Dr. Sigrid Gerding: Macherin #48

Es sind Menschen der Tat, Nimmermüde, Antreiber, Gestalter, Vorwärtsstrebende, Aktive. Es gibt sie auf der großen Bühne, seltener im Verborgenen, aber auch da. Sie stellen sich vor. Im COBURGER. In jeder Ausgabe einer oder eine – Männer und Frauen oder Diverse.

Dieses Mal: Dr. Sigrid Gerding, leitende Oberärztin der Anästhesieabteilung in Neustadt bei Coburg. Sie engagiert sich ehrenamtlich vor allem auch bei der weltweit tätigen Hilfsorganisation German Doctors.

Sind Sie eine Macherin?

Schwierige Frage, ich bin wohl eine, sonst würde ich nicht hier sitzen.

Warum sind Sie eine Macherin?

Ich versuche die Herausforderungen, die sich im Leben stellen, anzupacken. Alltägliche, private, berufliche. Und ich suche neue Herausforderungen, habe Energie, bin gerne aktiv, will etwas bewegen, bin gerne unter Menschen, bin auch ehrgeizig und möchte meinen Job möglichst gut machen. Außerdem bin ich auf der Sonnenseite des Lebens geboren und möchte etwas von dieser Sonne an andere Menschen weitergeben. Das ist ein starkes Motiv meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei den German Doctors, die mir sehr viel bedeutet und die mir auch viel gibt: Man wird geerdet.

Was macht das Machen aus?

Verantwortung zu übernehmen für das, was man tut. Klar sein, eindeutig in seinen Handlungen, das ist für mich Machen. Und auch sich selbst mal in Frage zu stellen, sich selbst zu reflektieren. Außerdem sollte man bei allem, was man tut, sich eine gewisse Demut bewahren, eine Bescheidenheit, sich selbst nicht überhöhen, sondern mit anderen auf Augenhöhe bleiben. Man braucht immer Menschen um sich, die mitziehen, Netzwerke, Familie, Freunde und Freundinnen, Kolleginnen und Kollegen, die loyal sind, die einen unterstützen. Und um die muss man sich auch kümmern.

Wie ging es los mit dem Machen?

In der Schule war ich noch eher zurückhaltend. Erst als es aufs Abi zuging, habe ich mich mehr angestrengt, damit das mit dem Medizinstudium auch klappt. Und ich war neugierig, wollte raus in die Welt, zu Hause wurde es mir zu eng, obwohl ich wirklich liebevoll behütet aufgewachsen bin. Aber ich hatte ein zunehmend großes Bedürfnis, Neues kennenzulernen. Da habe ich dann gemerkt, dass ich unheimlich viel Energie freisetzen kann, wenn ich etwas unbedingt will. So wollte ich schon immer in einer Hilfsorganisation tätig sein, das war immer ein Wunsch. Dann kamen erst einmal Familie und Kinder, aber danach konnte ich meinen Traum verwirklichen. Mit den German Doctors war ich seitdem schon auf den Philippinen und in Bangladesch.

Dort sind wir mit einer Rolling Clinic in die Slums gefahren, haben die Menschen untersucht mit ganz einfachen Mitteln, also Basisversorgung geleistet. Wir haben früher noch gelernt, mit wenig Technik zu arbeiten, also mit unseren Sinnen Patientinnen und Patienten zu untersuchen, eine Fähigkeit, die die Arbeit bei den German Doctors erleichtert. Ein weiteres Projekt der German Doctors war die Ausbildung der Clinical Health Officers in Anästhesie in einem Krankenhaus in Sierra Leon. Als nächstes habe ich mich für nächsten Herbst für ein Projekt in Kenia beworben, ich hoff e, das klappt. Und danach? Wer weiß. Ich bin jetzt 63 Jahre alt, aber ich sag immer, nach oben ist immer noch Platz zum Lernen – man sollte nie aufhören damit.

Ist die Region Coburg ein guter Ausgangsstandort zum Machen?

Ich bin eigentlich eine Kölnerin, lebe aber seit 35 Jahren hier und tue das sehr gerne. Ich mag die Natur, ich fahre gerne Fahrrad, ich arbeite hier, ich fühle mich hier wohl. Das ist eine gute Basis für das, was ich beruflich und ehrenamtlich tue.

Die Fragen stellte Wolfram am Hegen.

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