Monaco Franke

Der Monaco Franke #60

Für den COBURGER von Wolfram Porr

Eine alte Politikerregel besagt: „Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf.“ Klar. Irgendwo wird ja immer gerade gewählt, und dem politischen Gegner kann man sowieso immer eine mitgeben. Okay, „früher war mehr Lametta“, werden Sie sagen, als sich Strauß und Wehner wortreich auf offener Bühne „duellierten“. Aber auch unser geschätzter Ministerpräsident lässt sich da nicht lumpen. Gerade als Landesvater wiedergewählt, hat Markus Söder in schöner Regelmäßigkeit auf seinem X-Channel die Ampelpolitik – und da vor allem die Migrationspolitik – kritisiert und sich – gut so – zum Anwalt der in Bayern lebenden jüdischen Bevölkerung gemacht. Aber halt nicht nur. So hat er sich zum Beispiel jüngst auch als „Vorsinger“ bei seinem geliebten Glubb, dem 1. FC Nürnberg, präsentiert, hat beim Augsburger Presseball neben Reden auch das Tanzbein geschwungen und bei der Verleihung des Bayerischen Buchpreises den Literaturkenner
gegeben. Reschbeggd!

Hat er sich auch mal verdient, immerhin gehören der neuen bayerischen Staatsregierung neben Söder acht Fränkinnen und Franken an. Gut g’machd! Die bayerische Zukunft spricht Fränggisch! Dass dabei der „Stolz vo Hallstadt“, Melanie Huml, nach 15 Jahren als Ministerin auf der Strecke geblieben ist, schmerzt uns hier in Oberfrangn zwar scho a weng. Aber dafür ist auch der bisherige Kultusminister, „Professor Etepetete“, Michael Piazolo von den Freien Wählern, nicht mehr im Kabinett. Da atmen fei ned nur die Lehrer in Bayern auf! Immerhin: Der Maggus hat sich dann doch recht herzlich von seiner Parteifreundin, unserer Melanie, verabschiedet: „Es war eine der schwersten Entscheidungen und wir bleiben natürlich weiter eng verbunden. Du bist eine der starken Stimmen der CSU in Oberfranken“, hat er gschrie’m. Na ja, a bissla flunkern musst als Bolidigger scho könna, gell!

Wie gut, dass es Twitter gibt, gell! Der Kurznachrichtendienst, der seit Elon Musks Einstieg nun „X“ heißt. So kriegen die Bürgerinnen und Bürger, wenn sie es denn wollen, alles Wichtige (und jede Menge Unwichtiges) von ihrem Landesvater mit. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat im Bundestag dafür gerade den schönen Begriff „södern“ erfunden, weil der MP so ziemlich alles kommentiert und sogar Privates zur Schau stellt. Und was man in 280 Zeichen nicht alles mitteilen kann!

Der Monaco hatte sich jetzt nach der Landtagswahl eigentlich darauf gefreut, bald wieder harmlose Posts zu lesen und sich anzuschauen, wie der MP das lockige Haar des Christkinds beim Bummel über den Nürnberger Christkindlesmarkt anschmachtet, Rentiere knuddelt oder geschmückte Christbäume umarmt. Doch leider lässt das die politische Weltlage und die Unruhe hierzulande gerade nicht zu. An eine Art „Weihnachtsfrieden“ ist wenige Wochen vor dem Fest schon mal gleich überhaupt nicht zu denken – weder in Nahost noch auf Deutschlands Straßen, wo so viel demonstriert und protestiert wird noch nie, und wie man hört auch nicht im Bahnverkehr. Gleichzeitig Kante zeigen, sich staatsmännisch geben und einen auf „besinnlich“ machen – das ist ein Spagat, den selbst der Maggus nicht so ohne weiteres hinbekommt.

