Hier lernten … #59

… HÖHERE TÖCHTER

Es hat eine bewegte über 500 Jahre alte Geschichte, das Haus in der Großen Johannisgasse 3 in Coburg. Seit einigen Monaten dient es als gemütliches Café (siehe auch Seite 46), davor als Blumenladen, es war aber auch das Geburtshaus des bekannten Coburger Lehrers und Historikers Philipp Carl Gotthold Karche, dem Namensgeber der Karchestraße, der hier 1780 das Licht der Welt erblickte und bis zu seinem 31. Lebensjahr in dem Gebäude lebte. Vor allem aber war es zweimal das Zuhause des späteren Gymnasium Alexandrinum.

Mitte des 19. Jahrhunderts nämlich war zwar für die höhere Ausbildung von Knaben in Coburg ab 1848 mit einer „höheren Bürgerschule“ der Stadt Coburg, dem späteren Ernestinum, schon gesorgt, eine eigene Anstalt für Mädchen aber gab es nicht. Das ging natürlich nicht, und so fanden sich schnell, nach einem Rundschreiben von Caroline Stössel, genug interessierte Eltern, die nicht nur ihre Söhne, sondern eben auch ihre Töchter auf eine eigene höhere Schule schicken wollten.

Eine namhafte Fürsprecherin hatten sie auch: Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha höchstpersönlich setzte sich für die reine Mädchenschule ein, die Frau von Herzog Ernst dem Zweiten. Zeitlebens kämpfte sie für soziale Belange, für die Interessen der sozial Schwachen genauso wie für die gute Ausbildung von jungen Menschen und auch für eine breite Gesundheitsförderung, immerhin ging auch das legendäre „Ernst-Alexandrinen-Volksbad“ auf sie zurück, von dem heute leider nur noch ein trauriger Rest übriggeblieben ist. Der ursprünglichen Alexandrine von Baden mangelte es auf jeden Fall nicht an Einfluss und auch an finanziellen Möglichkeiten, um Ideen in die Tat umzusetzen und zu fördern. So eröffnete schon sehr bald nach den ersten Bemühungen, am 6. Mai 1852, die damalige Alexandrinenschule, benannt nach ihrer Stifterin, die sich damit auch in der Coburger Stadtgeschichte verewigte. Heimat der neuen kleinen Schule war zuerst ein Haus in der Webergasse 34, ein Jahr später schon zog man zum ersten Mal in die Große Johannisgasse und kurz darauf ins Münzmeisterhaus in der Ketschengasse. Die ursprünglich reine Privatschule hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine staatliche Anerkennung erworben, Schülerinnen von 6 bis 15 durften sie besuchen.

1864 kehrte das Mädchengymnasium wieder in die Große Johannisgasse zurück und blieb dieses Mal für drei Jahre bis 1867. Die folgenden Jahrzehnte war das Zuhause des Alexandrinum dann wieder das Münzmeisterhaus, ab Anfang des 20. Jahrhunderts ein neues Schulgebäude am Salvatorfriedhof, das spätere Albertinum, und ab 1955 schließlich ein großes neues Gebäude in der Seidmannsdorfer Straße, und das bis heute. Schon lange gehen auch männliche Jugendliche auf dem „Alex“ zu Schule. Und in der Großen Johannisgasse 3 in Coburg erinnert heute eine Gedenktafel an die Zeit, als das Gebäude zweimal für kurze Zeit Heimat einer damals noch sehr kleinen Schule nur für Mädchen war.

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