Das kleine Schimmel-Einmaleins (Online-Exklusiv)

mit Dr. Wolfgang Lorenz, Vorstand Bundesverband Schimmelpilzsanierung. 

Sind es die Schimmelsporen, die krank machen?

Die meisten Symptome werden nicht durch Sporen verursacht. Die sind vergleichbar mit Samenkörnchen einer Pflanze. Der Schimmelpilz wächst und gibt Sporen ab und die wollen zum Wachsen woanders hin. Sie legen sich wie Staub auf Oberflächen ab und, wenn es dort feucht ist, keimen die Sporen und bilden das Pilzgeflecht. Auch wenn sich Sporen über die Luft verbreiten und eingeatmet werden, sind sie nicht  das Problem, sondern die Stoffwechselprodukte der Pilze und Bakterien: Die Pilze fressen und scheiden Stoffe aus. Manche Stoffe riechen und erzeugen so den typischen muffigen Geruch. Manche Pilze produzieren aber auch Toxine. Dies sind deren Kampfstoffe, um andere Lebewesen in Schach zu halten, damit sie möglichst alleine fressen können. Und dann gibt es noch Bestandteile in Zellwänden bestimmter Bakterien, die giftig sind: die sogenannten Endotoxine. Wenn diese Bakterien absterben, dann wird das Gift freigesetzt. Das heißt in diesem Fall: Nicht die Lebenden belasten uns, sondern die absterbenden. Je älter der Schaden ist, desto mehr tote Zellen sind da, die wiederum Toxine freisetzen und desto gefährlicher ist es für die Gesundheit. Ein Kollege sagte mal vor vielen Jahren: Je älter der Schaden ist, desto größer der Friedhof.

Wie kann ich als Laie feststellen, ob ich Schimmel in der Wohnung oder im Haus habe? 

Es gibt mehrere Indizien. Ich kann immer einmal nachsehen, ob ich Flecken sehe. Manch einer meint, das seien Stockflecken, aber auch das ist Schimmel. Zudem kann ich nach Hinweisen auf Feuchtigkeit schauen. Wenn beispielsweise Wasserränder auftauchen, könnte hinter dem Gipskarton Schimmel sein. Außerdem könnte der Geruch einen Hinweis geben und natürlich auch gesundheitliche Beschwerden, wenn ich mich Zuhause schlecht fühle und unter Atemwegsproblemen, Gelenkschmerzen oder allergischen Hautreaktionen leide. Asthmatiker haben in Räumen mit Schimmelbefall häufig starke Asthmaanfälle. Außerdem kann das Auftreten von bestimmten Tierchen, wie Silberfischen oder Staubläusen, ein Indiz sein.

Sollte man in einen Schimmelspürhund zu investieren, bevor man eine Bestandsimmobilie kauft?

Bei den heutigen Immobilienpreisen wird sich das rentieren. Das heißt ja nicht, dass man nicht kaufen kann, wenn es Schäden gibt. Wichtig ist aber, dass man die Schäden vor dem Kauf kennt und die erforderlichen Sanierungskosten bei der Kaufpreisverhandlung berücksichtigt. Beim Kauf einer Immobilie macht deshalb die Investition in einen Schimmelspürhund großen Sinn. 

Wie finde ich denn einen zuverlässigen Schimmelspürhund?

Unser Bundesverband für Schimmelpilzsanierung führt regelmäßig Prüfungen und Zertifizierungen für Schimmelspürhunde durch. Auf der Internetseite des BSS gibt es auch einen Link zu einer Schimmelspürhundseite, auf der man gut beraten wird. Leider gibt es in Nordbayern kein zertifiziertes Spürhundteam. Aber dafür eines der besten in Deutschland im Erzgebirge. Die Spürhundführerin Heike Mehlhorn war schon häufig mit mir im Raum Coburg unterwegs und ist nach meiner Einschätzung mit ihrem Hund eines der zwei besten, wenn nicht das beste Team in Deutschland.

Was sollte man tun, wenn man Schimmel entdeckt?

