Grenzerfahrungen – Pleite! Und was jetzt? #45

Von Gabi Arnold

In unserer Reihe Grenzerfahrungen erzählen Menschen ihre Geschichten. Es sind Geschichten von Niederlagen, von Krankheit oder Gefahr. Dieses Mal haben wir Josua Kohberg getroffen. Er hat mit einem Startup-Unternehmen in den 1990er-Jahren eine Riesenpleite erlebt, und spielt jetzt wieder ganz vorne mit in der Geschäftswelt.

Von ganz unten bis ganz nach oben

Josua Kohberg ist ein gut gelaunter und aufgeschlossener Mensch, und dazu hat er auch allen Grund. Beruflich steht er blendend da, als Unternehmer, Autor und Neurowissenschaftler. Das war nicht immer so. Kohberg ist mit seinem ersten Unternehmen grandios gescheitert. Aufgegeben hat er nicht, sondern er ist an der Niederlage gewachsen.

„In den 1990er-Jahren war da so eine Art Goldgräberstimmung, die mich angesteckt hat“, erzählt Kohberg. Wir treffen ihn in seiner Akademie, in der Cortendorfer Straße in Coburg. Kohberg arbeitet heute als erfolgreicher Unternehmer, Autor und Redner.

Seine Laufbahn beginnt allerdings ganz anders. Kohberg, Jahrgang 1973, in Krumbach im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben geboren, lernt Schriftsetzer bei der Süddeutschen Zeitung. „Das war so zusagen mein erstes Leben“, sagt er. Denn es sollten noch „viele Leben“ folgen.

Kohberg interessiert sich in den 1990er-Jahren brennend für alles, was mit Computern und Programmierung zu tun hat. Und so kommt er auf die Idee, in die – damals ganz am Anfang stehende – MultiMedia Branche einzusteigen und ein Unternehmen zu gründen. Doch da gibt es einen Haken, er benötigt in den ersten zwei Jahren circa 750.000 Euro Startkapital für sein Vorhaben. „Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich das mit dem Geld mache“, blickt er zurück. Ein wenig hat er zwar gespart, aber das reicht bei Weitem nicht für den Start-up. Kohberg überlegt, er stellt einen geschickten Businessplan auf, der die Banken überzeugt. Sein Startkapital wird bewilligt.

„Im Nachhinein sage ich, dass ich extrem blauäugig damals war.“ (Josua Kohberg)

Im Jahr 1991 gründet er seine Agentur und programmiert erste HTML-Seiten neben dem klassischen Print. Weiter geht es mit der Programmierung von Multimedia CDs, und ab 1995 ist er ausschließlich im Bereich von Internet und Multimedia unterwegs. Das Geschäft läuft sehr erfolgreich. „Zu Beginn war der ‚Cashflow‘ noch genial“, blickt er zurück. Dem beruflichen Erfolg folgt ein privater Höhenflug. „Ich bin im großen Mercedes rumgefahren und hatte ein arrogantes Auftreten“, sagt er. Kohbergs Agentur läuft so gut, dass er expandiert und zeitweise bis zu 17 Freelancer und Mitarbeiter beschäftigt hat. Das Modell funktioniert bis Mitte der 1990er-Jahre, dann bricht das Geschäft aus verschiedenen Gründen ein.

„Ab 1995 wurde das Thema Multimedia immer stärker, es tauchten immer mehrere Dienstleister auf“, erklärt Kohberg. Ab den Jahren 1996/1997 habe auch das Arbeitsamt angefangen, Multimediadesigner in die Weiterbildung zu schicken. Diese Konkurrenz wiederum habe sich am Markt bemerkbar gemacht. Zudem seien die Stundensätze für Programmierer stetig weniger geworden. Auch habe ihn die Expansion seines Unternehmens und die Führung seiner Mitarbeiter überfordert, sagt er heute. Und das Wichtigste: Den Umgang mit Geld habe er nie richtig gelernt, die Einnahmen seien schnell abgeflossen.

