Kultouren – Lindow #53

Reisen allein, zu zweit, als Familie mit Kindern, „die schon aus dem Gröbsten“ raus sind, mit Freunden. Regionen in Europa, die mit dem Auto, per Bahn, mit dem Bus (oder dem Flugzeug) in ein paar Stunden erreichbar sind. Ziele für Menschen, die etwas sehen und erleben wollen, die interessiert sind an Kultur, Land und Leuten, an Natur, Bergen, Seen, Flüssen und Meer, gerne verbunden mit Bewegung an der frischen Luft und manchmal auch mit ein bisschen kalkuliertem Abenteuer. Das sind unsere COBURGERKultouren. In jedem Magazin eine. Mit vielen Bildern, die Lust aufs Fortfahren machen, und mit ein paar wenigen persönlichen Eindrücken, wenn Sie dieser Lust erliegen. Unser Tipp: Selbst auf Entdeckungsreise gehen. 

Lindow

Lange Weiten, flache Hügel, ein freier Blick. Der Himmel, die Ruhe, die Natur, der Wald, das Wasser und dazwischen Zeugnisse der wechselvollen Geschichte: Nordwestlich von Berlin, im Naturpark Stechlich-Ruppiner Land, ist es unaufgeregt, kleine verschlafene Ortschaften schmiegen sich an die vielen Seen, die sich inmitten der Wälder niedergelassen haben. Hier, zwischen der Metropole Berlin und der Mecklenburger Seenplatte, am Rande Brandenburgs, kommt der Geist zu Ruhe und der Körper zu neuer Kraft. Die Natur ist sich selbst genug, und das ist gut so. Wir schlagen unser Quartier im Süden des Naturparks auf, in Lindow, seit 1998 staatlich anerkannter Erholungsort, eingerahmt von gleich drei Seen. Theodor Fontane hat, wie er in seinem Roman „Der Stechlin“ schreibt, schöne Zeiten in Lindow verbracht. Wir wollen es ihm nachtun.

Die Seele der Seen

See ist nicht gleich See. Obwohl alle drei nicht weit voneinander entfernt liegen, hat jeder seinen eigenen Charakter, seine eigene Seele, auf die man sich einlassen muss – und einlassen kann. Man hat Zeit. Der Gudelacksee im Westen der kleinen Stadt zum Beispiel ist der lebendigste von den dreien. Zahlreiche Schiffe liegen an den Bootsstegen, man kann sich auch auf die kleine Insel Werder fahren lassen mitten auf dem See oder sich ein Boot ausleihen. Baden ist auch möglich, und an einer Bar am Ufer und einer Gastwirtschaft kann man sich stärken. Klein aber fein. Der Vielitzsee im Süden von Lindow ist der unauffälligste von allen. Und der Wutzsee im Osten von Lindow etwas für stille Genießer. Kleine Badebuchten und Bootsstege wechseln sich mit dichtem Wald ab, der bis ans Ufer reicht. Motorboote sind übrigens verboten auf dem Wutzsee.

Die Seele des Ortes

Lindow ist ohne sein Kloster nicht vorstellbar. Noch heute prägt die Anlage das Stadtbild. Gegründet wurde das Kloster vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts. Es hatte seine Glanzzeit bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein, als es zerstört wurde. Die früheren Gemäuer sind heute noch als Ruinen zu erkennen, die alte Klosterschule aus dem 15. Jahrhundert heute noch gut erhalten, das Konventgebäude ist 2011 sogar restauriert worden und kann besichtigt werden. Eine weitläufige Parkanlage mit dem alten Klosterfriedhof und seinen historischen Gräbern umringt die alten Gemäuer. Ein Spaziergang auf jahrhundertealten Pfaden.

Die Seele auftanken

Am besten erkundet man den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land auf zwei Rädern. Zahlreiche Radwege erschließen die Natur. Bei Steigungen handelt es sich meist um flache Hügel und nicht um schweißtreibende Bergstrecken, die Wege sind gut ausgeschildert, die Entfernungen moderat. Einfach sanft dahinrollen, Ein- und Ausblicke genießen, die Gerüche von Wald, Wiesen, Feldern, Flüssen und Seen einsaugen. Übrigens führen auch überregionale Fernradwege durch die Region. Wer kein Fahrrad dabei hat, kein Problem, mitten in Lindow bei der Tourist-Info gibt es Informationen zu Leihfahrrädern. Und auch Lademöglichen für E-Bikes gibt es an den Wegen einige.

Die Seele des Naturparks

Der Weg auf dem Fahrrad führt – wenn man möchte – auch nördlich zum bekannten Schloss Rheinsberg und mitten hinein in die Zeit Preußens und vieler großer Namen. Friedrich der Große hatte hier in seinen jungen Jahren glückliche Zeiten, Theodor Fontane war natürlich auf seinen Reisen zu Gast. Kurt Tucholsky folgte einige Jahrzehnte später. Doch nicht nur diese Persönlichkeiten verleihen Schloss Rheinsberg eine besondere Aura, es ist auch hier die Natur, die Lage am Grienericksee. Im Inneren kann sich der Besucher in das 18. Jahrhundert entführen lassen. So verbindet sich auf Schloss Rheinsberg Natur mit Kultur und Geschichte zu einer harmonischen Einheit.

Nur vier von vielen Ideen für Ihre persönliche Entdeckungsreise ins nordwestliche Brandenburg. Informationen gibt es ausführlich im Netz, in gedruckten Reiseführern bei Ihrem regionalen Buchhändler, oder fragen Sie uns.

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