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Dienstleistungscheck #15

Immer mehr ältere Menschen, immer weniger junge, gleichzeitig Abwanderung in Metropolen – seit vielen Jahren knabbern demografischer Wandel und zunehmende Mobilität an den Einwohnerstatistiken im sogenannten ländlichen Raum. Der kämpft um Unternehmen und Menschen, im Wettbewerb der Regionen, der den Dämmerschlaf der Kommunen abgelöst hat. Stadtverwaltungen sind in dieser Zeit vom Behördenapparat zum Dienstleister mutiert, der Bürgern und Firmen mit Rat und Tat zur Seite steht. Persönlich, am Telefon, und heute auch per Mail oder im Netz. Informationsqualität, Schnelligkeit, Kundenfreundlichkeit. Das müssen auch Kommunen leisten. Vor allem wenn es um Neubürger geht. Doch wie es sieht es aus mit der Dienstleistungsqualität, wenn man sich niederlassen möchte? Das haben wir getestet.

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Dienstleistungscheck

Unsere Ämter

Wir haben uns als Hans-Peter Schneider aus Hannover ausgegeben, der mit vierköpfiger Familie (Kinder 3 und 8) einen Lebensmittelpunkt in Westoberfranken sucht, da er dort eine Stelle antritt. An so Jemandem, mit Familie, mit einem guten Job, die Frau studierte Betriebswirtschaftlerin, sollte eine Kommune Interesse haben, so das Kalkül. Hans-Peter Schneider stellte seine Anfrage aus Zeitgründen gleichzeitig per Mail an die Städte Bamberg, Coburg, Forchheim und Lichtenfels. Mit Fragen nach Bau- und Kindergartenplätzen, Schul- und Arbeitsplatzsituation sowie Neubürgerangeboten oder den entsprechenden Quellen. Danach wolle er am Wochenende die Städte persönlich besuchen. Am Montag, den 25.4. um 7:55 Uhr ging die Mail raus.

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Stadt Bamberg, April 2016

www.stadt.bamberg.de

Reaktion

Bereits nach sechs Minuten, um 8:01 Uhr, wird die Mail innerhalb der Stadt Bamberg weitergeleitet. Und schon nach 44 Minuten bekommen wir unsere erste Antwort. Das staatliche Schulamt informiert darin über die Schulsituation in der Domstadt. Bereits um 9:17 Uhr trudelt die nächste Antwort ein, vom Immobilienmanagement der Stadt Bamberg. Dort erteilt man uns Auskunft zur aktuellen Bausituation und künftigen Baugebieten. Und noch vor 12 Uhr erreicht uns die Mail vom Stadtjugendamt mit einer Antwort zur Situation in den Kindergärten der Stadt. Bis Dienstagmittag 12 Uhr erhalten wir keine weiteren Rückmeldungen aus dem Bamberger Rathaus.

Qualität

Die Informationen sind sehr aufschlussreich, ausführlich und persönlich zugeschnitten. Man teilt uns mit, dass noch in zwei Kindergärten Plätze frei sind, an der Grundschule eine Mittagsbetreuung möglich ist, welche Schulformen vorliegen samt einem Link zu weiteren Informationen, der auch Hinweise für Neubürger enthält. In Sachen Bauplätzen bekommen wir zwar mitgeteilt, dass es von der Stadt Bamberg keinen einzigen Bauplatz mehr zu verkaufen gebe, allerdings weist man in der Mail auf eine ganze Reihe an weiteren Erschließungsgebieten für Bauland hin, die in den nächsten Jahren geplant sind. Nur die Frage nach der Arbeitsplatzsituation bleibt unbeantwortet.

Gesamteindruck

Die Reaktionsgeschwindigkeit ist eindrucksvoll. Wenn man innerhalb von noch nicht einmal vier Stunden nahezu alle Fragen beantwortet bekommt und ansonsten nützliche weiterführende Links erhält, steht einem Besuch ein paar Tage später ja nichts mehr im Wege. In Bamberg freut man sich über unsere Anfrage, das ist schon einmal ein guter Anfang für eine vielleicht ja lange Beziehung, auch wenn der Wunsch nach einem Eigenheim wohl noch ein wenig warten muss. Es ist zwar ein bisschen schade, dass wir in Sachen Arbeitsplatz für Akademikerinnen überhaupt keinen Hinweis bekommen haben und dass das Angebot für Neubürger nicht besonders erwähnt wird, das trübt den Eindruck aber nur geringfügig

Fazit

Hier sind wir willkommen.

