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Generationsübergreifend #29

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Generationsübergreifend

Wenn in einem Jahr ein Familienunternehmen 70. Geburtstag feiert, davon 50 Jahre am heute noch aktuellen Standort existiert, wenn gleichzeitig die zweite Generation der Geschäftsführung 75 Jahre alt wird und die dritte Generation 50, dann ist das anstehende Jahr 2019 wohl ein besonderes für die Firma Bätzoldt in der Neustadter Straße. Und das Unternehmen ist mit seiner kontinuierlichen Entwicklung auch ein Vorzeigebeispiel dafür, wie Vater und Sohn unter einem Firmendach erfolgreich zusammenarbeiten können.

von Wolfram Hegen – Fotos: Yves Alloinde

Die Bätzoldt OHG – Vater und Sohn erfolgreich unter einem Dach

Dass sie heute im Büro so nebeneinander sitzen, der eine, der sich um das sogenannte grüne Geschäft im Betrieb kümmert, um die Gartentechnik, und der andere, zuständig fürs gelbe Geschäft, die traditionelle KFZ-Werkstatt, beide Geschäftsführer des Familienbetriebs, zwei gestandene Männer mit 25 Jahren Altersunterschied, Vater und Sohn, und gemeinsam über ihr Unternehmen, die Familie, die Herausforderungen reden, und vor allem wie respektvoll sie das tun, ist nicht selbstverständlich, wenn man weiß, welch tiefe Gräben Generationenkonflikte oft aufreißen können, und ist auch in diesem Fall nicht selbstverständlich, hat sich entwickeln müssen, hat sich aber auch über Jahrzehnte entwickeln dürfen.

Wer zu spät kommt ….

Sohn Erik nämlich geht erst einmal eigene Wege, lernt bei einem anderen Betrieb in der Stadt KFZ-Mechaniker. Als er zum elterlichen Betrieb zurückkehrt, schickt ihn sein Vater lieber erst einmal zur Bundeswehr. Aber auch die geht vorbei, Erik kommt zurück. „Am Anfang hatten wir schon ein Problem miteinander“, sagt Erik heute, „meine Schwester und die Mutter waren auch auf seiner Seite, das war manchmal schon schwierig“. Ab und zu habe sich das aufgeschaukelt, fügt sein Vater hinzu, „dann haben wir schon mal zwei Tage nicht mehr miteinander geredet.“ Meistens sei es um Kleinigkeiten gegangen, „ich war halt um halb sieben im Büro, beim Sohn konnte es schon mal später werden. Das hat mir gar nicht gepasst.“

Der Bätzoldt hilft uns schon …

Vater Rainer nämlich ist im Nachkriegsdeutschland großgeworden, schweren Zeiten, geprägt von Mangel, Disziplin, harter Arbeit. Sein Vater gründet 1949 das Unternehmen, anfänglich als Boschbatterieladestation, aber schon bald als Fachbetrieb rund um KFZ-Elektrik, den Rainer Bätzoldt später übernimmt. „Der Bätzoldt hilft uns schon“, war früher ein geflügeltes Wort in der Region, „wenn mal ein Betonmischer stehengeblieben ist oder ein Milchlaster, immer waren wir zur Stelle.“ Das Unternehmen hat einen guten Ruf, als KFZMeisterbetrieb kümmert man sich vor allem um viele LKW-Fuhrparks in der Region, Rainer ist einer, der zupackt, nach Lösungen sucht und sie oft auch findet, einfallsreich, innovativ. Ein echter Handwerker eben.

Nimm Dir eine Woche Zeit …

„Ich dagegen war immer eher ein Universalist, also irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes“, schmunzelt Sohn Erik, obwohl selbst auch KFZ-Meister und Betriebswirt. Gegensätze, die lange aufeinanderprallen, aber sich im Laufe der Jahre mehr und mehr ergänzen. „Das einfachste war manchmal das Schwierigste, miteinander zu reden nämlich, und zwar unvoreingenommen“, erinnert sich Erik, aber genau das tun beide mehr und mehr. Bis der Vater den Sohn fragt, ob er mit einsteigen möchte im Familienbetrieb, richtig, nicht nur als Ferienjobber oder Lehrling. Eine Woche gibt er ihm Zeit, zu überlegen. „Das haben wir immer so gehandhabt, dass man nichts aus dem Bauch heraus entscheidet.“ Erik stimmt zu, freiwillig, „mein Vater hat ja nie gesagt, Du musst das machen.“

Eine glückliche Fügung …

Beide stehen Seite an Seite eine schwere Zeit durch, Anfang der 2000er Jahre nämlich bricht das LKWGeschäft fast komplett weg, weil Speditionen aufhören, Fuhrparks wegfallen. Auch Eriks Ausflug ins Telekommunikationsgeschäft scheitert nach einiger Zeit. Doch eine „glückliche Fügung“ (Vater) hilft dem Unternehmen: Eine Firma für Gartentechnik gibt ihr Geschäft auf, die Firma Bätzoldt übernimmt einen Mitarbeiter und mit ihm viele Kunden. Die LKW-Halle wird umgebaut, und als der Verantwortliche nach ein paar Jahren aufhört, übernimmt Rainer Bätzoldt den Geschäftsbereich, „obwohl ich davon ja eigentlich keine Ahnung hatte.“ Aber er arbeitet sich ein, wollte beweisen, „dass man das schaffen kann.“ Er schafft es, heute ist die Gartentechnik nicht mehr wegzudenken. Und ohne Gartentechnik wäre der Vater vielleicht nicht mehr im Unternehmen.

Loslassen können …

Heute kommen sie gut aus, teilen sich die Geschäftsführung, jeder hat seinen Geschäftsbereich. Die interne Übergabe des Unternehmens vom Vater an den Sohn ist geregelt. „Ich konnte sehr gut loslassen“, sagt Vater Rainer, „ich wollte das, solange ich klar im Kopf bin, noch in die richtige Spur bringen, außerdem kann ich mich jetzt mehr ums Handwerkliche kümmern.“ Und im Umgang miteinander gibt es Grundregeln. Keine strategischen oder grundsätzlichen Fragen tagsüber im Tagesgeschäft. Stattdessen setzt man sich regelmäßig in Ruhe zusammen, nimmt sich Zeit, „dann können sich große Probleme gar nicht erst aufbauen“, so Erik.

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