Das kommt ganz darauf an, wie groß das Problem ist. Wegen kleinsten Flecken muss man keinen Experten hinzuziehen, nur weil am Silikon in der Dusche oder auf der Dichtung am Dachschrägenfenster etwas Schimmel auftaucht. Man kann sich den Leitfaden des Bundesgesundheitsamtes herunterladen und dort lesen, wie man das Schimmelaufkommen einzustufen hat und mit kleinen Schäden umgeht. Wenn es jedoch zu Geruchsbildung kommt, ich krank bin oder Flecken immer wieder auftauchen, muss ich jemanden suchen, der die Ursache und das Schadensausmaß klärt. Das kann ein öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Schimmelschäden sein. 

Bei mittelgroßem Ausmaß kann man sich einen Sanierer suchen, der auf diesem Gebiet zertifiziert ist. 

Wie kann ich diese Experten als Verbraucher finden?

Über das Internet natürlich, oder eben über die Seite des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung, auf der man seine Postleitzahl eingibt und die zertifizierten Sanierer in der Umgebung angezeigt bekommt. Namen und Adressen öffentlich bestellter Sachverständiger erhält man auch bei den IHKs.

Wann sollte definitiv ein Experte hinzugezogen werden?

Immer dann, wenn die Ursachen nicht geklärt werden können, aber auch wenn der Schimmel immer wieder auftritt oder bei großflächigem Schimmelbefall. Natürlich auch, wenn schon gesundheitliche Probleme bestehen. Immer wenn Fragen offen sind, oder das Ausmaß des Schimmelbefalls unklar ist, macht es Sinn, das abzuklären, bevor man mit der Sanierung beginnt.

Sollte man Schimmel mit sogenannten Schimmelentferner beseitigen?

Zuerst wirken fertige Produkte nicht besser als die grundlegenden Chemikalien, auf den sie basieren. Mich ärgert der oft viel zu hohe Preis dieser Mittel, denn den eigentlichen Wirkstoff kann man auch für deutlich weniger Geld kaufen. Zum Beispiel eignen sich bei kleineren Flecken zehnprozentiges Wasserstoffperoxid, oder bei kleineren Schäden verdünnter Alkohol mit 70 bis 80 Prozent. Aber auch ein herkömmlicher Haushaltsreiniger reicht meist aus, da dieser ebenfalls wirksame Chemikalien enthält. Bei größerem Befall sollte der Schimmel jedoch nicht nur abgewaschen werden, sondern es ist ein Fachmann gefragt. Verwendet man große Mengen an Alkohol besteht sogar Explosionsgefahr.

Wenn leicht auszutauschende Materialien befallen sind, wie beispielsweise eine Schrankrückseite, dann sollte man diese austauschen.

Essigessenz wird oft als die Rundumwaffe im Haushalt eingesetzt. Eignet sie sich auch zum Abwischen von Schimmel?

Nein. Essigessenz ist ein saures Mittel, gegen das Schimmel oft resistent ist. Zudem verliert sie bei Kontakt mit Materialien sehr schnell ihre Säurewirkung. Fachleute sagen dann, der pH-Wert ändert sich. Die Rückstände der Essigessenz können sogar ein gutes Nährmedium für Schimmel sein. 

Was kann man tun, um Schimmelbefall vorzubeugen? 

Wände, Decken, Fußböden und Inventar müssen trocken bleiben, denn länger anhaltende Feuchtigkeit wird irgendwann zu Schimmelbildung führen. Es muss nicht nass sein, bereits 80 Prozent relativer Feuchtigkeit reicht dem Schimmel aus, um zu wachsen.

Besonders problematisch ist Fußboden, denn Schimmel in der Dämmlage unter dem Estrich sieht und riecht man nicht. Aber krank werden kann man davon, wie sehr viele Fälle gezeigt haben. Feuchte in der Trittschalldämmung ist häufig auf Restfeuchte bei Neubauten oder umfangreiche Gebäudesanierung zurückzuführen. Auch nach Leitungswasserschäden bleibt oft Feuchte im Fußboden zurück, da die notwendige technische Trocknung nicht durchgeführt oder zu früh abgebrochen wurde. Es gibt allerdings auch kuriose Ursache. Vor Jahren bearbeitete ich einen Fall an einer Schule, in dem die Reinigungskräfte reichlich Wasser auf den PVC-Belag schütteten und mit einem Abzieher immer Richtung Randfuge schoben. Sie waren begeistert, dass das Wasser dort über die Fuge einfach verschwand. Dies sparte Zeit, denn das Wasser musste nicht mit Lappen wieder aufgenommen werden. Nach und nach soff dann der Fußboden ab. Die Folge war ein massiver Bakterienbefall in der Trittschalldämmung, Geruch in den Klassenzimmern und gesundheitliche Beschwerden bei Schülern und Lehrkräften.

