Monaco Franke

Monaco Franke #29

Was war das für ein Sommer, oder? A weng arg trocken vielleicht, stimmt. Aber ansonsten? Der Hammer! Wochenlang 30 Grad oder mehr, laue Abende bis weit in den September hinein. Wann hat’s sowas zum letzten Mal gegeben?! Iech waaß es fei echt nimmer! Okay, viele haben auch ein bisschen über die Hitze gejammert – bei dem einen machte der Kreislauf nicht mit, andere konnten bei den warmen Temperaturen nachts nicht mehr gut schlafen, die nächsten sind vor den Wespen und Stechmücken (elende Drecksviecher!) geflohen. Aber hey, die meisten haben’s genossen. Auch der Monaco! Sein‘ Sunnabrand konnt ma allweil in einem schönen schattigen Biergarten mit am frischen Seidla löschen. Grad schee woar’s!

Und so geht’s! Kaum haben wir mal einen heißen Sommer, schon gab’s nur noch ein Th ema. Und prompt hat es der wunderbare Begriff „derschwitzen“ zum neuen oberfränkischen Wort des Jahres gebracht und steht nun in einer Reihe mit dem „Wischkästla“, der Redewendung „a weng weng“ und mit dem „urigeln“. Seit 2015 kürt der Bezirk Oberfranken dieses „Oberfränkische Wort des Jahres“. Echt amoll a gude Idee! Denn so a weng weng Dialekt macht die Leut‘ doch erst zu Menschen, oder? Verkündet wurde das Ergebnis übrigens im Rahmen des 21. Oberfränkischen Mundart-Th eater-Tages im Bauernhofmuseum in Kleinlosnitz. Na des bassd ja.

Für die vierköpfige Jury, darunter immerhin eine Dozentin vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (wieso eigentlich Mittelfranken??) war es übrigens eine eindeutige Entscheidung, wie zu hören war. Schön ist nach solchen Verkündungen ja dann immer, wenn die Verantwortlichen versuchen, dem gemeinen Nicht-Oberfranken zu erklären, was das betreff ende Wort nun also genau zu bedeuten hat. Also: Die offizielle Bedeutung des Wortes „derschwitzen“ könne man mit „durch Schwitzen zu Grunde gehen“ umschreiben, hieß es da.

Die schon erwähnte Sprachwissenschaftlerin erklärte, unsere Standardsprache kenne das Wort in der im Dialekt üblichen Bedeutung zwar nicht. Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm habe seinerzeit aber immerhin den Begriff „erschwitzen“ aufgeführt und mit „schwitzen, ausschwitzen oder durch Schwitzen etwas erlangen“ übersetzt. Weiter sagte sie: „Den Buchstaben d als Vorsilbe kennen wir in der Sprache bereits seit dem 12. Jahrhundert. In den bayerischen und ostfränkischen Dialekten hat sich dies zum Teil bis heute überliefert.“ Widda wos g’lernt, gell!

Der Monaco ist der Jury jedenfalls für ihre Wahl sehr dankbar, und zwar aus reiner Uneigennützigkeit! Denn nicht auszudenken, Sie müssten hier eine Abhandlung über die „Bäppm“ oder die „Blunz’n“ lesen! Über so a Bäppm – also das, was im Hochdeutschen als Lippenherpes bezeichnet wird – könnt‘ ma jetz goar ned so viel erzählen. Dudd weh, sieht bleed aus und is ansteckend. Und a Blunz’n? Na ja, da gibt’s verschiedene Wortbedeutungen. A Blunz’n kann a Bludworschd saa, oba halt aa a rechte Plauze mit haddem P! Ich sooch amoll so: A echter Franke sieht so wos jeden Tag im Spiegel, da muss er ned noch an ganzen Artikel drüber lesen!

Im Süden gibt’s solche Wortprämierungen übrigens nicht. Jedenfalls nicht offi ziell. Das Münchner Oktoberfest ist aber trotzdem immer eine gute Inspirationsquelle für alle, die in die selbstherrliche „Mia-san-mia“-Welt der Oberbayern eintauchen wollen. Meistens sind die Mode-Wortschöpfungen halt weniger derb als liab, weil sie ja standesgemäß auf Lebkuchenherzen oder den zünft igen, aus feinem Filz gearbeiteten Dirndl-Trachtentaschen geschrieben stehen sollen. Aber zwischen so manches „Spatzl“ oder „fesches Dirndl“ mischt sich doch hier und da schon mal ein „Kniabiesler“, ein „Dipfalscheissa“ oder ein „Bockfotzngsicht“.

Ein Evergreen ist und bleibt der „Saupreiß“ – die Tatsache, dass der Ausdruck immer noch populär ist, zeigt aber nur, wie konservativ der Oberbayer ist, wenn es um seine geliebte Heimat und seine Sprache geht. Und nicht nur da! So wurde dem Monaco folgende Anekdote zugetragen: Nachdem er frisch nach Coburg gezogen war, bekam ein junger Münchner in seiner neuen Heimat in der Vestestadt Besuch von seinen weltreisenden Eltern. Und Sie dürfen einmal raten, welche drei Mitbringsel sie für ihren verlorenen Sohn dabei hatten: Ein Paar Weißwürste, zwei Flaschen Augustiner Edelstoff und einen Kanten Pfi ster-Brot! Wie gut! Denn wenn er versucht hätte, das alles in Coburg aufzutreiben, wäre er womöglich ganz schön ins „Derschwitzen“ gekommen.

Schätzla, schau wie iech schau!

Für den COBURGER von Wolfram Porr

    Hinterlassen Sie ein Kommentar

    3 × zwei =