Monaco Franke

Monaco Franke #59

Ganz Coburg redet übers „Globe“! Endlich, nach drei Jahren Bauzeit, ist die Ersatzbühne fürs Landestheater spielfertig, endlich kann’s hier ab Oktober losgehen mit Schauspiel, Musik und Ballett. Und der kleine Bruder von William Shakespeare’s Globe-Theatre in London auf dem Areal des alten Güterbahnhofs ist ja auch wirklich a echt’s Schmuggkästla geworden.

Grünes Licht also für die Kultur! Und ganz nebenbei kann die feine Gesellschaft weiterhin „sehen und gesehen werden“ und mit am Seggdla oder am Aperol auf den eigenen gudn Gschmack anstoßen – ja ned ganz unwichtig für unsere ieberstudierten Lackl! Und das haben sich die Stadt und der Freistaat einiges kosten lassen!

Zehn Millionen Euro Zuschuss gab’s aus München für die Interimsspielstätte. Den Rest haben die Stadt und ein paar große Coburger Firmen aufgebracht – Ihr wissd scho welche: die üblichen Verdächdichen halt! Darüber hinaus wird sich der Freistaat Bayern mit zwei Dritteln an den Kosten für die Generalsanierung des in die Jahre gekommenen Landestheaters beteiligen, während die Stadt Coburg mit einem Drittel dabei ist. Bei den prognostizierten Kosten und in diesen Zeiten ein echt starkes Zeichen! Kunstminister Markus Blume sprach gar von einem „Stern am künstlerischen Nordhimmel“, den es „im neuen Glanz zum Strahlen“ zu bringen gelte!

Schee g’sochd! Ma könnt‘ fast den Eindruck haben, in der bayerischen Staatsregierung hätten sie plötzlich den Norden entdeckt. Gleichzeitig ist nämlich auf einmal der Neubau eines Konzertsaals in München (die erst in den Achtziger Jahren eröffnete Philharmonie im Gasteig ist ja im internationalen Vergleich angeblich nicht mehr gut genug, seit Hamburg seine „Elphi“ hat) mehr oder weniger vom Tisch, weil zu teuer. Oberfranken vor München? Als Frangge reibt ma sich da fei scho die Augen! Erst recht, wenn Blume auch noch sagt: „Bayern investiert im ganzen Land. (…) In Coburg wollen wir ein geschichtsträchtiges Bauwerk bewahren und es fit für einen zeitgemäßen Spielbetrieb machen.“

„Kulturagenda Bayern“ nennt sich das Ganze. Und wo der Monaco scho so oft auf München gschimpfd hod, muss er in dem Fall zugehm‘: Des is a richdich gude Sach! Und wäre vielleicht sogar ein richtig gutes Wahlargument gewesen für den 8. Oktober. Schließlich will des ja gut ieberlecht saa, wo ma in der Wahlkabine sei Kreizla macht! Mal nicht danach zu entscheiden, wer am meisten gegen die Klimakrise, gegen die Inflation, für bezahlbaren Wohnraum oder für soziale Gerechtigkeit tut, sondern wer ein Herz für die Kultur hat, die so wichtig ist für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft!

Des wär wos g’wesn! Oba da hat der Monaco die Rechnung ohne unsere beiden höchsten Landesvertreter gmacht! Die besten Schauspieler sitzen halt doch nicht im Globe, sondern in der Staatskanzlei! Woar des a Theater die letzten Wochen, oder? Da hat Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler und stellvertretender Ministerpräsident, ja gerade nochmal Glück gehabt. Also dass er sich an nichts erinnert, was vor 35 Jahren war, und dass er einen Bruder hat! Ein Gymnasiast mit antisemitischen Ansichten soll er gewesen sein mit 16, 17, der Hubsi! Daran kann er sich aber nach so vielen Jahren nun beim besten Willen nicht mehr erinnern!