Also muss man, um sich in Weihnachtsstimmung zu versetzen, halt selbst in die Winterpuschen kommen. Was in diesem Jahr gar nicht so einfach ist, denn weil der Heiligabend auf den 4. Advent fällt, ist die Adventszeit extrem kurz. Schlecht für alle Weihnachtsmarktstandbesitzer, die ein paar Tage später öffnen als gewohnt. Schlecht auch für alle, die zu „Es wird scho glei dumpa“ oder „Last Christmas“ „amool gepfl eecht iebern Markt laufen wollen und sich wie jeds Joahr a boar Woll socken kaufen, die sie dann noch’m Fest in der Schublodn vergessen. Nicht überall sind sie so clever wie bei der Stadt Bayreuth, die seit einigen Jahren ihr „Winterdorf“ schon Mitte Oktober öffnet. So gab’s dieses Jahr schon bei noch 25 Grad Glühwein, Lumumba, Mandeln und Magenbrot. Wemma ehrlich is, is des zwoar mehr Ballermann oder Ischgl als „O Tannenbaum“, oba a bissala gmütlich und schee is allweil!

Kulinarisch bleiben ja schon seit einigen Wochen keine Wünsche off en. Ma muss halt aufb assn, dass die Schoggo-Nikoläuse im Subbamarkt ned scho zsammgschmolzn sind nach dem warmen Herbst! Ansonsten bieten vor allem große Kaufh äuser, Spielwarenhändler und die Einrichtungs- und Deko-Shops das passende Ambiente. Und davon gibt es ja in den Fußgängerzonen inzwischen so viele wie Sternla aufm Weihnachtspapier! Wer lieber zu einer Lektüre greift , fi ndet in Büchereien garantiert eine Riesenauswahl an Weihnachtskochbüchern, besinnlichen, herzerwärmenden oder bitterbösen Weihnachtsgeschichten, Weihnachtskrimis und bestimmt auch Weihnachts-Science-Fiction („morgen, Aliens, wird’s was geben!“). Und manche, wie mei Schätzla, kaufen sich jedes Jahr irgendeine neue Weihnachts-CD, auf der dann wahlweise Placido Domingo, die Wildecker Herzbuben, DJ Ötzi, Bing Crosby, Whitney Houston, Rod Stewart oder Lordi die bekannten Christmas-Schnulzen zum Besten geben.

Apropos! Viel wichtiger als das Weihnachtsshopping („wos hod die Daniela neulich gsoochd, was sie sich wünscht? Und sooch, wos könnt’n der Ferdinand braung, wos er noch ned hod?“) ist in vielen Familien ja immer noch die Tradition! Gerade am Fest der Liebe! Alles muss so sein wie immer – „zum Middoch gibt’s Ärpfl salod mit Wärschdla, dann an Mohnkuung zum Kaffee und nach der Bescherung ess‘ma a weng a Fondue“! Kennen Sie auch? Und die Essenstradition ist noch eine der harmlosesten! Weil spätestens, wenn im Adventskalender das erste Türchen geöffnet wird, werden alle irgendwie sentimental. Dann wird zum Beispiel zuhause fleißig für den heiligen Abend geprobt. Die Daniela spielt Flöte, der Ferdinand begleitet sie an der Gitarre, Vaddi packt die Trompete aus, und zusammen mit der Muddi werden dann Weihnachtslieder eingeübt. Und zwar alle bekannten! Da gibt’s kein Pardon! Weil, wie hod scho die Oma immer g’soochd? „Erschd wird gsunga, hinterher dürft er die Gschenkla auspacken!“ Und so gehört es halt zur Adventszeit mit dazu, dass man von „O du fröhliche“, „Leise rieselt der Schnee“ (des aanzicha, wos rieselt, is der Putz an die Wänd‘, wenn der Vaddi Trompete schbilld!“), und „Stille Nacht“ brav alle drei Strophen neu auswendig lernt.

Ach ja, wäre schön, wir würden bald auf X auch von Markus Söder erfahren, wie er so Weihnachten feiert, welche Gewohnheiten er und seine Familie haben. Ob die Söders FCN- oder CSU-Christbaumkugeln an den Baum hängen und ob das eine skandinavische oder eine einheimische Nordmanntanne ist. Andererseits wäre es vielleicht eine Enttäuschung zu sehen, dass unser „MP“ halt auch nur a normaler Mensch ist mit Macken und Marotten. Und am Ende denkst du dann: „Früher woar fei mehr Lamedda!“

Schätzla, schau wie iech schau!

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