Auf ein Wort Schriftzug

Auf ein Wort #17

Immer die Besten nach Brüssel

Gastbeitrag von Hans G. Tanner

Wer sich schon mal gefragt hat, wie die EU-Kommission in Brüssel nur all die vielen hochkomplizierten Gesetze und Verordnungen für über fünfhundert Millionen Menschen aus achtundzwanzig Ländern mit vierundzwanzig verschiedenen Sprachen handhabt, bekommt Hochachtung. Und ein ehrwürdiger Schauer durchströmt einen, wenn man an die achtundzwanzig EU-Kommissare denkt, die diese Super-Regierung anführen. Die Ehrfurcht steigt, wenn man daran denkt, dass ihnen allen zusammen nur knapp dreizehntausend Beamte zur Verfügung stehen. Da hat ja die Stadt Frankfurt mit ihren vierzehntausendneunhundert Mitarbeitern sogar mehr. Und die sind ja nur für siebenhundertdreißigtausend Einwohner zuständig. Nicht einmal das Ressort Digitale Wirtschaft ist besetzt.

In der EU-Regierung kümmert sich der Minister, Entschuldigung, der Kommissar Günther Oettinger um die Digitalisierungsbefindlichkeiten der Wirtschaft. Den Oettinger kennen alle noch als den früheren Ministerpräsidenten von Baden Württemberg. Er wurde 2010 von Angela Merkel zur EU-Kommission vorgeschlagen, damit er dann sein Ministerpräsidentenamt ruhen lassen konnte. Aufgrund seiner begrenzten Englischkenntnisse (Originalzitate: „…das Grausamste, was man jemals in englischer Sprache auf der nördlichen Erdhalbkugel hören musste…“ und „I sink sis english is under all pig!“) hat sich ihm die Aufgabenstellung ganz offensichtlich noch nicht ganz erschlossen. Und die zu wenigen Beamten konnten ihn nicht daran hindern, sich vor wenigen Tagen auf Abwegen in die Leistungsschutzrechtsforderungen der deutschen Verleger einzubringen. Sein Vorschlag, die Verleger sollten ihre Journalisten zwingen, gegen die Internetwirtschaft, insbesondere Google, zu schreiben, bliebt im Gedächtnis. Ansonsten finden wir das schon bewundernswert, was ein Mann, der davon wirklich nichts versteht, alles leisten muss.

Auch die anderen Kommissare müssen sich unmenschlich anstellen, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Marianne Thyssen aus Belgien ist unsere Arbeits-Kommissarin, obwohl sie eigentlich doch nur Anwältin ist und mal Gemeinderätin der zehntausend-Einwohner-Stadt Oud-Heverlee war. Der Vizepräsident hinter Jean-Claude Juncker ist Frans Timmermans. Der hat mal Französisch und Literatur studiert. Der muss sich jetzt um unsere Grundrechte kümmern.

Auch Miguel Arias Cañete aus Spanien reibt sich für die Coburger und anderen Europäer auf. Er hat Jura studiert, war Staatsanwalt und danach Rechtsprofessor. Anschließend ging er in die Politik und wurde Spanischer Landwirtschaftsminister. Das muss er sehr gut gemacht haben. Die Spanier haben ihn jedenfalls zur EU-Kommission geschickt. Dort ist er für das Thema Klimawandel zuständig. Wer sonst, als er?

Am schwersten hat es Christos Stylianides aus Zypern. Der ist Zahnarzt und soll sich nach einer Katastrophe um uns kümmern, wenn mal was richtig Großes passiert. Dafür ist er zuständig.

Ich bin jedenfalls dankbar, dass die europäischen Länder ihre Besten nach Brüssel geschickt haben, um sich um uns zu kümmern.

An dieser Stelle laden wir Coburger und Nicht-Coburger, Zu- oder Abgereiste herzlich ein, ihre Meinung kundzutun. Hier in unserem Magazin. Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie uns an.

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