Auf ein Wort Schriftzug

Auf ein Wort #51

von Wolfram Hegen

Liebenswert reaktionär

In jedem COBURGER laden wir an dieser Stelle Coburger oder Nicht-Coburger ein, ihre Meinung zu sagen.

Ein neues Fassadenbild am Rande des Albertsplatz würdigt Coburgs ganzen Stolz, den Prinzen Albert und seine Frau, Queen Victoria, das Traumpaar des 19. Jahrhunderts. Jubelstürme branden auf, Hüte fliegen, sie leben hoch hoch hoch. Große Freude, der Zirkus kommt: Nach einer langen Pause werden im Herbst in einer Manege auf dem Coburger Anger wieder wilde Tiere vorgeführt. Eine stolze Tradition aus der Zeit des Kolonialismus. Der Stadtrat verteidigt dieses Naturrecht des deutschen Volkes auf Bildung mit knapper Mehrheit gegen die infamen Lügen des geschichtsvergessenen Zeitgeistes. Auf dem Marktplatz rotten sich Uniformierte mit ihren Säbeln beim Coburger Convent zusammen. Das Bier fließt, Männer dröhnen. Eine flammende bürgermeisterliche Rede: keinen Zentimeter Coburger Boden den Feinden! Ehre Freiheit Freundschaft Vaterland. Seit 1851.

Die mit Abstand beste Wurst der Welt, die traditions-, ruhm- und fettreiche Coburger Bratwurst, die seit vielen Jahren heldenhaft alle Angriffe der Gesundheitsmafia gegen ihre Zubereitungsart abwehrt, wird an Pfingsten hinterrücks aus Staffelstein attackiert. Und das im Herzen des Reiches, auf dem Coburger Marktplatz! Ein Sturm aufs Kapitol! Ein feiger Akt der Katholiken aus dem Süden und ihrer verabscheuungswürdigen Helfershelfer in unserer stolzen Vestestadt! Verrat!

Der Staatsfeind ist überall: Der Coburg Tourismus selbst! postet unter der Überschrift „Kulinarik in Coburg“! zwei Knödel! Knödel! Knödel! Unwürdige unreine gelbsüchtige tennisballähnliche Rundkörper, ein gummiartiger fremdländischer Fraas, eine Beleidigung des breiig dahinschlierenden Coburgs Rutschers! Unverzeihlich! Skandal! Hochverrat! Was für ein Theater! Was für eine Stadt! Man muss sie einfach lieben.

P.S. aus Wikipedia: Im 19. Jhd. Jahrhundert wurde „Reaktion“ zum Sammelbegriff für eine reformistische Widerstandsbewegung aus zunächst Adeligen, Klerikalen und bürgerlichen Monarchisten, die sich gegen die Jakobiner positionierten und gegen die von den Revolutionären initiierten Veränderungen stellten …

P.P.S. Der Coburger feiert in diesem Jahr Doppeljubelläum: Den 50. COBURGER (im April) und zehn Jahre Coburger (Ende des Jahres). Daher auch hier wieder eine kleine Reminiszenz aus dieser Zeit, dieses Mal aus dem ersten COBURGER im Dezember 2012. In „Auf ein Wort“ damals äußerte sich Hans G. Tanner (Pseudonym) ziemlich krude und böse zur „Omnipotenten Sporthallensucht“. Die HUK-arena war gerade fertig, so die Geschichte, und die Hauptperson müsse jetzt permanent aus der Stadt in die Halle fahren, um Handball, Basketball und Volleyball anzuschauen, jedes Wochenende. Das bleibt nicht ohne Folgen: Angesichts der Sprit-/ Eintritts-/ Verpflegungskosten im Laufe einer Saison wird das Geld knapp, die Zeit für Familie ohnehin, er wird von der Frau verlassen und die Kinder gehen gleich mit. „Irgendwie fühle ich mich so richtig schlecht, alles nur wegen der blöden neuen Halle.“

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