Auf ein Wort Schriftzug

Auf ein Wort #29

Endstation Sehnsucht

von Thomas Apfel

Wann waren Sie zuletzt am Coburger Bahnhof? Wenn Sie schon länger nicht mehr dort waren – es hat sich nichts geändert. Immer noch strahlt er den morbiden Charme der frühen 70er Jahre aus. Die Eingangshalle, so etwas wie das Tor zur Stadt, ist ein Alptraum. Wenn es mal regnet (was es zum Glück schon lang nicht mehr getan hat), stehen im Bahnhof die Pfützen. Es ist eine Schande, welches Bild der altehrwürdige Bahnhof abgibt.

Immerhin geht es seit kurzem aufwärts, zumindest was den Aufzug am ICE-Gleis 2 betrifft . Das lange Hin-und- Her um die Inbetriebnahme aber war eine Farce. Erst nachdem mehrere Politiker den Druck ins Unermessliche gesteigert haben und die FDP sogar aus eigener Tasche die TÜV-Abnahme bezahlen wollte, sah sich die Bahn bemüßigt, den Aufzug in Betrieb zu nehmen. Immer noch ohne Aufzug müssen die zahlreichen Pendler nach Bad Rodach auskommen. Es ist eine Schande. Doch was tun?

Dass es auch anders geht, zeigt der Blick nach Sonneberg. Der dortige Bahnhof, ebenfalls in die Jahre gekommen, wird demnächst saniert. Allerdings übernimmt ein privater Investor die Umgestaltung zum Spielzeugbahnhof. Lutz Lange (Therme Natur Bad Rodach, Klettergarten Kloster Banz und Sonnebad in Sonneberg – um nur einige zu nennen) war es leid, den „schlonzigen“ Bahnhof in Sonneberg zu betreten. Hier wird nun gehandelt. Lange öffnet die private Schatulle, es wird kräft ig investiert um den Bahnhof salonfähig zu machen und zu einem Spielzeugbahnhof umzubauen.

Zurück zum Coburger 70er Jahre Bahnhof. Immerhin hat der ansässige Imbissstand investiert und neu renoviert. Der Buch- und Zeitschriftenladen ist auch in Ordnung. Der Aufzug am ICE-Gleis funktioniert (noch). Aber was ist mit dem Rest? Der Zugang zu den Gleisen, die Eingangshalle, die Fassade, die fehlenden Parkplätze rund um den Bahnhof: Alle heimischen Politiker und auch die Wirtschaft sollten den Druck auch die Bahn weiter erhöhen oder vielleicht einen ganz anderen Weg gehen. Das Schicksal selbst in die Hand nehmen – auf die Bahn zu warten könnte angesichts des bundesweiten Investitionsstaus bei der Sanierung der Bahnhöfe ewig dauern. Barrierefreie Bahnhöfe sollten im Jahr 2018 eigentlich überall ohne Probleme möglich sein (auch in Coburg).

Aber vielleicht lässt sich der alte Coburger Bahnhof ja touristisch oder filmisch vermarkten – vielleicht dreht Michael „Bully“ Herbig demnächst in Coburg einen Film, in dem ein Bahnhof aus den 70er Jahren eine große Rolle spielt, vielleicht mit dem Titel „Endstation Sehnsucht“. Viel ändern muss er dann nicht – leider.

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