Fahrrad im Wald

Drahtesel war früher #20

DIE GESCHICHTE DES FAHRRADS

Wenn der Mensch etwas erfindet, so tut er das zumeist aus einem Mangel heraus. Auch die Geschichte des Fahrrades beginnt mit einem Mangel, der durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora verursacht wurde.

Dieser Ausbruch veränderte über zwei Jahre die Klimabedingungen in Europa, weil die Sonne verdunkelt war und dadurch die Ernte ausfiel. Logischerweise schnellten die Getreidepreise in die Höhe. Pferde konnte sich nun kaum noch jemand leisten. Diese schwere Zeit wurde zum Ansporn für den Karlsruher Erfinder Karl Friedrich Freiherr Drais, über eine „pferdefreie“ Möglichkeit der Fortbewegung nachzudenken – Drais konstruierte ein Laufrad. Das quasi erste Fahrrad der Welt, das seine Jungfernfahrt am 12. Juni 1817 hatte. Von Mannheim nach Schwetzingen und zurück, 15 km in knapp einer Stunde. Hut ab …

VOM LAUFRAD ZUM FAHRRAD

In den 1880er Jahren bekam das Laufrad Tretkurbeln – es wurde zum Fahrrad, das dann auch als Hochrad gebaut wurde. Man hat einfach das Rad immer größer gemacht. Die Folge: mit einer Kurbelumdrehung konnte man eine immer größere Entfernung zurückzulegen. Ergebnis waren extrem hohe und sehr wagemutige Konstruktionen. Von Mobilität für alle konnte allerdings keine Rede sein. Fahrräder waren Spielzeuge für Superreiche. Ein Hochrad kostete damals um die 400 Reichsmark. Das entsprach dem Jahresgehalt eines Arbeiters.

RADFAHREN WIRD ZUM SPORT

1869 wurde in Hamburg der erste Radfahrverein der Welt gegründet. Der Eimsbüttler Velozipeden Reitclub. Die ersten Fernrennen der Welt wurden auf den Strecken Berlin-Wien, Paris-Tours ausgetragen, bevor es 1893 das erste Profirennen von Paris nach Roube gab. Zu dieser Zeit waren die meisten Räder bereits mit Kettenantrieb und Hebelübersetzung ausgestattet und auch der Luftgummireifen ersetzte 1888 den Vollgummireifen. Den Ritterschlag bekam der Rennradsport 1896: Radfahren wurde als olympisch.

VON DER STRASSE INS GELÄNDE

Die Geschichte des Mountainbikes ist besonders mit einem Namen verknüpft: Joe Breeze. Noch als aktiver Straßenrennfahrer kaufte Breeze 1973 für fünf Dollar sein erstes Rad mit dicken Reifen. Das 20 Kilo schwere Monstrum brachte den Stein ins Rollen. Gelangweilt vom Rennradtraining auf öden Straßen beschlossen Breeze und sein Kumpel Otis Guy zur Abwechslung den Mount Tamalpais zu fahren. Das fetzte. Die ersten Rennen in den Siebzigern waren eine Arena für Helden, für langhaarige Hippies mit Schnauzern in Blue-Jeans und Flanellhemd, auf Reifen die hart waren wie Lego-Steine, mit qualmenden Trommelbremsen und keinerlei Federung an schwammigen Rahmen. Gewinnen konnte nur der Mutigste – oder der mit dem besten Material. Die Fahrer entwickelten ihre Fahrräder weiter, um zu gewinnen. Sie bauten die ersten Mountainbikes.

RADELN WIRD ELEKTRISCH

Seit es Fahrräder gibt, versuchen Tüftler Antriebe zu entwickeln, die das Fahren bequemer machen. Aus alten Patentschriften geht hervor, dass auf den Straßen Europas und Amerikas bereits ab etwa 1895 erste Elektrofahrräder verkehrten. Deren Antriebe hatten bereits Ähnlichkeit mit heutigen E-Bikes. Bis das E-Bike jedoch serienreif wurde dauerte es noch zig Jahre. Den Spaß des Fahrradfahrens genießen, ohne dabei schweißtreibend in die Pedale treten zu müssen – das dürfte das Ziel der Erfinder gewesen sein. In den 90er-Jahren kamen die ersten Räder mit Elektromotor auf den Markt. Inzwischen wächst die Nachfrage und immer mehr Hersteller bieten sie an. Die technischen Details gehen aber genauso wie der Preis weit auseinander.

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