„Es war irreal, ich habe zwar viel Geld verdient, aber ich habe eben fröhlich viel Geld mit vollen Händen ausgeben.“ (Josua Kohberg)

Obwohl die Einnahmen stetig abnehmen, bleiben die laufenden Kosten sehr hoch. Kohberg nennt zum Beispiel Leasingmodelle für HighEnd Rechner, hochpreisige Scanner oder Bürokosten, die sehr viel Geld schlucken. Die Schulden häufen sich an, bis Kohberg gewaltig auf die Nase fällt. Ende der 1990er-Jahre steht er mit einem Riesenberg an Schulden da.

Kohberg verzweifelt nicht, sondern handelt seinen Worten nach lösungsorientiert. Ihm wird klar, dass er seine „selbst geschaffenen Probleme“ selbst bereinigen muss. Allerdings hat er Mentoren, die ihn begleiten. Ein Wendepunkt ist die Begegnung mit Vera. F. Birkenbihl (1946 bis 2011). Birkenbihl ist damals die Leiterin des Instituts für gehirngerechtes Arbeiten. „Aus Ihrem Impuls heraus, bin ich mit der Idee an den Start gegangen, passives Hören technisch umzusetzen“, erzählt Kohberg. Dieser neue Ansatz, beispielsweise Sprachen zu lernen, fasziniert ihn.

Noch bevor ihn die reale Pleite 1999 einholt, entwickelt er eine neue Technologie, den neoos® und legt so die Basis für sein zweites Unternehmen KOSYS. Der neoos® klingt nach Science Ficition, denn er ermöglich Hören über die Haut. „Man lernt schneller, einfacher und lebt gesünder“, erklärt Kohberg. Er habe zum Entwicklungsstart 1997 schon das klare Ziel vor Augen gesehen, Hören ohne Ohren zu ermöglichen. Beim neoos® handelt es sich um einen Ultraschall-Generator, der Impulse über die Haut an das Gehirn sendet. Die Idee dahinter: Man lernt die Sprachen gewissermaßen zu 85 Prozent einfach nebenbei ohne zusätzlichen Zeitaufwand. Der reale Zeitaufwand für das Erlernen einer neuen Sprache sinkt damit von den üblichen 300 Stunden auf 40 bis 50 Stunden.

Bis Kohberg nach seiner Pleite wieder auf die Beine kommt, dauert es allerdings. „Die ersten zwei Jahre waren die härtesten, da habe ich von der Hand in den Mund gelebt.“ Bis zum Jahr 2008 lebt er bescheiden, verzichtet auf Urlaub und gönnt sich kaum etwas. Im Jahr 2008, neun Jahre nach der Pleite, hat er es geschafft: Die letzten Schulden sind getilgt, er kann wieder durchatmen.
Heute steht sein neues Unternehmen KOSYS solide da, auch jetzt in der Krise. „Ich musste 2020 keinen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Heute bin ich sehr umsichtig, was finanzielle Entscheidungen angeht, ich plane Durststrecken ein und gehe sehr viel weniger Risiko ein.“

Eine Pleite, sagt er, sei kein Grund zum Verzweifeln, sondern ein kurzfristiger Zustand, den viele erfolgreiche Menschen erlebt hätten. Rückblickend sieht er diesen Abschnitt in seinem Leben sogar positiv. „Ich bin daran gewachsen, ich habe gemerkt, dass Geld kein Statussymbol, sondern vielmehr unternehmerischer Handlungssspielraum ist“, sagt er.

„Eine Pleite entsteht aus Fehlern, die zwar vermeidbar gewesen wären, auf der anderen Seite aber sehr lehrreich sind. Bei mir war es so, dass ich ab dann sehr bewusst an meinem Verhalten gearbeitet habe und wie ich mit Geld umgehe“ (Josua Kohberg)

 

neoos® passives Hören über die Haut:

Josua Kohberg hat acht Bücher geschrieben, mehr als 100 mental Trainings publiziert, 14 Sprachkurse erstellt und insgesamt zehn Generationen des neoos® entwickelt. Und von 2018 bis 2020 hat er gemeinsam mit seiner Frau und einem weiteren Autor die erste App entwickelt. Informationen zur App finden Sie unter www.wooyce.com.

Weitere Informationen: https://www.kosys.de/der-neoos-unser-wundergerat/

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