Christian Limpert

Christian Limpert – Frontmann #22

Portrait Christian Limpert

Chancen ergreifen, wenn sie sich bieten. Hartnäckig alles daran setzen, dass sie sich bieten. Das Glück herausfordern, um es irgendwann auch zu haben. Und vor allem erst einmal wissen, was man eigentlich will. Dann kann es gut sein, dass man irgendwann auf der Bühne ganz vorne steht. So wie der Coburger Christian Limpert. Eigentlich nämlich wollte er gar nicht Journalist werden. Jetzt kann er sich nichts anderes mehr vorstellen, auch, wenn ihn die Arbeit oft an die Grenzen bringt. An die europäischen. Und an seine persönlichen.

Rom, München, Coburg, auf Reisen sein quer durch Europa, das ist Alltag für Christian Limpert, Hektik ein Teil seines Berufs, so dauert es ein wenig, bis er ankommt im Gespräch über sich, sein bisher 37 Jahre umfassendes Leben und seinen Beruf, fast ein wenig verloren sitzend auf einem Stuhl mitten in einem großen weißen Raum, damit er für das parallel mitlaufende Kamerabild von iTVCoburg wertig und ohne große Ablenkung im Hintergrund ins Bild gesetzt werden kann, eine dennoch ungewohnte Situation für den Fernsehmann, ist er doch sonst immer der Fragende, nicht der Antwortende, gibt er den Takt vor, plant und kontrolliert, jetzt sitzt er auf der anderen Seite und soll in sich hineinhorchen, -fühlen, -denken, wollen wir doch wissen, was er für ein Mensch ist.

Am liebsten im Freibad

Eigentlich ein ganz normaler. So normal wie ein Leben als Coburger sein kann: In der Vestestadt geboren, Kindergarten, Grundschule, Abitur am Gymnasium Albertinum, Zivildienst beim Diakonischen Werk. Ein geordnetes Leben mit vielen Ritualen, die er heute bei seinen Besuchen in der alten Heimat noch pflegt. Spaziergänge um die Veste, mindestens eine Coburger Bratwurst pro Besuch, Sonntagmittag gerne Coburger Klöß, den Besuch einer stadtbekannten Eisdiele und das sommerliche Abtauchen im Coburger Freibad, das ihn so an seine Jugend erinnert wie kaum etwas anderes, „die Bademeister kenn ich noch von früher und die mich auch.“ Coburg, das ist für ihn Familie, Freundschaften, Spaß haben. „Immer wenn ich hier bin, geht’s mit richtig gut“, sagt er und kann sich auch vorstellen, irgendwann wieder hierher zu kommen in die heile Coburger Welt. Sein Beruf aber hat ihn erst einmal hinausgespült in die harte Wirklichkeit als Fernsehjournalist beim Bayerischen Fernsehen.

Glück gehabt

„Irgendwas mit Medien oder Theater“ hatte er sich ja auch vorgestellt. Und ein Zeitungspraktikum nach dem Abitur weckt die Liebe zum Beruf. Er geht nach Bayreuth, eine „Notfalllösung“, wie er rückblickend sagt, weil die renommierte Deutsche Journalistenschule in München ihn nicht aufnimmt. Doch Bayreuth entpuppt sich als Glücksfall: Er studiert dort Theater und Medien, kommt zum ersten Mal in Berührung mit dem Medium, das heute sein berufliches Zuhause ist: Fernsehen. Campus TV heißt das Studentenfernsehen der Universität Bayreuth, er bekommt die Chance, es mit aufzubauen, merkt, dass er gerne die Kamera in der Hand hat, im Schnitt arbeitet – und das Fernsehen die Zukunft ist. „Die Fähigkeit journalistische Inhalte in Filme zu packen, wird immer wichtiger“. Ein Praktikum beim Bayerischen Fernsehen in Nürnberg bestätigt ihn, auch wenn die Arbeit in einem so großen Laden nach drei Jahren Campus-TV „eine ganz schöne Umgewöhnung“ bedeutet. Doch auch die Deutsche Journalistenschule lässt ihn nicht los, so probiert er es nach dem Studium noch einmal, wieder klappt es nicht, er landet auf Platz 16 – nur 15 werden genommen. Kurz darauf darf Limpert nachrücken: Einer der 15 springt ab – Glück gehabt.

