und des CSU-Bundeswahlkreises Coburg/Kronach/Geroldsgrün. Die hohen Arbeitslosenzahlen Anfang der 2000er-Jahre seien zwar überwunden, aber das Erreichte müsse nachhaltig gesichert werden, sagt er. Dazu seien Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig. Vor allem müsse die Mobilität neu gedacht werden, zum Beispiel müsse man aufs autonome Fahren, flächendeckende Elektromobilität, Wasserstofffahrzeuge und die Energiewende als Ganzes vorbereitet sein. Dazu müssten Hochschule und Unternehmen an einen Tisch gebracht, Ökologie und Ökonomie miteinander verbunden werden. Überhaupt plädiert er dafür, dass alle Handelnden an einem Strang ziehen. Die Aufgabe von jedem, der politisch aktiv ist, sollte es in erster Linie sein, Brücken zu bauen und Lösungen im Miteinander zu entwickeln. Geissler möchte sich in den Dienst dieser Lösungen stellen.

 

Ramona Brehm –  SPD 


Die SPD-Direktkandidatin für den Wahlkreis Coburg/Kronach und Geroldsgrün wurde 1990 in Sonneberg geboren und wohnt seit 2013 in Coburg. Seit dem Jahr 2010 arbeitet sie als Schornsteinfegergesellin in Coburg Stadt und Landkreis. Im März 2018 wurde sie zur „Miss Handwerk“ gekürt und war anschließend ein Jahr lang als Repräsentantin des Handwerks deutschlandweit unterwegs. Im selben Jahr wurde sie zur „Botschafterin des Coburger Landes“ ernannt. Brehm ist aktives Mitglied bei „Kaminkehrer helfen krebskranken Kindern“ und bei den „Junioren des Handwerks“.

Emotional geprägt hat Brehm das Schicksal ihrer im vergangenen Jahr verstorbenen Mutter, die fast 23 Jahre lang in der Altenpflege in Coburg tätig war. Auch deshalb plädiert die SPD-Kandidatin für eine Reform des Gesundheitswesens und fordert eine drastische Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Außerdem hat sie den Fachkräftemangel im Handwerk im Fokus. Sie fordert auch hier veränderte Arbeitsbedingungen und einen Imagewandel, um von den Vorzügen einer Tätigkeit im Handwerk zu überzeugen.  Ein verbindlicher Mindestlohn in Höhe von 12 Euro sowie eine stärkere Bindung an Tarifverträge, das Recht auf Weiterbildung und die Garantie eines Ausbildungsplatzes für alle Absolventen sind weitere Punkte ihrer Agenda. 

 

Johannes Wagner– Bündnis 90/Die GRÜNEN


Der Coburger Kinderarzt wurde 1991 in Nürnberg geboren. Er hat in Bamberg im Jahr 2011 sein Abitur abgelegt und an der FAU Erlangen und JMU Würzburg Humanmedizin studiert. Von 2016 bis 2018 war Wagner Jugenddelegierter für nachhaltige Entwicklung bei den Vereinten Nationen. Wagner ist Gründer und Koordinator der AG Klima und Gesundheit beim Global Health Hub Germany. Seit 2020 arbeitet er als Kinderarzt in Weiterbildung am Regiomed-Verbundkrankenhaus in Coburg. Die Arbeit mit Kindern im Säuglings- und Kleinkindesalter bezeichnet er als er sehr erfüllend. Allerdings mache seinen Worten nach die aktuelle Politik viel zu wenig, um ebendiesen Kindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Wagner ist überzeugt, dass ein echter politischer Wandel in diesem Jahr möglich sei. Er glaubt fest daran, dass eine nachhaltige Welt kein Verzicht, sondern ganz im Gegenteil ein Gewinn sei. Konkret spricht er sich für saubere Luft und weniger Lärm in den Städten aus. Er wünscht sich eine Infrastruktur, die es auch Kindern und alten Menschen in der Stadt erlaubt, sich sicher zu bewegen, ohne aber dabei Menschen auf dem Land zu benachteiligen. Als weitere Ziele nennt er einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik, weg von Sparzwängen und Ökonomisierungsdruck hin zu einem System, von dem sowohl Patientinnen und als auch die Mitarbeitenden profitieren. 

 

 

Jens-Uwe Peter –FDP 


Der freiberufliche Softwareingenieur wurde 1983 geboren. Er hat sein Abitur 2003 in Coburg abgelegt und an der Universität Würzburg Physik studiert. Im Jahr 2009 ist er in die FDP eingetreten. Seine Themenschwerpunkte sind Verkehr, Infrastruktur und die Digitalisierung. 

Die Maßnahmen, die während der Coronakrise ergriffen wurden, hätten gezeigt, wie fragil die Freiheit auch in Deutschland sei, sagt er. Wenngleich die Corona-Pandemie eine Ausnahmesituation darstelle und man davon ausgehen könne, dass die Einschränkung der Grundrechte nach dem Ende der Pandemie wieder zurückgenommen werden. Die FDP sei die einzige Partei, die das ohne Abstriche zu Gunsten von Sicherheit, Klima oder Ähnlichem garantierePeter fordert eine vollständige Wiederherstellung der durch das Grundgesetz garantierten Freiheiten. Das Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie und die Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger über ihr Leben möchte er auch in seinen Kerngebieten, Verkehr und Infrastruktur sowie Digitalisierung einfließen lassen. Im Bereich Verkehr sieht er im Hinblick auf den Klimawandel großen Handlungsbedarf. Hier dürfe aber kein ideologischer Ansatz von oben erfolgen, sondern man müsse den Menschen Hilfsmittel und Wahlmöglichkeiten an die Hand geben, um gemeinsam diese Herausforderung zu meistern.

