Ein starkes Stück Coburg #46

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125 Jahre IHK zu Coburg

Sie vertritt die Interessen der Wirtschaft im Coburger Land – und das seit 125 Jahren. Diesen stolzen Geburtstag nämlich feiert die IHK zu Coburg in diesem Sommer. Der COBURGER hat sich dazu mit Friedrich Herdan unterhalten, dem Präsidenten der IHK zu Coburg.

COBURGER: Herr Herdan, die IHK zu Coburg gilt seit 125 Jahren als Interessenvertreter der gewerblichen Wirtschaft. Außerdem zählt sie zu den kleineren IHKs Deutschlands. Eine absolute Besonderheit. Wie sehr nutzt das der Region?

Friedrich Herdan: Die Gründung der IHK zu Coburg 1896 war ein bedeutsames Ereignis für die Region, weil damit endlich eine legitimierte, handlungsfähige Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in Eigenverantwortung entstand. Damit begann die koordinierte, in staatliche Strukturen eingebundene Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Coburg. Davon profitiert unsere Region bis heute: Unsere Mitgliedsfirmen nehmen Spitzenpositionen ein – bayern-, deutschland- und sogar europaweit – im Maschinenbau, Versicherungswesen und bei Dienstleistungen, und wir sind der stärkste Wirtschaftsraum in Oberfranken. In der Steuerkraft liegt die Stadt Coburg nach München an zweiter Position in Deutschland. Das kommt nicht von ungefähr und muss verteidigt und stetig ausgebaut werden, unter anderem deshalb gibt es eine eigene IHK.

COBURGER: Wie kam es eigentlich zu einer eigenen IHK für die Region Coburg?

Friedrich Herdan: Es gab mit dem Gewerbeverein Mitte des 19. Jahrhunderts einen Vorläufer, der aber in seiner Bedeutung unterhalb institutioneller Wirtschaftsvertretungen blieb. So drohte Coburg gewisse Rückständigkeit gegenüber damals moderneren Wirtschaftsorganisationen. Dem machte Prof. Alexander Schmidt, der Vorsitzende des damaligen Gewerbevereins, mit einer flammenden Rede 1890 ein Ende: Er fokussierte die damals herrschende Coburger Trägheit in der Nutzung wirtschaftlicher Chancen so treffend, dass er damit umwälzende Veränderungen anstieß und den damaligen Herzog Ernst II und später Alfred zum Handeln veranlasste. Sein aufrüttelnder Vortrag – seine Ruck-Rede – war der Auslöser zur Gründung der Coburger Handelskammer am 18. März 1896.

COBURGER: Gab es besondere Meilensteine in der Entwicklung der IHK zu Coburg?

Friedrich Herdan: Das historisch wichtigste Ereignis war ohne jeden Zweifel der Anschluss Coburgs an Bayern 1920. Als Coburg sich – nach einer Volksabstimmung mit überwältigendem Ergebnis – dem Freistaat Bayern anschloss, wurde die Eigenständigkeit unserer Kammer als Interessenvertreter der Coburger Wirtschaft fort- und festgeschrieben. Bayern verfügte bereits über langjährige Erfahrungen mit Handels- und Gewerbekammern und die Kammerorganisation hatte sich als wichtiges Element des Wirtschaftslebens etabliert. Das Bekenntnis Bayerns zur Industrie- und Handelskammer zu Coburg war die Initialzündung für die bis heute währende, sehr gute Zusammenarbeit zwischen Coburger Wirtschaft und Freistaat. Durch vielfältige Initiativen der IHK als Interessenvertreterin der Unternehmen über 125 Jahre – 100 Jahre in Bayern – entstanden langfristig gute strukturelle Rahmenbedingen, in denen wirtschaftliche Erfolge gedeihen konnten.

COBURGER: Wie genau unterstützt die IHK zu Coburg die Unternehmen?

Friedrich Herdan: Auf Grundlage des IHK-Gesetzes haben ja alle Kammern gleiche Pflichten, Aufgaben und Rechte, aber als Vor-Ort-Kammer im Wortsinn genießen wir in der bayerischen IHK-Flächenkammer-Landschaft ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal: Neben hoheitlichen Aufgaben hat die Dienstleistung bei uns ganz besonders hohe Priorität. So stehen wir im engen Dialog mit unseren Betrieben und wissen, was unsere Wirtschaft im Innersten bewegt. Entsprechend erhalten unsere 8.300 Mitgliedsunternehmen in Stadt und Landkreis Coburg besonders individuelle Betreuung bei der Qualifikation von Fachkräften, Beratung und Hilfen in Fragen der Außenwirtschaft, zu Energie- und Umweltschutzthemen sowie zu Steuerfragen und wir helfen in so manchen Krisenphasen.

COBURGER: Wie sehr hat die Pandemie die Wirtschaft in der Region getroffen? Wie sieht es aktuell aus?

Friedrich Herdan: Unsere Coburger Wirtschaft war – über alle Branchen hinweg – seit Beginn der Pandemie mit starken Einschränkungen und nach teilweisen Öffnungen auch wieder mit Rückschlägen konfrontiert. Verminderte Nachfrage, ausbleibende Investitionen, Störungen in Lieferketten und Einschränkungen bei Geschäftsreisen behindern bis heute insbesondere die internationalen Geschäfte. Weite Teile der gewerblichen Wirtschaft kämpfen sich aktuell noch immer mühsam aus dem durch Corona verursachten Konjunkturtal heraus. Und derzeit kommen ja weitere Erschwernisse hinzu, u.a. die Rohstoffknappheit verbunden mit akuten Preissteigerungen, worunter insbesondere unsere Industriebetriebe leiden. In Hotellerie und Gastronomie hat sich der Fachkräftemangel verursacht durch die Krise deutlich verstärkt. Im stationären Einzelhandel sind die Kunden trotz Ladenöffnungen und Erleichterungen beim Shopping weiterhin zurückhaltend.

COBURGER: Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben für die nächsten Jahre, damit Coburg ein starker Wirtschaftsstandort bleibt?

Friedrich Herdan: Einen wichtigen Auftrag sahen und sehen wir darin, wann immer nötig auf beste Rahmenbedingungen für unsere Mitgliedsfirmen hinzuwirken, so dass entscheidende Weichenstellungen nicht verpasst werden, denn der internationale Wettbewerb, Digitalisierung und Mobilitätswende warten nicht auf uns. Proaktiv flankieren wir die zukunftsfähige Ausrichtung unserer Unternehmen mit verschiedensten Initiativen, Programmen und Projekten, zum Beispiel: das IHK-Kompetenzzentrum 4.0 für Maschinen- und Anlagenbau, mit dem wir in ganz Nordbayern beraten, das IHK-Kombimodell „1+3“ zur Ausbildung und Integration junger Geflüchteter, der IHK-Weiterbildungsberater, der IHK-Akquisiteur für Studienabbrecher und unser ESF-Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“. Aktuell leben wir in einer Zeit, die Wirtschaft wie Gesellschaft in besonderem Maße fordert und wir begleiten mit dem vorstehenden Instrumentarium unsere Mitgliedsfirmen in relevanten Belangen. Zugleich bietet die jetzige Situation aber auch die Gelegenheit für eine länger schon notwendige Neuausrichtung der Wirtschaft. Das fordert uns natürlich besonders und macht klar: Für die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes bedarf es zur Unterstützung unternehmerischen Engagements beste politische Rahmenbedingungen und daran arbeiten wir als starke IHK zu Coburg.

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