Generell sollte man aufpassen, dass alles trocken bleibt. Besonders im Winter stellt es ein Problem dar, wenn man nicht ausreichend heizt oder heizen kann und nicht genug lüftet und sich die Luft so mit Feuchtigkeit anreichert. Besonders in Bad und Küche sollten beim Duschen, Baden oder Kochen die Türen geschlossen bleiben und die Fenster möglichst schon während der Nutzung zur Lüftung geöffnet werden. Im Winter sind über längere Zeit gekippte Fenster ein Risiko, da sich der Fenstersturz auskühlen und sich Schimmel bilden könnte. Wenn es jedoch nicht anders geht, ist Kippen immer noch besser als gar nicht zu lüften. Optimal sind Lüftungsventilatoren in Bad und Küche, die direkt die feuchte Luft ins Freie transportieren.

Wie hoch sollte die Raumfeuchte denn maximal sein?

Man empfiehlt sehr oft 50 Prozent, doch das ist zu viel im Winter. Denn da ist die Luft relativ trocken und wenn draußen Temperaturen von null Grad Celsius oder weniger herrschen, hat man normalerweise innen eine Luftfeuchtigkeit von höchstens 30 bis 40 Prozent. Steigt die Feuchtigkeit über 40 Prozent sollte man das Heiz- und Lüftungsverhalten überdenken und ändern, denn es wird dann schon gefährlich. Der Grund ist, dass bei geringen Außentemperaturen Teile der Außenwände stark abkühlen können und bei einer 50-prozentigen Luftfeuchtigkeit kann an den kalten Flächen die für Schimmelwachstum kritische Feuchtigkeit von 80 Prozent erreicht werden.

Im Sommer hingegen ist es oft außen wärmer als innen und dazu noch schwül. So sind Raumfeuchten von über 60 Prozent kaum zu vermeiden, aber auch nicht problematisch, da die Außenwände nicht kalt sind.

Im Sommer kann es im Souterrain problematisch sein, wenn Wohnungen teilweise unter Erdniveau liegen. Die Wohnräume sind zwar dann wunderbar kühl, aber die Wände sind eben auch kühl. Lüftet man die Wohnung an schwülwarmen Tagen, holt man Feuchtigkeit in die Wohnung, die sich an den kalten Wänden niederschlägt, was zu Schimmelwachstum führen kann.

Deshalb empfiehlt es sich, in Souterrain-Wohnungen zur kühleren Nachtzeit zu lüften oder sich sogar einen Lufttrockner anzuschaffen. Man könnte auch die kühlen Räume beheizen, aber das wird keiner ernsthaft wollen.

Stimmt es, das gut isolierte Wohnungen, also meist Neubauten, schimmelanfälliger sind als Altbauten? 

Das würde ich so nicht sagen. Beim Neubau ist das Problem, dass sehr schnell gebaut wird und die Häuser sehr dicht sind. Somit kann die Baufeuchte nicht so gut entweichen wie früher bei langsamerem Bau und undichteren Häusern. Dann sollte man die Baufeuchte zum Beispiel mit Trocknungsgeräten beseitigen, aber in Abstimmung mit Fachleuten, da bei übermäßiger Trocknung beispielsweise Risse im Estrich oder Putz entstehen könnten. 

Ein Problem ist, dass man bei diesen gut abgedichteten Neubauten sehr intelligent lüften müsste um Schimmel zu vermeiden und gleichzeitig keine unnötigen Heizkosten zu haben, da ich bei jedem Lüften Wärmeenergie verliere und, um das zu vermeiden, wurde das Haus ja so gut isoliert. Um auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt sich bei dichten Neubauten die Installation von Lüftungssystemen, zumindest in Bad und Küche, die bei zu hoher Luftfeuchte automatisch starten. 

