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HIER WOHNTE… #28

…Coburgs erster Zeitungsverleger

Schon von weitem zu erkennen ist nun wieder, was in dem stattlichen Gebäude in der Steingasse 24 um die Jahrhundertwende hergestellt wurde. Der Doppeladler als Zunftwappen der Setzer gemeinsam mit dem Greif als Wappentier der Drucker ziert die Ansicht des Gebäudes von der Oberen Anlage her besehen. Nachts nun sogar mit Beleuchtung. „Gott grüß die Kunst“ steht da am Dornheimschen Palais gegenüber der Ehrenburg. Coburger Zeitungsgeschichte wurde hier geschrieben.

Vom Selbstbewusstsein des namensgebenden einstigen Besitzers zeugt die Fassadengestaltung mit den Stuckreliefs bis heute. Fleißig wie eine Biene, der Wissenschaft verpflichtet und wahrscheinlich Freimaurer ist er gewesen, dieser Robert Dornheim. Als erste Tageszeitung dauerhaft etabliert wurde die Coburger Zeitung 1861 von Herzog Ernst II und erschien täglich außer sonntags zunächst als Coburgische Zeitung. Unter Herzog Alfred dann ging die Zeitung im Januar 1900 in den Besitz des Geschäftsmannes Robert Dornheim über. Und hier in der Steingasse 24 wurde sie gedruckt und brachte den Coburgern die Welt ins Haus. Aber nicht nur das.

Wirtschaftlich erfolgreich war die Zeitung auch deshalb, weil Dornheim es schaffte, dass Privatanzeigen nicht mehr überwiegend im Regierungs- und Intelligenzblatt veröffentlicht wurden, sondern in seinem Blatt. Ganze Seiten lang konnte sich der Bürger informieren über tagesaktuelle Ereignisse wie den Kinderfasching in der „Traube“ oder die Angebote des Wochenmarktes. Auch Verkaufsanzeigen wurden gerne gelesen, wie sonst sollte sich der Kunde über Neuerungen informieren. Radio und Fernsehen waren noch weit entfernt. In der Coburger Hofapotheke etwa konnte man „Punsch-Essenz“ kaufen oder auch allerlei Mittelchen zur Abwehr von Kleingetier wie den „Wanzentod“. Wer verreisen wollte konnte damals schon ein Überseeticket der „Red Star Line“ erwerben. Auch Bildungsanstalten inserierten gerne. „Schwer erziehbare Knaben“ konnten in einem Institut in der Oberen Leopoldstraße 6 abgegeben werden, wenn man mit ihnen nicht mehr zurechtkam. Bemerkenswert.

Da auch Landwirte die Zeitung gerne lasen, gab es regelmäßig die Sonderbeilage „Coburger Scholle“, in der man sich über neuen Kartoffelsorten und Düngemittel informieren konnte. An die 10 000 Exemplare wurden in den besten Zeiten fast täglich gedruckt. Eine enorme Anzahl für die Region. Die Coburger Zeitung wurde damit zur ältesten und angesehensten Zeitung im Herzogtum.

Erst im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung in den dreißiger Jahren verlor sie an Gewicht und wurde, wie alle anderen Zeitungen auch, mehr und mehr verdrängt. Mit dem Wochenblatt „Weckruf“ gelang es dem NS-Bürgermeister Franz Schwede schließlich, nationalsozialistische Propaganda mit Berichten aus dem Alltagsleben der Coburger zu verbinden. Die Presse war gleichgeschaltet. Nach und nach verschwanden alle liberalen und kritischen Blätter. 1935 musste Dornheim das Erscheinen seiner Zeitung einstellen, nachdem die Auflagenzahlen eingebrochen waren.

Diese historischen Ereignisse hat der Pächter des neuen Lokals „Dornheim“, Daniel Autsch, im Erdgeschoss des Palais an der Innenwand seines Bistros verewigt. Hier kleben Originale der Coburger Zeitung und bringen Besucher über „Wanzentod“ und „schwer erziehbare Jungen“ zum Schmunzeln. Direkt darüber wohnt der heutige Besitzer des Gebäudes Bernward Flenner mit seiner Frau Maria Winter und hat einen herrlichen Blick von seiner Dachterrasse auf den Turm der Morizkirche. Dank der Oberen Anlage wohnt man hier dennoch im Grünen.

Zwar existiert dieses „Sonnenfloß“, wie die Besitzer es nennen, schon seit 1936, als das Haus umgebaut und die Fassade neu gestaltet wurde. Aber im Jahre 2018 ist es dank Begrünung, nächtlicher Beleuchtung und Brückenschlag noch mehr in den Mittelpunkt gerückt. Eigentlich war es gar nicht der Plan des Paares, hier heimisch zu werden. Aber nachdem die Sanierung beendet war, wollte es in dem neu geschaffenen Schmuckstück selbst wohnen und brach seine Zelte im Raum Bamberg ab, um nach Coburg zu ziehen. Der Wohlfühlfaktor in einer Stadt dieser Größe, mit ihren vielen schönen Festen, der hochwertigen Gastronomie und der Architektur ist enorm, finden die Besitzer. Und so sind sie in ihrem Palais nicht auf der Durchreise, wie so viele Gäste des Coburger Herzogshauses, die hier einst über hundert Jahre lang Quartier beziehen durften. Sie sind längst angekommen.

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