Etwas wagen

Limpert also kommt nach den Stationen Coburg, Bayreuth und Nürnberg in München an. Dort bleibt er auch nach der Journalistenschule, geht nicht wie geplant zurück zum Studio Franken. In der Landeshauptstadt schlägt das Herz des Bayerischen Rundfunks, dort können sich weitere Türen öffnen, „München war einfach spannender“. Wieder also ergreift er eine Chance. Es ist ein Wesenszug des Coburgers, offen zu sein, zuzupacken, auszuprobieren, nicht stehenzubleiben: „Alles was man tut bringt einen mit Menschen zusammen. Manchmal wird mehr daraus, manchmal gehen Türen auf, man lernt tolle Leute kennen, manchmal auch nicht, aber es ist immer besser, etwas zu wagen, als es nicht probiert zu haben“. Und Limpert wagt etwas: Als die ARD kurzfristig jemand sucht, der aus Griechenland berichtet, ergreift er seine Chance. „Normalerweise dauert es meistens ein paar Jahre, bist Du bei den Tagesthemen vor der Kamera stehst.“

Emotionale Momente

Seitdem flimmern mehr und mehr seiner eindringlichen Korrespondentenberichte und Reportagen über das Geschehen in Südeuropa in die deutschen Haushalte. Er war in Zypern zum Thema Finanzkrise, am Ostbahnhof in Budapest, an der ungarisch-serbischen Grenze, auf dem Mittelmehr zwischen Italien und Nordafrika, als zunächst hunderttausende Flüchtlinge auf dem Landweg nach Europa strömten, als dann die Grenzen vergittert worden sind, als die Balkanroute zur Sackgasse wurde, als seither die Menschen wieder den gefährlichen Weg über das Meer in Richtung Europa auf sich nehmen. Und Limpert hat seither viele Momente erlebt, in denen er sich hilflos fühlt, in denen der Reporter hinter den Menschen zurücktritt, in denen es bei aller Professionalität einfach „schwer ist, objektiv zu bleiben.“

Wenn er im Hotel lebt und 500 Meter weiter die Menschen im Schlamm vegetieren, wenn sein Team den Satellitenwagen mit Bällen und Spielzeug vollmacht, um Kindern eine kleine Freude zu bereiten, wenn ein Grieche vom 2. Weltkrieg erzählt, den er miterlebt hat, der aber nicht so schlimm sei wie das, das sich heute vor seiner Haustüre abspielt, wenn der griechische Mitarbeiter am Schnittplatz beim Schnitt in Tränen ausbricht und sie eine Pause machen müssen, wenn das ganze Team nach einem gemeinsamen Einsatz nicht mehr kann, heult, ratlos ist, wenn sie acht pakistanischen Männern auf einem Boot nicht helfen dürfen, obwohl deren Schiff vor ihren Augen absäuft, sie warten müssen, ein lange Stunde, bis die Küstenwache ihnen das OK gibt, weil sie sich sonst als Schlepper strafbar machen würden. „Man ist einfach sehr nahe dran an den Menschen dort, manchmal vielleicht zu nah, das kann man sicherlich auch kritisieren, aber die große Politik ist bei so einem Dreh vor Ort so weit weg, da geht es einfach nur noch um die Beschreibung der Situation, um die Geschichten der Menschen, um das, was sich abspielt.“ Genau aber das ist sein Job, zu erzählen, wie es ist, vor Ort.

Zurück zur Normalität

Trotz der vielen eindringlichen, traurigen, erschütternden Momente macht ihm sein Beruf aber Spaß. Und es gibt sie ja auch, die vielen schönen, heiteren, fröhlichen, menschlichen Augenblicke. Limpert hat viel Hilfsbereitschaft erlebt, auch viel Normalität in Ortschaften und Städten abseits der Brennpunkte. Außerdem ist er nicht nur in Krisenregionen unterwegs. Er berichtet auch aus Rom – oder ganz einfach aus Bayern, bei der BR-Radltour zum Beispiel. Am liebsten aber ist er in Coburg. Auch dort aber als Frontmann. Beim mittlerweile aus einer Bierlaune heraus zum Kult avancierten jährlichen OktOPAfest nämlich, wenn die Original Prinz Albertiner zur Blasmusikparty einladen. Dann geht’s ihm richtig gut, dann ist er Zuhause. In Coburg.

Alles was man tut bringt einen mit Menschen zusammen. Manchmal wird mehr daraus, manchmal gehen Türen auf, man lernt tolle Leute kennen, manchmal auch nicht, aber es ist immer besser, etwas zu wagen, als es nicht probiert zu haben.

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