Note

Gut plus (2+)

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Stadt Coburg, April 2016

www.coburg.de

Reaktion

Das e-mail-Postfach klingelt um 9:52 Uhr, nach weniger als zwei Stunden also. Das bleibt zwar die einzige Rückmeldung, dafür fasst diese auch alles zusammen. Man bedankt sich also höflich für die Nachricht und weist uns gleich am Anfang auf eine spezielle Informationsseite für Neubürger hin, die wichtige Antworten kompakt bündelt und zahlreiche Links aufführt. Ergänzt ist die Mail mit konkreten Kontakten und Links zu den einzelnen Themengebieten unserer Anfrage. Abgeschlossen wird die Mail mit einem Hinweis auf das städtische Bürgerbüro, das auch samstags geöffnet habe und zu dessen eigener email-Adresse und Telefon. Man freue sich, uns bald in Coburg begrüßen zu dürfen.

Qualität

Positiv werten wir, dass die Stadt Coburg zu allen unseren Fragen Auskunft gibt. Kein Thema wird ausgenommen, auch auf den vorgesehenen Job der Ehefrau geht man ein, mit dem Neubürgerstammtisch und mit dem Dual Career Service hat man sogar ganz besonders auf uns zugeschnittene Pakete im Gepäck. Schade ist, dass es sich bei den Informationen fast ausschließlich um Links, Kontaktdaten und Telefonnummern handelt, nicht um konkrete Informationen. Wir hatten diese Möglichkeit in unserer Anfrage zwar erwähnt, hätten uns über ein paar handfeste Fakten schon gefreut. So müssten wir uns selbst durch eine ganze Reihe an Webseiten kämpfen, bevor wir am Wochenende die Stadt mal persönlich in Augenschein nehmen wollten.

Gesamteindruck

Dass man etwas länger als in Bamberg braucht, ist klar, dafür steht ja dann auch alles in einer Mail. Eine Reaktionszeit von unter zwei Stunden nötigt uns immer noch Respekt ab. Auch der Tonfall und die Verbindlichkeit der Mail lassen uns spüren, in Coburg wären wir willkommen. Wirklich beeindruckt sind wir von einer ganzen Reihe an speziell auf Neubürger zugeschnittene Informationen. Man bemüht sich um uns, das ist eine sehr gute Voraussetzung. Dennoch wäre es schon schön gewesen, man hätte uns etwas mehr Arbeit abgenommen. Jetzt müssen wir die eigentlichen Fakten zu Bauplätzen, Kindergärten, Schulen selbst zusammentragen. Die trübt ein wenig den Gesamteindruck. Wir werden uns die Stadt trotzdem anschauen.

Fazit

Warum nicht.

Note

Gut (2-)

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Stadt Lichtenfels, April 2016

www.lichtenfels-city.de

Reaktion

Aus Lichtenfels kommt erst einmal – nichts. Schweigen im Walde. Wir erklären uns das mit der geringen Größe der Stadt, die ja mit um die 20000 Einwohner mit Abstand am Kleinsten unter den möglichen Lebensmittelpunkten ist. Da hat man sicherlich nicht die Kapazität an Personal, um schnell auf unsere Anfrage zu antworten. Am Dienstag aber werden wir nervös und fragen um 10:10 Uhr noch einmal höflich nach. Und bekommen um 10:11 Uhr auch prompt Antwort. Die fällt allerdings wenig ermutigend aus. Der Sachbearbeiter sei im Urlaub, er melde sich nächste Woche. Wir wollen schon frustriert aufgeben, als um 14:44 dann doch eine Mail ankommt. Sehr nett, sehr ausführlich.

