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Die Tour de Parkinson #33

Sonderthema Gesundheit – Die Tour de Parkinson

Mit dem Fahrrad quer durchs ehemalige Herzogtum von Coburg nach Gotha? Knapp 100 Kilometer? Kein Problem – wenn man fit ist. Prinz Andreas von Coburg Sachsen und Gotha aber hat Parkinson. Und machte sich dennoch auf den Weg. Um ein Zeichen zu setzen, dass man trotz schwerer Krankheit Freude am Leben haben kann. Um Geld zu sammeln. Und um zu zeigen, dass man gemeinsam viel erreichen kann. Mit ihm nämlich machten sich Freunde auf den Weg. Alle erreichen sie ihr jeweiliges Ziel.

von Wolfram Hegen
Fotos: Val Thoermer

2011 war es, als das Leben von Prinz Andreas eine Wendung nimmt: Diagnose Parkinson. Ein Tiefschlag für die meisten Menschen – auch für ihn. Doch dann nimmt er die Krankheit an, setzt sich in Bewegung. Im wirklichen Sinn. Er trainiert täglich auf seinem Heimtrainer und Sitzrad, geht Spazieren, unternimmt Touren auf seinem speziellen E-Bike, stellt seine Ernährung um. Und er entwickelt mit Freunden von den Rotariern Coburg eine verrückte Idee: Lasst uns doch eine Fahrradtour machen, entlang der ehemaligen Strecke durchs Herzogtum Coburg-Sachsen-Gotha von Coburg nach Gotha. Fünf Tage für einen guten Zweck.

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Die Organisation nimmt ein halbes Jahr in Anspruch, liegt vor allem in den Händen von Max Beyersdorf, Thomas Engel und Prinz Andreas` Assistenten Thomas Lessig. Es gilt alles zu Papier zu bringen, die Medien zu informieren, mit Ordnungsämtern zu reden, die Polizei um Begleitung zu bitten. „Das ging durch so ziemlich alle Amtsstuben in Coburg, Gotha und den Stationen dazwischen“, erinnert sich Max Beyersdorf. „Wir bekamen da so viel Wertschätzung und Respekt für die Idee. Der Mut von Prinz Andreas, sich dieser Herausforderung zu stellen, hat die Türen der Amtsstuben und vor allem viele Herzen geöffnet.“

So beginnt am Mittwoch, den 1. Mai auf dem Coburger Marktplatz eine denkwürdige mehrtätige Tour nach Gotha. An die zweihundert Mitfahrer sind auf ihren Fahrrädern, E-Bikes, Pedelecs, Sitz- und Liegerädern erschienen, um die öffentliche erste Etappe nach Eisfeld zu begleiten. Die Selbsthilfegruppe Parkinson ist vor Ort, viele Behinderte, „schon dieser Auftakt hat die Menschen zusammengebracht über gesundheitliche Unterschiede und gesellschaftlichen Schichten hinweg“, freut das Organisator Max Beyersdorf. Der selbst behinderte „halbe Mann“ Flo Sitzmann und Bergsteiger Christoph Hainz als Promis sind mit dabei, Oberbürgermeister Norbert Tessmer, viele Rotarier wie auch Mitorganisator Thomas Prodinger, Ex-Tourismuschef Thomas Kahle, die Prinzen Hubertus und Alexander, Prinzessin Stefanie. Ihr Vater Prinz Andreas selbst ist so voller Vorfreude auf die Tour, dass er den Startcountdown nicht abwarten will und schon losradelt. Die erste Etappe endet in Eisfeld. Der Spielmannszug begrüßt die Tour de Parkinson, Salutschüsse feiern die Radler, es folgt der Eintrag ins Goldene Buch, Wertschätzung auch hier.

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Der zweite Tag wird zur größten Herausforderung für Initiator Prinz Andreas: Der Wetterbericht kündigt für Samstag Schnee im Thüringer Wald an, der Tag, an dem man den höchsten Punkt am Rennsteig überqueren möchte. Um einen unfreiwilligen Winterausflug zu vermeiden, entschließt man sich zu einer Doppeletappe am Donnerstag: Von Eisfeld bis nach Zella-Mehlis, 52 Kilometer am Stück, „das war schon eine Herkulesetappe für Prinz Andreas, verbunden mit der Sorge, dass er sich übernimmt, wir als Organisatoren hatten ja die Verantwortung für das Gelingen der Tour“, sagt Max Beyersdorf. Andreas selbst aber zeigt sich diszipliniert und motiviert, die Aufgabe zu bewältigen. Und er schafft es. Der dritte Tag belohnt dann für die Mühen: Nach Ohrdruf geht es vor allem bergab, die müden Muskeln können sich ein wenig ausruhen. Und vor allem steht am Samstag auf Grund der Doppeletappe ein Ruhetag an, den man gemeinsam bei Prinz Andreas in Coburg verbringt, um sich auf die Schlussetappe einzustimmen.

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Diese wieder öffentliche Etappe wird dann ein weiterer Höhepunkt. Im Schnee fährt man los, fährt dann ganz entspannt ins thüringische Gotha, begleitet vom Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch, der die Coburger Radler in Ohrdruf abholt und über Radwege unter anderem an der ehemaligen Bocksberg Pferderennbahn vorbei in seine Heimatstadt führt. Dort findet gerade das Gothardusfest statt, ein großer Stadtempfang mitten auf dem Marktplatz bildet einen würdigen Abschluss einer großartigen Idee. Und es gehen an die 40000 Euro Spenden ein, auch aus Amerika kommt Geld. Damit wird zum einen ein Geriatrie-Projekt am Klinikum Coburg unterstützt, zum anderen spendet Gotha den von deren Seite eingeworbenen Betrag dem Kinderwaisenhaus Tambach-Dietharz. Und noch kann dem guten Zweck Geld zur Verfügung gestellt werden.

Mehr Infos unter www.coburg.rotary.de

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