Macher: Kurt Beier #60

Es sind Menschen der Tat, Nimmermüde, Antreiber, Gestalter, Vorwärtsstrebende, Aktive. Es gibt sie auf der großen Bühne, seltener im Verborgenen, aber auch da. Sie stellen sich vor. Im LICHTENFELSER. In jeder Ausgabe einer oder eine – Männer und Frauen oder Diverse.

Dieses Mal: Kurt Beier. Er ist gerade 73 Jahre alt geworden. Als Porzelliner ist er in die Möbelbranche und hat ein Designbüro gegründet, in dem 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausschließlich von den Lizenzeinnahmen leben. Mit Bullfrog hat er vor fast 30 Jahren zusätzlich eine Möbelmarke aufgebaut. Er liebt guten Kaffee – schwarz.

Herr Beier, was ist ein Macher?

Das sind Menschen, die nicht den ganzen Tag nur denken und reden, sondern einfach mal anfangen und machen. Als Porzelliner habe ich das im Blut. Ich muss was sehen von meiner Arbeit. Meine Möbel gibt es eben nicht nur auf dem Papier, sondern wir bauen sie selbst. Kinder haben das ganz selbstverständlich noch in sich, irgendwann geht es verloren, das ist schade. Wenn mein Enkel heute ins Studio kommt und sagt, Opa, ich will ein Sofa bauen, dann ist das für mich großartig.

Wie können Sie den erwachsenen Menschen das Verlorene zurückgeben?

Alleine macht sich gar nichts mehr. Das muss jeder verinnerlichen: Es geht nur im Team. Gemeinsam. Ich brauche zum Beispiel Schreiner, Musterpolsterer, die Konstruktion, ect. Die brauchen mich. Und ich brauche sie. Und die Haltung muss stimmen. Du bist ein guter Kerl. Du musst an dich glauben. Das, was Du tust, muss für dich selber Sinn machen. Gleichzeitig sind wir nur gut, wenn das Produkt den Menschen gefällt und sie am Ende Geld dafür ausgeben.

Das hört sich nach New Work an. Sie machen das …

… seit über 42 Jahren. Der Ansatz ist immer geblieben. Wenn Leute sich auf einen Job bewerben, sage ich ihnen, dass es bei mir nie langweilig ist. Ich sage ihnen, dass sie bei 70 Prozent stehen und wir gemeinsam 150 Prozent aus ihnen herausholen können. Dann muss ich sie hinführen zu eigener Verantwortung und ihn oder sie als Mensch wachsen lassen. Für mich ist das fördern und fordern. Früher war ich immer der Jüngste, jetzt bin ich plötzlich immer der Älteste – aber das ist geblieben.

Was hat sich denn geändert?

Früher sind wir nach der Arbeit gemeinsam ein Bier trinken gegangen. Das war die Zuwendung, da konnten wir miteinander ins Gespräch kommen und gegenseitig spüren, wohin die Entwicklung geht. Das ist heute noch genau so – nur ist es eben nicht mehr ein Bier, sondern zum Beispiel ein Ausflug oder Karten für ein Konzert. Die Zuwendung muss für die Leute heute besser und stärker zu spüren sein. Und wir müssen uns der Zeit anpassen, das heißt, die Technologie nimmt in der Arbeit eine größere Bedeutung ein, als das früher der Fall war. Ich hatte die Möglichkeit im Jugendheim in Michelau etwas zu basteln oder zu bauen, heute stehen in der Machbar in Lichtenfels 3-D-Drucker. Da gibt es große Möglichkeiten für junge Leute. Das Angebot und die Wirkung folgen damals wie heute der gleichen Idee. Mach mal.

Gibt es Sachen, die ein Macher auch mal nicht machen sollte?

Absolut. Das ist sogar sehr wichtig. Ich nenne das gerne Wegmarken. Bei mir war es ein Angebot, Chefdesigner einer bedeutenden Firma zu werden. Das war eine berühmte Marke, mein Chef bei Koinor hatte alle Kataloge bei sich im Büro. Die waren Marktführer, die Inhaber waren smarte Leute. Ich saß zweimal bei denen am Tisch, damals war ich 31 Jahre alt. Vom Geld her hätte ich das machen müssen. Ich habe aber abgelehnt.

Warum?

Ich war damals noch nicht reif genug. Das wäre eine Verantwortung gewesen, die ich damals nicht hätte tragen können. So eine Niederlage kann einen fürs ganze Leben prägen. Stattdessen war das für mich der Impuls, mich selbstständig zu machen. Vor dem Geld kommt der Sinn. Wir bauen Prototypen. Meine Leitlinien sind: Es muss Sinn machen. Die Proportionen müssen stimmen und es muss ästhetisch sein. Ich bin ein Ästhet.

Was will denn der Ästhet Kurt Beier noch machen?

Ich bin in der vielleicht schönsten Phase meines Lebens. Ich darf arbeiten wann und wie ich will – oder in den Urlaub fahren. Das ist eine riesige Freiheit. Vielleicht designe ich noch ein Porzellan- Service. Das habe ich schon ein Leben lang vor. Es wäre dann ein Bullfrog-Geschirr, natürlich mit Bierkrügen. Dafür müsste ich aber Akquise machen. Ich weiß nicht wie das geht, in meinem bisherigen Leben sind die Leute immer auf mich zugekommen. Und natürlich baue ich mit meinem Enkel das Sofa.

Die Fragen stellte Tim Birkner.

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