Ein Flugblatt mit übelsten, den Holocaust verharmlosenden Inhalten hat man damals in seiner Schultasche gefunden. Ja, das war wohl so, nur wie es in den Schulranzen reingeraten ist, das weiß der Aiwanger nun wirklich nicht mehr. Na freilich, mir geht’s aa so, dass iech nimmer waaß, wie vor a boarunddreißig Jahren irgend a Wisch oder a Ding in mei Schultaschn kumma is! Oba des woarn halt aa harmlose Sachen, für die ich ned zum Direggdor zitiert wor’n bin! Außer Schulbüchern, Heften und unserm Bausnbrot hatten mir ja höggsdens mal Stinkbomben dabei oder wenn’s hochkam auch mal an Comic – und des aa bloß, damit man in der Reli-Stunde vor Langeweile ned versehentlich eigschloofn is!

Tja, bei Aiwanger war es weder a Leberworschdbrot noch ein Jerry Cotton – es war nun mal ein widerliches Pamphlet, mit dem er da erwischt worden ist. Wie glaubwürdig es ist, dass er sich da an keine Einzelheiten mehr erinnern kann, sei mal dahingestellt. Jedenfalls hat er sich irgendwie nochmal aus der Affäre gezogen, indem er seinen Bruder zum Sündenbock gemacht und die 25 Fragen von Ministerpräsident Markus Söder „beantwortet“ hat. „Beantwortet“ – na ja. Söder hat sicher nicht ganz uneigennützig gehandelt, indem er Aiwanger sein Amt hat behalten lassen. Und das, obwohl der eigentlich keine einzige der 25 Fragen zur vollen Zufriedenheit beantwortet hat und nur abwechselnd die Worte „das entzieht sich meiner Kenntnis“, „das ist mir nicht erinnerlich“, „das ist mir nicht bekannt“ oder „diese Fragen kann nur die damalige Schulleitung beantworten“ benutzt.

Bloß nix Falsches und den Hubsi größer machen als er ist, hat sich der Söder wahrscheinlich gedacht. Ein großes Schauspiel! Zum Aiwanger’schen Schmierentheater gehört auch, dass er sich danach als das eigentliche Opfer hingestellt hat. Das Ganze sei eine Kampagne gewesen, „um mich fertigzumachen“! Na freilich, des kannst Deinen Zuchtküh’n in Ergoldsbach verzällen!

Der Süddeutschen Zeitung, die die Geschichte recherchiert hat, kann man vielleicht vorwerfen, dass sie die Story etwas zu reißerisch und mit etwas süffisantem Unterton veröffentlicht hat. Aber hätte sie ihre Recherchen wirklich lieber nach der Landtagswahl veröffentlichen sollen? Hätten dann nicht alle gesagt, man habe Aiwanger geschont und die Öffentlichkeit vor der Stimmabgabe im Ungewissen gelassen? Eben. Immerhin gibt es ja Leute (und nicht nur seinen alten Lehrer), die an Eides statt versichern, dass Aiwanger früher durchaus den Rechten zugetan war, worauf ja auch sein Hitlerbärtchen schließen lässt, das er seinerzeit getragen hat. Auch ist der Freie-Wähler-Chef ja auch durchaus schon ein paarmal als Populist in Erscheinung getreten. Wer wie er kürzlich in Erding sagt, die schweigende Mehrheit müsse sich „die Demokratie zurückholen“, der hat sich verbal schon arg an die „Braunen“ im Land herangewanzt.

Ob man so jemanden wählen kann? Das muss freilich jeder mit sich selbst ausmachen. Was man schon vor dem 8. Oktober weiß: Das Ganze hat dem hemdsärmeligen Niederbayern scheinbar nicht geschadet. In den Umfragen legten die Freien Wähler seit Bekanntwerden der „Flugblatt-Affäre“ sogar noch zu. Was man nicht weiß, ist, ob Aiwanger mit seiner Partei hinter derKulturagenda steht und ein Landestheater für eine unterstützenswerte Sache hält. Schließlich kann Theater „wichtige gedankliche Prozesse anstoßen“. Könnte man ihn ja mal fragen bei der nächsten Wahlkampfveranstaltung. Der Monaco sagt’s mal mit den eigenen Worten des Mannes, der sich in Bierzelten offenbar wohler fühlt als in irgendwelchen Theatern oder Konzertsälen: „Das entzieht sich meiner Kenntnis!“ Schätzla, schau wie iech schau!

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