Laura Mann – Bühnenreif #23

 

Laura Mann – über den mutigen Weg, die Berufung zum Beruf zu machen

Kennen Sie die? Menschen, die über sich erzählen ohne von sich zu reden? Menschen, die im Angesicht des Tages nicht ihren eigenen Schatten werfen, weil ihr Koordinatensystem Achsbruch erlitten hat? Denen man immer sagen möchte: Und was willst Du mir eigentlich wirklich sagen? Laura Mann gehört nicht zu ihnen. Sie ist ganz „bei sich“. Angefangen von einer spürbaren, aber ehrlichen Nervosität am Anfang des Gesprächs, unverstellt – sie ist mit ihren 27 Jahren zwar schon bühnenerfahren, aber eben noch kein abgezockter Interviewprofi – bis hin zur Ihrem jungen aber konsequenten Lebenslauf.

Foto: Sebastian Buff

Frühe Liebe zur Musik

Eigentlich skizziert ihr Leben schon früh einen künstlerischen Weg. Die Eltern sind zwar beide keine Musiker, die Mutter aber ist sehr „theateraffin“, erzählt Laura, nicht nur, weil der Besuch des Weihnachtsmärchens am Theater jährliches Ritual ist, auch die musikalische Ausbildung ihrer Tochter ist ihr wichtig, nicht so sehr zur frühkindlichen Berufsorientierung, eher zur ganzheitlichen Formung. „Meine Mutter hat mir ihre Liebe zur Musik weitergegeben“, sagt sie: Laura bekommt musikalische Früherziehung, lernt Klavier, später Gesang. Sie geht auf musische Gymnasium, singt im Chor, im Fränkischen Kinderchor, im Kammerchor, nimmt an „Jugend musiziert“ teil, entdeckt ihre Liebe zum Musical, als sie, gerade mal 16 Jahre jung, bei der Produktion von „Jesus Christ Superstar“ als Soulgirl auf der Bühne des Landestheaters Coburg steht – ein besonderer Kick. Sie lernt Klassiker, wendet sich dem Schauspiel zu. Es gibt wenig, das nicht ihr Interesse findet.

Die Entscheidung

Dann aber kommt der Punkt, an dem sich jeder die Frage stellt, wo denn die Lebensreise hingehen soll. An dem bei vielen die Kunst aufs Abstellgleis der Liebhaberei abgeschoben wird, weil sie zum Geldverdienen vermeintlich nicht taugt. Die Berufsberatung kommt ans Gymnasium, auch die Eltern verfallen für ihre Tochter auf die Idee, „vielleicht was Richtiges zu machen“, irgendetwas mit Sprachen zum Beispiel, „und Musik nur als Hobby weiter zu betreiben.“ Eben eine vernünftige Entscheidung zu treffen, verständlich an der Schwelle zum Erwachsenwerden – Laura ist 18. Dann aber stellt das Leben die Weichen: Sie bekommt einen Gutschein für die Musical Schule in Hamburg und ist gleichzeitig erfolgreich beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Berlin. „Da war es dann natürlich keine Frage mehr, dass ich das mache.“ Und auch, wenn sie mit Klassik groß geworden ist, „das ist ja die Mutter der Kunst“, und Lauras Lieblingsarie aus frühesten Kinderjahren stammt folgerichtig auch von Mozart: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ der Königin der Nacht aus der Zauberflöte, entscheidet sie sich für das Musicalfach. „Ich finde das direkter als Oper, auch spannender.“ Die Eltern unterstützen sie, „sie waren und sind meine größten Förderer und Kritiker“, sagt Laura. Sie studiert ein Semester an der San Diego State University in Kalifornien, macht Ballett, Modern Dance, parallel dazu Jazz Dance, Hip Hop, später drei Jahre lang an der Stage School die Ausbildung zur Bühnen-/ Musicaldarstellerin.

»Hamburg ist mein Hafen, und Coburg mein Heimathafen: Im Hofgarten sitzen, auf den Schlossplatz schauen, über den Markt gehen, den alten Schulweg laufen, ins Theater gehen«

»Die Ausübung der Kunst ist ein großer Teil meines Ichs, es ist mir die Luft, in der ich atme.«
Clara Schumann (1819-96), dt. Klaviervirtuosin u. Komponistin
Lieblingszitat von Laura Mann

Ernst des Lebens

Jetzt also hat sie ihre Berufung zum Beruf gemacht. Kein leichter Weg. Viele wollen auf die Bühne, Karriere machen, „die Konkurrenz ist halt sehr groß“, gerade am Anfang „hangelt man sich von Engagement zu Engagement“, Laura war an verschiedenen Theatern beschäftigt, „du musst halt einfach viele Bälle gleichzeitig jonglieren“, in Hamburg, in der „Perle von Stadt“, in der sie heute lebt, an der Landesbühne Oberfranken, in Bamberg, jetzt am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. „Du brauchst da schon viel Geduld“. Ihr Umfeld kann ihren Weg oft nicht nachvollziehen, manche „finden das skurril, andere mutig“, erzählt sie, „manchmal hat man halt gut Geld im Monat, manchmal wenig, das Leben als Künstlerin ist kein Wunschkonzert.“ Sie will die Unsicherheit nicht schönreden, die existenziellen Ängste, die schwierigen Vorstellungsgespräche, bei denen man oft abgelehnt wird, „weil es auch halt ein sehr subjektives Geschäft ist, weil Du die falsche Haarfarbe hast, zu groß, zu klein bist“, aber sie hat es nicht bereut, den Weg gegangen zu sein. Sie ist stolz auf das Erreichte. „Ich will ja auch nichts anderes machen.“ Und dafür kämpft sie: „Du muss raus in die Welt, Dich zeigen, das ist entscheidend.“

Das Leben ist Kunst

Und das tut sie. Neben ihren Theaterengagements macht sie Lesungen, moderiert Galas, ist Sprecherin, Sängerin der Uni Big Band Bamberg und hat so ganz nebenbei noch ein Jazzprogramm gestaltet, in dem sie an der Seite des Gitarristen Florian Berndt die legendäre Ella Fitzgerald wieder zum Leben erweckt, das nächste Mal am 17. November im Pelikan in Bamberg. Sie träumt von einer eigenen Jazz-CD mit eigenen Arrangements, findet aber auch Elektroswing „ziemlich gut“. Musik, Theater, darstellende Kunst, damit drückt sie sich aus, in diesen Genres fühlt sich sie wohl. „Ich habe das große Glück, das ich den Beruf liebe, den ich ausüben darf, das erfüllt mich.“ Ihre große Liebe aber gehört dem Musical: „Ich finde, dass ich mich da am besten ausdrücken kann, weil da alles zusammenkommt: Musik, Tanz, Gesang, Schauspiel.“ Sie träumt von großen Rollen, vielleicht kommen sie einmal, erfolgreich aber ist sie heute schon, sie nämlich hat ihre Berufung zum Beruf gemacht.

„Ella – First Lady of Song“
Laura Mann am 17.11.2017
im Pelikan Bamberg

von Wolfram Hegen

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