Macher: Horst Weingarth #54

Es sind Menschen der Tat, Nimmermüde, Antreiber, Gestalter, Vorwärtsstrebende, Aktive. Es gibt sie auf der großen Bühne, seltener im Verborgenen, aber auch da. Sie stellen sich vor. Im COBURGER. In jeder Ausgabe einer oder eine – Männer und Frauen.
Dieses Mal: Horst Weingarth, Unternehmer und Kunstliebhaber.

Sind Sie ein Macher?

Da habe ich nie drüber nachgedacht. Aber wenn man als Macher Visionen braucht, die man dann auch wirklich umsetzt, dann denke ich, ja, dann ich bin ein Macher.

Warum sind Sie ein Macher?

Als Macher musst du immer ein Ziel haben, das du hartnäckig verfolgst, an dem du ohne Angst arbeitest und an dessen Erreichung Du immer glaubst.. Und wenn das Ziel dann erreicht ist, suchst Du Dir das nächste.

Was macht das Machen aus?

Ein guter Macher muss zwar immer optimistisch sein, Euphorie aber ist gefährlich. Man sollte seine Ziele also nie zu hoch ansetzen, sie sollten immer auch wirklich erreichbar sein. So habe ich das auch immer gehalten, ich bin wohl so etwas wie ein „realistischer Optimist“. Man braucht dafür gute Partner wie meine Frau, die immer an meiner Seite war, und auch geschäftlich Unternehmen, mit denen man gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Und Glück braucht man natürlich auch.

Wie ging es los mit dem Machen?

Ich wurde 1943 in Berlin geboren. Meine Mutter wurde kurz nach dem Krieg von Russen umgebracht und als mein Vater aus Kriegsgefangenschaft zurückkam, gab es nichts mehr, was uns in Berlin hielt. Also sind wir in die Pfalz, wo wir eigentlich herkommen, und haben dort jahrelang bei Verwandten in einem Bauernhaus unter einfachsten Verhältnissen gelebt. Trotzdem war es eine schöne Zeit, an die ich gerne zurückdenke. Dann mit ca. 10 Jahren zogen wir nach Coburg, weil mein Vater dort als Kaufmann arbeiteten konnte. Vom Dorf in die Stadt. Ich habe zum ersten Mal bewusst richtige Häuser gesehen, großartige Häuser, wertvolle Möbel, so etwas wie Reichtum. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Für mich selbst aber war das noch ganz weit weg. Als Maschinenschlosser, später Chauffeur, im Vertrieb, beim Bund, nie hat das Geld wirklich gereicht. Meine Frau und ich mussten Kredite aufnehmen, um die gemeinsame Wohnung einrichten und ein Auto kaufen zu können. Da habe ich mir gedacht, so kann das nicht weitergehen. Also habe ich mich selbständig gemacht. Damals ist eine Tankstelle in Rödental freigeworden. 50 Bewerber waren da, aber ich habe gekämpft um diese Tankstelle, und ich habe sie bekommen. Meine Frau und ich haben uns richtig reingekniet, viel gearbeitet, eine kleine Werkstatt dazu aufgebaut, immer weitergedacht, Motorräder und an den Wochenenden Autos verkauft . Parallel haben wir das Reifencenter Rödental gegründet, eine Kooperation mit dem Versandhändler Neckermann aufgebaut und später eine eigene Tankstelle gebaut. Ich hatte immer ein Gespür dafür, was die Leute brauchen. Mittlerweile hatten wir ein Haus gebaut und zwei Söhne. Und dann 1989 die Grenzöffnung. Das war für uns eine Riesenchance. Ich habe in Thüringen Tankstellen, Gewerbeparks, Supermärkte und vieles mehr gebaut, bin also eingestiegen in das Immobiliengeschäft . Mit 55 Jahren wollte ich dann aufhören, mich zur Ruhe setzen, aber ich konnte nicht stillsitzen. Dann war ich 65 und hatte immer noch Ideen und Ziele. Mit 75 habe ich mich dann gefragt, so, was mache ich jetzt Sinnvolles? Dann habe ich eine eigene Stiftung gegründet, die Weingarth-Stiftung, mit dem Ziel regionale Projekte in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung, Soziales und Natur zu fördern. Bisher haben wir schon viele Vorhaben und Einrichtungen unterstützt bzw. gefördert. Geplant ist es auch, in Rödental ein Kulturforum mit Kunst, vor allem aus der Region, zu gründen. Ich habe im Laufe der letzten Jahre ca. 2500 Ölgemälde und mehr als 2000 Porzellanstücke zusammengetragen. Ich hoffe, dass sich dieses Ziel umsetzen lässt. Dazu brauche aber selbst ich Unterstützung und Mitstreiter.

Ist die Region Coburg ein guter Ausgangspunkt zum Machen?

Vor der Grenzöffnung eher nicht. Es gab keine vernünftige Fernstraße, keine Zugverbindung. Seither aber auf jeden Fall ja, seither ist die Region ein guter Standort zum Machen.

Die Fragen stellte Wolfram Hegen.

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