Sollte in einem Neubau anders gelüftet werden als in einem Altbau? 

Grundlegend ist der Lüftungsbedarf abhängig von der Nutzung. Im Neubau muss zuerst die Restfeuchte raus. Hier muss ich intensiver lüften und heizen. Oft berücksichtigen das die Leute im ersten Winter und es wächst kein Schimmel. Wenn dann aber die erste überraschend hohe Heizkostenabrechnung kommt, wird im zweiten Winter gespart, weniger gelüftet und geheizt und dann kann Schimmel wachsen. Im Altbau muss situationsabhängig gelüftet und beheizt werden. Immer wenn viel Feuchtigkeit freigesetzt wurde, sollte diese durch lüften so schnell wie möglich ins Freie transportiert werden. Generell sollte man im Winter aber eine Raumfeuchte von maximal 40 Prozent anstreben. 

Eine nicht zu unterschätzende Problematik stellen auch Altbauten dar, die neue Fenster erhalten haben. Diese dichten, im Gegensatz zu den alten Fenstern, besser ab und erfordern ein angepasstes Lüftungsverhalten. Und dieses nach Jahren umzustellen, erweist sich oft als schwierig. 

Oft wird den Bewohner einer Immobilie aufgrund vermeintlichen falschen Lüftungsverhalten die Schuld zugewiesen. Jedoch wurden diese beim Aufzug auch nicht fachmännisch informiert. Das richtige Lüften in dichten Gebäuden erfordert viel bauphysikalischen Wissen. Der eine ist Germanist, die andere Künstlerin und der nächste Handwerker. Wie soll da jeder bauphysikalisch so korrekt handeln, um auf der einen Seite nicht zu viel Energie zu verbrauchen und auf der anderen Seite Schimmelentstehung zu verhindern? Das ist eine hochkomplizierte Thematik. 

Dann wäre ein Luftfeuchtigkeitsmesser sicher eine Hilfe? 

Das wäre eine Hilfe. Ein Hygrometer, welches die Raumfeuchte und Temperatur ständig misst. Achtet man darauf, dass im Herbst und Winter kein Zimmer kälter wird als 16 bis 17°C und die Feuchte unter 40 Prozent bleibt, wird man nutzungsbedingten Schimmel weitgehend vermeiden. Übrigens sind die preiswerten elektronischen Hygrometer durch die Bank sehr gut geeignet und meist genauer als die mechanischen Geräte. Messgeräte, die automatisch Entlüfter oder Heizer bei Bedarf ein- und ausschalten, sind noch optimaler. 

Zurzeit sind, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie, Luftreiniger hoch im Kurs. Könnten diese auch in Zukunft ein Thema sein? 

Wir empfehlen Luftreiniger schon seit vielen Jahren. Sie eignen sich bei Schimmelbefall zur Überbrückung bis zur Sanierung. Darüber hinaus können sie den Pollengehalt in der Raumluft minimieren, was eine gute Linderung bei Allergiesymptomen schaffen kann. Außerdem kann man sie in Grippe- und jetzt eben in Coronazeiten dazu verwenden, das Infektionsrisiko zu senken. Potentielle Einsatzorte sind Gebäude oder Räume mit vielen oder wechselnden Personen, wie Warte- und Besprechungszimmer, kleinere Geschäfte, aber auch Büroräume.

Viele Menschen arbeiten derzeit im Homeoffice. Haben Sie noch einen Tipp für gutes Raumklima im häuslichen Büro?

Regelmäßiges Lüften ist sehr wichtig, in diesem Fall um den CO2-Gehalt zu senken, denn bei zu hoher CO2 Konzentration in der Luft, wird man unkonzentriert und müde, und kann auch Kopfschmerzen bekommen. Dass man die Raumtemperatur, wenn man am Schreibtisch sitzt, nicht unter 18 °C einstellen wird, dürfte sicher sein und muss nicht unbedingt betont werden.

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