Monaco Franke

Monaco Franke #31

Ist es nicht schön, wenn es ein Politiker noch schafft , eine Debatte im Land in Gang zu setzen? Da dies in den letzten Jahren immer seltener vorkommt, weil die Politik in allererster Linie mit sich („sooch amoll, bist Du jetzt links oder eher in der Middn?“) und dem nächsten Wahlkampf („auf wieviel Brozend kummama denn in der neuesten Umfrooch?“) beschäft igt ist, muss man dann halt auch mal zufrieden sein, wenn dies unabsichtlich geschieht. Wie in diesen Tagen bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Dessen Aussage, ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen sei „gegen jeden Menschenverstand“ hat nämlich mehrerlei bewirkt: Erstens konnte die deutsche Automobilindustrie nach zwei harten Jahren, in denen wegen des Diesel- Abgasskandals alle und jeder auf sie eingedroschen hat, die Probe aufs Exempel machen und schauen, ob sich ihre als Volksvertreter getarnten Lobbyisten weiterhin zu ihnen bekennen (Ergebnis: Ja, das tun sie!). Zweitens entbrannte nicht nur ein erbitterter Streit über Sinn oder Unsinn eines Tempolimits in Deutschland. Auch wird nun, manchmal durchaus ironisch, darüber debattiert, was dieser ominöse „Menschenverstand“ eigentlich genau sein soll und woher er kommt.

Der Franke sagt: „Vernünfdich is, wos mich ned aufregt!“ Aber schauen wir zunächst in den Duden: Der führt den „gesunden Menschenverstand“ in seiner Bedeutungsübersicht auf und beschreibt ihn so: „der normale, klare Verstand (eines Menschen)“. „Der Spiegel“ hat diesmal gründlicher recherchiert und zitiert den Philosophen Immanuel Kant, der in seiner „Kritik der reinen Vernunft “ schrieb: „Denn was ist der gesunde Verstand? Es ist der gemeine Verstand, so fern er richtig urtheilt.“ Dummerweise – und das ist die Crux – urteilt der gemeine Verstand häufi g falsch. Und so mündet die Argumentation des Nachrichtenmagazins in den Satz: „Der ‚gesunde Menschenverstand‘ ist ein besserwisserischer Schwachkopf, der von nichts eine Ahnung hat, aber zu allem eine Meinung.“

Schee g’sochd! Und erinnert den Monaco irgendwie auch wieder an den Scheuer. Der stammt ursprünglich aus Passau. Dort wird die Lust, zu allem seinen Senf dazuzugeben, auch wenn man keinen Schimmer hat, alle Jahre wieder am Politischen Aschermittwoch in großen Hallen und mit Blasmusik aufs Neue zelebriert. Scheuer, der erst als CSUGeneralsekretär und nun auch als Verkehrsminister in die Fußstapfen von Alexander Dobrinth trat, hat diese Kunst geradezu zur Meisterschaft gebracht. Denn er hat ja schön öft ers mal einen. Der Monaco erinnert nur an Scheuers denkwürdigen Satz: „Entschuldigen S‘ die Sprache, das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist – weil den wirst Du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern der ist Wirtschaft sfl üchtling.“ Mit dieser Aussage hat sich Scheuer nachhaltig in Erinnerung gebracht als Fleisch gewordener Beweis dafür, dass es eben immer doch noch schlimmer werden kann – selbst nach Dobrinth.

Und jetzt also die Nummer mit dem Tempolimit! Iech frooch mich da fei scho, ob der noch alle Zündkerzn am Zylinder hod! Immerhin wäre eine Drosselung der Höchstgeschwindigkeit nicht nur nachweislich gut für die Luft und das Klima. Auf Tempolimit-Teststrecken ging auch die Zahl der Unfälle drastisch zurück. Aber das scheint Scheuer nicht zu jucken. Dabei hatte er ja selbst eine Expertenkommission eingesetzt, die untersuchen sollte, wie man CO2 im Straßenverkehr einsparen könnte. Das Ergebnis war der Vorschlag, als eff ektive Umweltschutzmaßnahme ein Tempolimit einzuführen. Tja, dumm gelaufen, denn genau das wollte Scheuer nicht hören, der dies prompt eine „immer wieder aufgewärmte Agenda“ nannte, die „gegen jeden Menschenverstand“ sei. Wohl gemerkt nicht gegen den „gesunden“ Menschenverstand. Für Gesundheit sind im Kabinett schließlich andere zuständig. Während ihm die Bild-Zeitung zur Seite sprang und im Namen der deutschen Autofahrer zeterte („Was haben wir euch getan?“), sagte der Minister, der übrigens auch Mitglied im Kuratorium eines Kinder- und Jugendverbands namens „Frischluft e.V.“ ist (herrlich! So wos kamma sich ned ausdenkn!), die Beratungen über Umweltschutzmaßnahmen im Straßenverkehr kurzerhand ab.

Des nenn ich amoll gscheit in die Eisen gstieng und vollen Einsatz für alle Bleifußfahrer! Stellt sich die Frage: Was steckt dahinter? Der Versuch, der Klientel der Besserverdienenden – also der mit den dicken, schnellen Autos – das Gefühl der Freiheit nicht zu nehmen? Schwierig. Versuchen Sie mal, an einem Freitagnachmittag auf der A 9 oder der A 70 schneller als 120 zu fahren! Da sind Sie auch im Porsche schon froh, wenn beim Stop-and-go das „Go“ ein leichtes Übergewicht hat! Oder ist es doch die Angst, dass die Automobilhersteller plötzlich ihre hundsteuren Dreckschleudern nicht mehr an den Mann (ja, meistens sind es Männer!) bringen? Bei unserer Verkehrsdichte ist es ohnehin fast nur noch nachts möglich, das Gaspedal mal ordentlich durchzutreten und bei lauter Musik oder mit dem Handy am Ohr gemütlich mit 220 dahinzucruisen, wenn man es überhaupt schafft , zwischen zwei Baustellen so zu beschleunigen. Auch deshalb der Appell: mal locker bleiben und die G’schicht mit Humor nehmen! Ich fi nd‘ ja, a Tempolimit von 130 bassd scho. Muss dann nur noch für außerhalb geschlossener Ortschaft en a Lösung g’funden wer’n, gell! , Schätzla, schau wie iech schau!

für den COBURGER von Wolfram Porr

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