Kultouren: Prag #55

Der Coburger auf Reisen

Reisen allein, zu zweit, als Familie mit Kindern, „die schon aus dem Gröbsten“ raus sind, mit Freunden. Regionen in Europa, die mit dem Auto, per Bahn, mit dem Bus (oder dem Flugzeug) in ein paar Stunden erreichbar sind. Ziele für Menschen, die etwas sehen und erleben wollen, die interessiert sind an Kultur, Land und Leuten, an Natur, Bergen, Seen, Flüssen und Meer, gerne verbunden mit Bewegung an der frischen Luft und manchmal auch mit ein bisschen kalkuliertem Abenteuer. Das sind unsere COBURGER Kultouren. In jedem Magazin eine. Mit vielen Bildern, die Lust aufs Fortfahren machen, und mit ein paar wenigen persönlichen Eindrücken, wenn Sie dieser Lust erliegen. Unser Tipp: Selbst auf Entdeckungsreise gehen.

Die Perle an der Moldau, die „Hunderttürmige“ oder die „Goldene“: Wer Prag besucht, versteht sofort, warum die Stadt so genannt wird. Prag ist jedoch viel mehr. Die Stadt pulsiert und ist lebendig. Sie vereint Neues mit Altem, sie ist modern, voll mit Kunst, Kultur und Tradition. Fast jede Straße, jede Gasse lädt zu einer Erkundung ein. Wir sind erstaunt, dass wir zum ersten Mal in dieser Stadt sind, die vielleicht eine der schönsten Altstädte Europas zu bieten hat. Von Coburg nach Prag sind es nur etwa 460 Kilometer und fünf Stunden Autofahrt. Also ideal für einen Kurztrip, ein verlängertes Wochenende oder einen längeren Aufenthalt. Es gibt viel zu entdecken, zu bewundern und zu erleben. Und vor allem auch zu genießen, denn ohne Bier geht nichts in Prag.

Das Prager Gemeindehaus: Jugendstil vom Allerfeinsten

Das Gemeindehaus, auch Repräsentationshaus genannt, ist das schönste Jugendstilgebäude in Prag. Dieses eindrucksvolle Bauwerk entstand in den Jahren 1905 bis 1911. Der Haupteingang ist mit einem Mosaikbogen mit Kuppel geschmückt. Wir betreten das Gebäude und sind überwältigt. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Wir atmen förmlich die 1920er Jahre ein. An der prachtvollen Innenausstattung haben Künstler wie Alfons Mucha oder Mikolas Ales mitgewirkt. Wir nehmen im Caféhaus Platz und genießen den glamourösen Luxus vergangener Jahre. Wir staunen über die vielen Details, trinken Kaffee und schlemmen Torten, die uns der Ober kredenzt. Gegenüber dem Café befindet sich ein gehobenes französisches Restaurant, im Souterrain ein Pilsner-Restaurant. Der Smetana-Saal bietet Platz für 1259 Zuschauer und ist für das Musical „Prager Frühling“ bekannt.

 

Der Wenzelsplatz: Flanier- und Einkaufsmeile

Unser Weg führt uns eher zufällig zum Wenzelsplatz. Der geschichtsträchtige Platz ist eigentlich ein Boulevard mit einer Länge von 700 Metern. Er vereint die klassische Moderne und die Barock-Architektur. Am Ende des Platzes thront der heilige Wenzel auf seinem Pferd. Hinter dem Denkmal steht das Nationalmuseum. Eine bronzene Persiflage auf das berühmte Wenzelsdenkmal finden wir in einer Seitenstraße. Der Nationalheilige befindet sich auf einem kopfüber aufgehängten Pferd, das von dem Provokationskünstler David Černý in der Lucerna Passage installiert wurde. Die Lucerna Passage entstand in den Jahren 1907 bis 1921 und gehört zu den architektonischen Denkmälern der Neuen Moderne. In der Passage befinden sich ein Restaurant und ein Kino im Jugendstil.

Die Moldau: Eine Bootsfahrt muss sein

Wir betrachten weitere Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus. Eine Bootsfahrt auf der Moldau ist eine gute Gelegenheit, um die Geschichte dieser Stadt zu erfahren. Die Sightseeing-Bootsfahrten werden bis in die Nachtstunden angeboten. An diesem sonnigen Novembertag sind wir auf dem Wasser, trinken das süffige Bier und erfahren dabei viel über die Wahrzeichen der Stadt, wie die Prager Burg oder die berühmte Karlsbrücke, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde und die Prager Altstadt mit der Kleinseite verbindet. Das Bauwerk ist ein Relikt aus der Zeit Karls IV. und zählt zu den ältesten Europas.

Das jüdische Prag: Die Josephstadt

In Prag gibt es noch so viel zu entdecken. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang durch das jüdische Viertel, das wir von der Schiffsanlegestelle gut zu Fuß erreichen. Es ist eine ganz besondere Entdeckungsreise, denn es gibt gleich fünf Synagogen und den berühmten jüdischen Friedhof, der zum jüdischen Museum Prag gehört. Das Viertel ist von Boulevards geprägt, die von Bäumen und Jugendstilfassaden gesäumt sind. Der Alte jüdische Friedhof in der Innenstadt ist ein faszinierender Ort und einer der historisch bedeutsamen Friedhöfe in Europa. Obwohl er nur klein ist, stapeln sich mehr als 100.000 Grabsteine übereinander. Jüdische Gräber sind Ewigkeitsgräber und werden nicht aufgelöst. Franz Kafka liegt übrigens nicht hier begraben, sondern im 1890 eröffneten neuen jüdischen Friedhof. Es ist Zeit für eine kurze Pause, unser Magen knurrt. Wir genießen die deftige Küche im U Golema, das rustikal anmutet. Was für eine Reise.

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