Kampf ums Rathaus mal anders #46

MUTIGE IDEE #1 Ein neues Rathaus für Coburg

Das Feedback

KAMPF UMS RATHAUS MAL ANDERS

Unsere erste mutige Idee im COBURGER 45 hat für einige Diskussionen gesorgt. Darin hatten wir die Idee eines neuen Rathauses für Coburg dargelegt, ein Neubau, der beispielsweise auf dem Ketschenanger entstehen könnte. Die Vorteile lägen auf der Hand, viele Probleme könnten gelöst werden: kürzere Wege, effizienteres Arbeiten, weniger Energiebedarf, bessere Erreichbarkeit, zufriedenere Bürger, zeitgemäßes Erscheinungsbild, weniger Kosten. In unseren Augen also brächte ein Rathausneubau zahllose Synergieeffekte, Einsparmöglichkeiten und weitere Vorteile, die es wert wären, diese Idee einmal durchzurechnen. Die dann leeren über die gesamte Innenstadt verteilten historischen Gebäude der bisherigen Stadtverwaltung, allen voran das jetzige Rathaus, böten Platz für Stadtmuseum, Wohnen, Hotels, Gastronomie, Kultur. Das wäre wiederum ein großer Impuls für die Coburger Innenstadt.

Die Reaktionen im Netz waren größtenteils eher skeptisch. Einige der Kritiker waren beim Überfliegen der Geschichte wohl davon ausgegangen, dass wir uns dafür aussprechen, das alte Rathaus abzureißen und an dieser Stelle ein neues zu bauen. Entsprechend heftig schlugen sie verbal um sich. Dazu nur so viel: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wir verzichten daher auf die Erwähnung dieser Kommentare.

Die meisten Rückmeldungen zu unserer eigentlichen Idee waren kritisch-konstruktiv. So schrieb Wolfgang Weiß: „Ein komplett CO2-neutrales und 100 Prozent nachhaltiges Coburg bis spätestens 2030 wäre mir, ehrlich gesagt, lieber.“ Dennis Boxem hat vor allem die befürchtete Architektur eines Neubaus im Blick, wenn er schreibt: „Egal, wie lang die Wege sind, egal wie verzweigt die Ämter liegen, lasst das alles bloß so wie es ist. Wenn man andere Städte und Gemeinden ansieht wie uninteressant behördenmäßige Betonklötze, teilweise Rathäuser, Landratsämter gebaut sind …. bekomme ich das K…..  Als historische Stadt Coburg, das Herz Europas, bin ich der Meinung das wir auch als Stadtverwaltung das historische Rathaus nutzen sollten.“ Er schlägt dagegen vor, „die Sparkasse aus der Innenstadt heraus zu holen und die Räume für die Stadtverwaltung dort zu nutzen.“ Auch Heiko Stöber hat die Sparkasse im Blick: „Sparkasse umziehen in ein leeres größeres Gebäude und das Alte Rathaus hat Platz!“

Jo Geisler schlägt vor, ein neues Rathaus beim jetzigen Kaufhof zu bauen, „die einzig richtige Lösung mit Parkplätze im UG ….“, wichtig auch ihm „… da sollte es schon echt schön aussehen und nicht wie ein Betonklotz ….“. Eigentlich aber findet er „die Idee klasse.“ Rebecca Mende geht viel weiter: „Meine Idee zielt darauf ab, dass man ….. bereits jetzt im MiP (Mittelfristiger Investititionsplan, Anm. der Redaktion) ein Regierungs- und Verwaltungsgebäude mit modernen Ansprüchen planen und vorfinanzieren kann. Meine ursprüngliche Idee beinhaltetet allerdings eine integrierte Rettungs- und Feuerwehrwache im Erdgeschoss….“ Peter Bachmann dagegen spricht sich für einen Verbleib am Markt aus: „Am Markt seid ihr bei euren Wählern und bekommt schneller etwas mit, was nicht passt.“ Und wenn doch ein Umzug, „dann nur ins Landratsamt, das würde auch Sinn machen.“ Auch Renate Gretzbach spricht sich für einen Verbleib aus: „Ihr habt ein so schönes historisches Rathaus … Macht bloß nicht denselben Fehler, der vor vielen Jahren bei uns in Neustadt gemacht wurde.“ Formularbeginn

Wir vom COBURGER haben auch die Fraktions- und Ausschussvorsitzenden im Coburger Stadtrat sowie den Oberbürgermeister um eine Stellungnahme gebeten mit knapp zwei Wochen Vorlauf zum Redaktionsschluss und einer Erinnerung kurz davor. Hier die eingegangen Stellungnahmen, zur besseren Lesbarkeit teilweise redaktionell bearbeitet:

Bündnis 90/ Die Grünen:

„Wir Grüne sehen das Rathaus in der Mitte von Stadt und Bürgerinnen und Bürgern und in dem Gebäude, das schon seit vielen hundert Jahren als Rathaus genutzt wird. Für räumliche Erweiterungen halten wir statt eines Neubaus die Nutzung von Leerständen in der Innenstadt als besseren Weg. Wie auch beim Verwaltungsgebäude in der Steingasse ist eine fußläufige Entfernung weiterer Räume oder Gebäude zum Rathaus kein großes Problem.“

ProCoburg:

„Die Frequenz in der Innenstadt würde weiter abnehmen.

