Hier wohnen … #48

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… heute Gäste

Für das schmucke Gartenhäuschen direkt an der Casimirstraße hatte Marion Reinhardt-Sommer eine Idee. So wie schon für die Villa Victoria gegenüber. Für diese ganz besondere Location im Hochparterre an einem ganz besonderen Ort. Mitten in der Stadt und doch ruhig gelegen. Nur 5 Minuten zum Marktplatz und Teil der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer.

Noch ist die Gartenhaussuite gegenüber der Villa Victoria nicht ganz fertig. Aber es lässt sich schon jetzt erahnen, dass auch dieses kleine Schmuckstück ein besonderer Ort werden wird. Als Teil der Villa Albert, an der fast zwei Jahre gearbeitet wurde. Das neue Gästehaus beherbergt vier Suiten, in welchen eine ganze Familie unterkommt. Eine kleine Küchenzeile ergänzt die großzügigen Zimmer mit klangvollen Namen wie „Suite Elisabeth“. Überall in der Villa historische Gegenstände und Antiquitäten.

Ein Klavier von 1900, eine alte Schreibmaschine, ein Nussbaumbuffett. Vieles Geschenke von Freunden oder eigene Möbel, wie die Chefin verrät. „Die Coburger lieben die Villa Victoria, immer wieder kommen Menschen ins Haus und bedanken sich für das Geschaffene,“ wie Marion Reinhardt-Sommer schwärmt. In der Villa Albert wird sogar nach historischem Vorbild geheizt. Die gußeisernen Heizkörper sind von Anfang 1900 und traten ihre Reise von einer Villa in Gotha aus an. Oft ist die Familie am Wochenende unterwegs und sucht nach genau solchen historischen Kostbarkeiten. Auch die Türen sind liebevoll aufbereitete Originale. Sie stammen aus dem Fundus des Schreiners, der im ganzen Hotel Hand angelegt hat. Im Übrigen wurden alle Arbeiten von Handwerkern aus der Region erledigt, darauf legen die Sommers wert.

Weit weg von diesem wieder belebten, romantischen Ort des Jahres 2021 scheint die Zeit, in der in der Villa Victoria ein Coburger Bürger wohnte, der sich nichts zuschulden hat kommen lassen und doch aus seinem Haus vertrieben wurde. Ein Stolperstein auf dem Gehweg der Ketschendorfer Straße erinnert an den einstigen Besitzer Abraham Friedmann aus Autenhausen.

Der Viehhändler arbeitet sich hoch zum Leiter der Bezirksschlachterei und machte sich in der Bevölkerung einen guten Namen, weil er es schaffte, die hungernde Bevölkerung nach dem verlorenen 1.Weltkrieg immer wieder mit Frischfleisch zu versorgen. Für seine humanistische Einstellung verlieh ihm die Stadt aus
Dankbarkeit den Titel des Kommissionsrates. Im Jahre 1919 bezieht Friedmann das stattliche Haus in der Ketschendorfer Straße 2 und wird zu dieser Zeit Generaldirektor der Großschlachterei Großmann. Doch der soziale Aufstieg kann nicht verhindern, dass der jüdische Geschäftsmann ins Visier der NSDAP  Ortsgruppe Coburg gerät.

Zur Einschüchterung wird eine Gruppe junger Pateimitglieder vor das Wohnhaus geschickt, um Friedmann mit dem Tode zu bedrohen. 1928 beginnt im wöchentlich erscheinenden „Weckruf“ sogar eine mehrteilige Verleumdungskampagne gegen den Kommissionsrat. Immer wieder wird er in dem braunen Hetzblatt fälschlicherweise dargestellt als Kriegsgewinnler und unersättlichen, da jüdischen Machtmenschen. Abraham Friedmann wehrt sich gegen die Anschuldigungen – und wird zum Lieblingsopfer der Coburger Nationalsozialisten unter ihrem Bürgermeister Franz Schwede.

Den Höhepunkt der gewalttätigen Auseinandersetzung erfährt der zu Unrecht Verleumdete in der Nacht vom 14. auf den 15.März 1933. Mehrere Männer dringen in das Wohnhaus am Ketschentor ein, vergiften die Hunde und verschleppen den Hausbesitze in den Finkenauer Wald. Hier richten sie ihn mit Gummiknüppeln und Peitschen so zu, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Völlig eingeschüchtert gibt Friedmann seinen Rücktritt als Vorstand der Großmann AG bekannt und kehrt seiner Heimat den Rücken. Weit weg von dem Ort, an dem er und seine Bürgerrechte so brutal verletzt wurden. Er stirbt 1938 in Paris.

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