Qualität

Die Antwort fällt dann sehr individuell, verbindlich und kompetent aus. Man gibt uns einen kurzen Überblick über vorhandene Bauplätze und die Planung der näheren Zukunft samt Link und einem pdf mit dem Bebauungsplan, geht auf die Situation in den Kindergärten ein, bei denen genug Plätze vorhanden seien genauso wie weiterführende Schulen in der Stadt und der näheren Umgebung und ist auch so ehrlich, zuzugeben, dass man über spezielle Neubürgerangebote derzeit nicht verfüge, aber sich in der Stadtverwaltung gerade auch in dieser Hinsicht neu aufstelle. Das klingt nach Aufbruchstimmung, hier will man etwas tun, da fällt es auch nicht so ins Gewicht, dass die Frage nach der Arbeitssituation kaum angesprochen wird.

Gesamteindruck

Vielleicht liegt es wirklich an der Größe der Stadt. Aber dass man uns zunächst auf nächste Woche mit Informationen vertrösten wollte, hat uns sehr verwundert. Eigentlich hatten wir Lichtenfels schon abgeschrieben. Dann aber wurden wir eines Besseren belehrt. Wenn man sich neu aufstellt in der Stadtverwaltung, sind vielleicht die Abläufe solche Anfragen betreffend noch nicht so in Fleisch und Blut übergegangen. Das kann aber auch eine Chance sein, dass man sich mit großer Motivation um neue Bürger bemüht. Das nämlich war der Eindruck, nachdem uns etwas verspätet die Mail erreichte. Formal und inhaltlich sehr ansprechend. Man ist auf einem guten Weg.

Fazit

Auf jeden Fall anschauen.

Note

Befriedigend (3)

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Stadt Forchheim, April 2016

www.forchheim.de

Reaktion

Zweitschnellster im Rennen um Neubürger ist die Stadt Forchheim. Bereits um 9:22 Uhr und 23 Sekunden, also knapp 90 Minuten nach unserer Anfrage, geht die Antwort aus dem Stadtbauamt ein. Es bleibt allerdings auch die einzige, die wir aus Forchheim bekommen und in der man uns zunächst einmal mitteilt, dass man sich über Neubürger immer freue. Nachdem man etwas Werbung für die Stadt Forchheim als aufstrebende Große Kreisstadt macht, beantwortet man uns in aller Kürze, und das ist wörtlich gemeint, unsere wichtigsten Fragen. Persönlich auf uns zugeschnitten, ohne Links oder andere Hinweise. Wohnraum, Kindergartenplätze, Schulangebot. Andere Fragen nach Neubürgern und Arbeitsplätzen für Akademikerinnen bleiben unbeantwortet.

Qualität

In der Kürze liegt die Würze, sagt man ja. Und in der Tat wissen wir durch die Mail, dass die Kindergartenplätze momentan vergeben sind, es weiterführende Schulen und Gymnasial-Zweige (naturwissenschaftlich, sprachlich, musisch) gibt und derzeit an einem Fachplan Wohnen gearbeitet wird, auf dessen Grundlage in den nächsten Jahren Wohnraum geschaffen werden soll. Das war es aber dann auch. Ob es für Neubürger spezielle Angebote gibt, keine Ahnung, wie die Arbeitsmarktsituation für die Frau ist, auch Fehlanzeige. Hier wiederum hätten ein paar Links uns wenigstens gezeigt, wo wir uns gezielt informieren können, ohne Suchmaschinen in Anspruch nehmen zu müssen.

Gesamteindruck

Auch wenn man uns sagt, dass Neubürger willkommen sind, beschleicht uns angesichts der Kürze und Unvollständigkeit der Antwort das Gefühl, dass man in Forchheim, am Speckgürtel des boomenden Erlangens gelegen, so sehr gar nicht auf die gezielte Akquise von Neubürgern und eine entsprechende Dienstleistung angewiesen ist. Vielleicht ist das nur ein Gefühl, das aber ist keine gute Voraussetzung. Und dass wir uns zu den fehlenden Themen selbst auf die Suche machen müssen. Auf der anderen Seite wissen wir über drei Themen auf jeden Fall kurz und knackig Bescheid. Das werten wir mal positiv, dass da nicht lange herumgeredet wurde.

Fazit

Kann, muss aber nicht.

Note

Befriedigend (3)

 

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