Was wird aus den freiwerden innerstädtischen Räumlichkeiten? Eine Nutzungsänderung wird weitere finanziellen Mittel binden. Eine Verlagerung mit allen Ämtern hätte zur Folge, dass Touristbüro, Stadthaus, Rathaus, Ämtergebäude Steingasse, Rosengasse, etc. leer stehen. Diese Gebäude neuen Nutzungen zuführen bei einer bereits aussterbenden Innenstadt ist schwer vorstellbar. Bürgerinnen und Bürger, die nur die Ämter besuchen kommen nicht mehr in die Innenstadt. Fatal für den Einzelhandel.

Das Rathaus dient auch als repräsentativer Mittelpunkt.

Ein Rathaus ist das Zentrum der Innenstadt. Es gibt viele Beispiele in unserer Republik wo Rathäuser auf die grüne Wiese verlagert wurden und die Innenstadt ausstirbt!

Immenser finanzieller Aufwand und das vor den zu schulternden Aufgaben: Globe, LTC, Rückertschule (…) Heiligkreuzschule, Feuerwehrhäuser in Löbelstein und Creidlitz, allgemeiner Bauunterhalt, städtischer Zuschuss für Sanierungsgebiet 2/7, und nicht zu vergessen, der dringend erforderliche Hochwasserschutz.

Einzig möglicher Standort wäre der Anger im Bereich der alten Sporthalle. Dieses Gelände wird aber bis mindestens 2025 als Interim für die Rückertschule benötigt und anschließend vermutlich für zusätzlich erforderliche Interimsbauten.

Es müsste ein Projekt gestartet werden, bei dem alle Facetten beleuchtet werden, um Synergien gegen Aufwände abzugleichen.“

FDP:

„Die Argumente, die in Ihrem Artikel für den Neubau eines Rathauses sprechen, sind zutreffend, was die Kommunikation, die Effektivität, die Einsparung von Zeit und Geld betrifft. Ich erinnere mich noch an die Diskussion um den Neubau des Ämtergebäudes und den damaligen Abriss der alten Ratsschule. Das Argument für diesen Eingriff in das denkmalgeschützte Gebäude war im Wesentlichen, dass damit der „Rundlauf“ zu den verschiedenen Ämtern beendet und eine zentrale Verwaltung geschaffen werde.  Schon kurz nach dieser Entscheidung wurden jedoch in anderen Ämtergebäuden, zum Beispiel im Bürglaßschlösschen, schon wieder neue Räume für Schreibkräfte gesucht. Das Ämtergebäude führte letztlich nicht zu einer Zentralisierung, sondern lediglich zu einer weiteren Zerstreuung der Ämter. Der Gedanke, ein neues Rathaus zu bauen, setzt die damalige Diskussion fort. Eventuell würde, wie sie in ihrem Artikel schreiben, eine solche Zentralisierung Zeit, Geld und Personal einsparen können. Jedoch ist zu befürchten, dass abgesehen von dem Leerstand in den bisherigen Gebäuden aus Gründen, die nichts mit Finanzmitteln zu tun haben, diese Grundidee überdacht werden muss:

Sollten wir wirklich auf den einmalig schönen Trausaal in Bürglaßschlösschen verzichten? Wohl nicht, auch wenn er nicht behindertengerecht ist. Allein aber kann er nicht genutzt werden, so dass vermutlich wiederum das Standesamt in diesem Gebäude bleiben würde.

Sollen wir wirklich den Rathaussaal nicht mehr für Stadtratssitzungen nutzen? Was ist mit der prachtvollen Regimentsstube? Sind sie nicht Ausdruck einer stolzen Stadt, die auf ihre Traditionen Wert legt? Ich möchte nicht auf sie verzichten, auch wenn in einem modernen Saal sicher eine bessere Technik verwendet werden könnte. Dann stellt sich die Frage, was den restlichen Verwaltungsräumen geschehen soll? Sollte der Oberbürgermeister in den modernen Neubau zur weiteren Verwaltung umziehen?

Bevor man sich wirklich für den Neubau entscheiden könnte, der sich jedenfalls zurzeit nicht locker in den Haushalt einfügt, müssen auch solche Fragen der Tradition neben der modernen Effektivität diskutiert, geprüft und geklärt werden.“

Vom Oberbürgermeister und von den anderen Fraktionen CSU/JC, SPD und CSB ging keine Stellungnahme ein.

    1 Antwort

    1. C.Zahn

      Durch einen Neubau auf dem Anger gibt es keine Vorteile, diese Idee kann nur einem kranken Gehirn entsprungen sein, das Coburgs Werte nicht kennt und von dieser schönen alten Stadt keine Ahnung hat! Der Marktplatz war seit alters her schon immer der Mittelpunkt und den gilt es Bitteschön zu erhalten und nicht aufzulösen!
      Wie soll das dann in der Innenstadt weiter gehen? Die würde dann alles andere als Interssant für Coburgs Bürgerinnen und Bürger sein. Bitte auch mal die Geschäfte in der Innenstadt denken die auch darunter leiden würden. Das wäre einfach ein Alptraum den wir Bürgerinnen und Bürger nicht unterstützen würden. Das steht fest.

    Hinterlassen Sie ein Kommentar

    17 − dreizehn =