Das Ende der Unbefangenheit. Editorial #46

von WOLFRAM HEGEN

Seltener sind sie geworden, wirklich unbefangene Abende mit Familie, Freunden, Bekannten, wie ein ruhiger Fluss sanft vor sich hin gurgelnd, an grünen Wäldern und Wiesen, an erdigen Äckern und fruchtigen Feldern vorbei, gesäumt von Bäumen, Gestrüpp, Büschen, sich irgendwann ergießend in einen stillen See, in dem sich die Abendsonne tiefrot spiegelt, alles so ganz selbstverständlich, unaufgeregt,
harmonisch, stattdessen säumen Stromschnellen den Weg, die das Wasser schäumen lassen, Schluchten, in die es hinabstürzt, um auf blankbestrahlten Felsblöcken in unzählige Teilchen zu zerplatzen, Dörfer, Häuser, die es auf seinem Weg mitreißt, wenn es entfesselt dem Tale entgegengerauscht wie bei der Haus, Hof, Menschen und unsere bräsige Selbstgefälligkeit ertränkenden Flut im Sommer dieses Jahres, mit einer zerstörerischen Kraft und irgendwie auch symbolisch für die Erosion, die uns alle unterspült, wenn wir uns in unsere schützenden Gräben zurückziehen, die Geimpften, die Nichtgeimpften, die Inzidenzler, die Bauchgefühligen, die E-Bike-Fahrer, die Autoisten, die Fleischesser, die Veganisten, die GendererInnen, die Sprachästheten, unser gemeinsamer Boden ist volatil geworden, die Unbefangenheit abhandengekommen, oder kurz gesagt: Wir brauchen wieder eine Utopie, wie wir gemeinsam leben wollen in Zukunft, eine Vision, ein Ziel, das uns verbindet.

So widmen wir uns in dieser 46. Ausgabe des COBURGER dem Sonderthema Utopien. Wir zeigen ein kleines Beispiel aus Coburg, wie würdevolles Leben in Zukunft aussehen kann, wir haben uns mit Philipp Maderthaner über dieses Thema unterhalten, einem international gefragten und erfolgreichen Speaker, Trainer, Unternehmensberater, und wir blicken zurück auf 500 Jahre Utopiegeschichte.

Andere Menschen in diesem Heft verfolgen seit vielen Jahren ihre eigene Vision, wie Sabine Kastner, unsere aktuelle Macherin, die sich in einer Männerdomäne durchgesetzt hat, wie Julia Göring, unsere Coburgs Beste, die aus einem kleinen Friseurladen eine feine Unternehmensgruppe gemacht hat, wie Daniel Höhn, einem meisterhaften Koch, wie Torsten Russ in unserer Galerie, dessen Malereien wie farbgewordene Utopien wirken, oder auch wie Anne Gottfried, die nach Schicksalsschlägen einfach nur noch die Vision hatte, irgendwie zu überleben.

Und wir haben mal wieder selbst rumgesponnen in unseren mutigen Ideen, Teil 2: Wie wäre es mit einer Amtszeitbegrenzung in der Kommunalpolitik?

Warum?

Ja, warum denn nicht?

So, und jetzt sind Sie dran.

P.S. Glückwunsch Rödental zum 50. … dafür hat der COBURGER 12 Seiten Platz gemacht für die schönsten
Bilder in der Fotostrecke.

P.P.S. Nanu? Im August ein Kampf ums Rathaus? Aber wie!

P.P.P.S. Schönen Urlaub, wo auch immer, vielleicht auch Urlaub daheim.

    Hinterlassen Sie ein Kommentar

    neunzehn − 5 =