 

Rainer Möbus – Freie Wähler 


Der Geschäftsführer der Rodacher Fruchtsäfte GmbH wurde 1962 in Coburg geboren und lebt in Bad Rodach. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Möbus ist politisch erfahren als Stadtrat und Integrationsbeauftragter in Bad Rodach. Außerdem ist er Kreisrat im Landkreis Coburg. Möbus engagiert sich auf vielen Ebenen, unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er ist außerdem Gründer und Leiter der First Responder Gruppe. Er gehört dem Ensemble der Waldbühne Heldritt an und ist Vorstand im Rückertkreis Bad Rodach. Zudem ist er Mitglied in den Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern Wiesbaden und Koblenz. Sein politischer Schwerpunkt liegt in der Wirtschaft in all ihren Facetten, vom Start-up bis zum Global Player. Er steht für die Unterstützung bestehender Unternehmen und Neuansiedlungen in der Region sowie Förderung von Start-ups und Innovationen. Die Stärkung des kulturellen Angebotes in der Region liegt ihm ganz besonders am Herzen. Deshalb wünscht sich Möbus in diesem Bereich eine Rückkehr zur Normalität. In den letzten Jahren habe er als Integrationsbeauftragter erfahren, wie wichtig ein gutes soziales Miteinander ist. Dafür möchte er eintreten

 

Sebastian Johannes Görtler – Alternative für Deutschland


Der Direktkandidat der AfD ist 37 Jahre alt und Junggeselle. Görtler ist in Kronach geboren und aufgewachsen. Nach seiner Fachschulreife hat er sechs Semester integriertes Produktdesign in Coburg studiert und eine handwerkliche Ausbildung zum Drucker und Schriftsetzer absolviert.  Seit dem Jahr 2010 arbeitet er selbstständig als Drucker und Medienberater sowie als Mediengestalter im Angestelltenverhältnis. Seit über zwanzig Jahren ist er ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig, 18 Jahre im Vorstand des Kreisjugendrings Kronach, circa acht Jahre davon als stellvertretender Vorsitzender. Zu seinen Schwerpunkten hierbei zählen unter anderem zehn Jahre Erfahrung als Reiseleiter für London und Schottland und jugendpolitische Bildung. Im Jahr 2020 wurde er im Landkreis Kronach für die AfD in den Kreistag gewählt. Auf seiner Agenda stehen die Stärkung und Förderung der Bildung auf allen Ebenen. Außerdem die Wiederherstellung und Festigung der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland. Dauerhafter Frieden in Europa ist seinen Worten nach nur in Zusammenarbeit mit Russland möglich. Als weiteren Punkt nennt Görtler eine starke Förderung von Familien.

 

Ulf Wunderlich – Die Linke

 

Wunderlich ist 22 Jahre alt und kommt ursprünglich aus der Nähe von Bamberg. Der ausgebildete Rettungssanitäter studiert soziale Arbeit an der Hochschule Coburg. Seit drei Jahren lebt der begeisterte Bergsteiger mit seiner Verlobten in Coburg. Mit seiner Kandidatur möchte Wunderlich der jüngeren Generation eine Stimme geben, aber auch all denjenigen, die sich eine wirkliche Veränderung wünschen. Der Direktkandidat für Coburg/Kronach/Geroldsgrün steht vor allem für eine sozial gerechte Klimaneutralität und bezahlbaren Wohnraum. Er fordert deswegen eine Mietobergrenze. Er plädiert weiterhin für ein Ende der Zwei-Klassengesellschaft und nennt in diesem Zug die private und gesetzliche Krankenversicherung. Sie soll zugunsten einer solidarischen Gesundheitsversicherung, in die alle einzahlen und von der alle profitieren, weichen. Weitere Ziele sind ein Mindestlohn von 13 Euro, eine Mindestrente von 1200 Euro (damit niemand in Altersarmut leben muss), sowie eine einmalige prozentuale Abgabe bei Vermögen von über 2,5 Millionen Euro zur Finanzierung der „Corona-Schulden“. Auf diese Weise sollen seinen Worten nach die Gewinner der Pandemie zur Kasse gebeten werden.

 

Sieben Kandidaten widmen wir uns ausführlich.

Weitere drei Kandidaten kleinerer Parteien bewerben sich ebenfalls um ein Bundestagmandat.

 

Nicole Fredriksen (Die Basis)

Die 43-jährige Bürokauffrau möchte sich für eine Erneuerung des Gesundheitssystems einsetzen und fordert Reformen.

 

Tristan Wolf (ÖDP)


Der Coburger Biolandwirt, Jahrgang 1990, möchte landwirtschaftliche Familienbetriebe stärken und dem Höfe-Sterben entgegenwirken.

 

Tim Ströhlein (Die Partei)


Der 32-jährige Notfallsanitäter ist Gemeinderat in Geroldsgrün. Er möchte seinen Heimatort an die westliche Welt anbinden.

    2 Rückmeldungen

    1. Matt

      Warum findet der sehr gute Direktkandidat der Partei Die PARTEI Tim Ströhlein, keine Beachtung im Artikel? Für die Auflistung der CSU an erster Stelle, der Spaßpartei FDP und der rechtspopulistischen AfD, fand man doch auch den nötigen Platz……

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