Bild Kolumbien

Fernweh #19

Der seltsame Schmerz

Einen Grund zu verreisen findet man eigentlich zu jeder Jahreszeit: Meistens haben aber das durchwachsene deutsche Wetter und der triste Alltag seine Finger im Spiel. Wenn dann auch noch der Frühling seine Anlaufschwierigkeiten hat und das Thermometer im Februar und März selten die 5-Grad-Hürde knackt, quält einen das Fernweh und das kann schon ganz schön frustrierend sein. Wäre es doch so schön, mal wieder einen lauen Tag am See zu verbringen, im Hofgarten zu picknicken, bis spät in die Nacht bei einem Cocktail auf der Terrasse zu sitzen. Die Liste an Aktivitäten bei Wärme und Sonnenschein scheint unendlich, die bei Schlechtwetter eher mager. Spätestens dann, wenn man sogar noch im April bei Nieselregen mit Omas selbstgestrickten Socken und dem dicken Pullover in seiner Wohnung vor sich hin grübelt, ist es so weit. Man schaut sich um, wo man den wohlverdienten Urlaub verbringen mag.

Sehnsucht nach Wärme ist aber natürlich nicht alleiniger Grund für das Fernweh. Sie ist eher ein Auslöser und verstärkt nochmals das Verlangen. Der wahre Hintergrund ist, dass man schon nahezu süchtig danach ist, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen. Mit dem Rucksack durch Indonesien, Badeurlaub auf Mallorca oder Wandern durch Schweden. Der aktuelle Trend geht weg vom Pauschalurlaub und hin zum individuellen Trip, bei dem man noch ungebundener, flexibler, ja freier ist. So kommt man auch direkt mit Einheimischen in Kontakt, sieht wie diese leben, und hat die Gelegenheit, sich mit ihnen zu unterhalten und noch
ein paar tolle Insider-Tipps zu ergattern. Das gibt einem das Gefühl, die fremden Kulturen nicht nur zu sehen, sondern in fremde Welten einzutauchen. Einen essenziellen Bestandteil dieses Kulturerlebnisses stellt auch die landestypische Küche dar – also Geschmack, Gewürze und Gerüche. Alleine der Gedanke daran, bald wieder über einen asiatischen Markt schlendern zu können und ein paar Leckereien mit nach Hause zu bringen, lässt einen Luftsprünge machen – Urlaub mit allen Sinnen sozusagen.

Bei all den vielen Reisezielen die es auf unseren schönen Planeten gibt fragt man sich wohin zieht es die meisten Menschen und was sind die Top-Reiseziele 2017? Jedes Jahr ein neues absolutes Top-Reiseziel zu finden, ist nicht einfach. Die Welt hat nun einmal nur offizielle 193 Staaten und viel mehr werden es auch nicht. In diesem Jahr stehen, wenn es um Länder geht, laut Lonely Planet ganz oben auf der Liste: Kanada, mit seiner tollen Natur, Kolumbien, das Land zwischen Anden und Karibik und Finnland, das für seine wunderschönen Nordlichter bekannt ist. Auch bei Städten gibt Lonley Planet Tipps. Hier heißen die Top 3: Bordeaux, Kapstadt und Los Angeles. Ganz schön international. Vielleicht aber wissen die britischen Verleger von Lonely Planet gar nicht, wie schön es auch in Deutschland ist.

Bild von Kanada

Unendliche Weiten: Sehnsuchtsort Kanada

Denn neben dem Fernreisetrend gibt es einen weiteren Trend. Urlaub quasi vor der eigenen Haustür, in Deutschland. „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“ Schon Johann Wolfgang von Goethe war die Schönheit des eigenen Landes bekannt und tolle Ecken findet man in allen Teilen von Deutschland. Man braucht also nicht weit zu reisen, um das Fernweh zu lindern. Doch warum haben wir überhaupt Fernweh? Diese Lust, diese Sehnsucht,
das Gefühl zu reisen wird zusätzlich von vielen Einflüssen angeheizt, die allgegenwärtig sind. Wo man auch hinschaut, ob YouTube, Instagram oder Pinterest, in verschiedenen Lifestyle-Magazinen oder im Fernseher – überall umströmt er uns der Traum vom Reisen, vom kurzzeitigen Verlassen des doch so langweiligen Alltags, vom weißen Traumstrand, von der absoluten Freiheit und fremden Kulturen. Ein Begriff, der einen in diesem Konsens immer wieder begegnet ist „wanderlust“, heutzutage vorzugsweise als Hashtag – #wanderlust. Das Wörtchen ist nichts anderes als die Übersetzung von Fernweh ins Englische und kommt auch aus dem Deutschen. Ob auf T-Shirts oder Caps, das Wörtchen hat mittlerweile weltweiten Ruhm erlangt und manch einer lässt es sich sogar unter die Haut stechen. Eine Lust gilt es zu stillen. Doch wie stillt man die Wanderlust? Da fällt einem nur eines ein: Mit Reisen – egal ob Kurztrip oder Weltreise, ob Bayerischer Wald oder Bora Bora, ob mit dem Rucksack oder mit dem Koffer, es muss zum jeweiligen Menschen und dessen Geldbeutel passen. Es gibt so viele tolle Ziele, die nah oder fern liegen, tolle Erinnerungen lassen sich überall finden.

Autor: Benedikt Dellert

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