Monaco Franke

Monaco Franke #16

Neues aus der Hauptstadt

„Die Festlegung kann so oder ganz anders ausfallen. Das ist immer so bei mir.“ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, von dem dieses Zitat stammt, ist ja dafür bekannt, dass er auch schnell mal seine Meinung ändert, wenn es ihm politisch nutzt. Opportunismus ist allerdings keine Eigenschaft, die einem Staatsoberhaupt zu eigen sein sollte. Mit seiner Ankündigung, für eine zweite Amtszeit aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung zu stehen, hat Joachim Gauck die knapp ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl schon im Vorwahlkampf befindlichen Parteien ganz schön in die Bredouille gebracht. Nein, keine Angst! Horst Seehofer hat nach allem, was man weiß, keine Ambitionen auf den Posten. Die Nachfolgediskussion ist aber längst entbrannt. Von vernünftigen bis zu abwegigen Vorschlägen war schon so ziemlich alles dabei. Der Monaco findet ja: Jetzt muss endlich mal ein Franke ran!

Denn einen Bundespräsidenten aus Franken – das gab es seit 1949 noch nicht. Überhaupt hat es erst ein (Nieder-)Bayer an die Spitze der Bundesrepublik geschafft – das war der Landshuter Roman Herzog, der mit dem „Ruck“. Unter den elf Bundespräsidenten gab es große Redner und rhetorisch weniger talentierte Zeitgenossen, Wander- und Bürgerpräsidenten, Schwaben, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und zuletzt sogar einen Pfaffen aus Ostdeutschland! Die Franken blieben aber stets außen vor, wenn es um die Entscheidung ging, wer ins Schloss Bellevue (und vorher in die Bonner Villa Hammerschmidt) einziehen durfte.

Aber warum eigentlich? An den Kriterien, die ein Bundespräsident oder eine Bundespräsidentin erfüllen sollte, kann es nicht liegen. Er/Sie sollte souverän und meinungsstark sein (etzadla sooch halt amoll wos’d maanst!), sollte verbinden, versöhnen, ausgleichen (glabbd ma’s, des werd scho widder!“), auch mal aufrütteln, mahnen (Gell, a wenig ruhig, Freindla!) und klare Kante zeigen können (Obochd, iech zeich Euch fei gleich, wo der Frosch die Logg’n hod!) , vor allem aber natürlich repräsentieren. Immerhin: Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Joachim Gauck, ist so etwas wie eine fränkische „First Lady“. Zwar ist sie im hessischen Hanau geboren, hat aber seit 1986 in der – wie passend – ehemaligen Königsstadt für die Nürnberger Zeitung gearbeitet. Und des sooch iech Euch: Wer’s mehr als sei halb’s Leben lang in Franggn ausg’halten hat, der is aaner vo uns!
Aber im Ernst: Wenn die CSU sogar schon ihre Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt als Kandidatin ins Gespräch bringt, dann ist, frei nach Christian Wulff, der Rubikon überschritten, dann sollten die Franken dem nicht nachstehen. Und die Hürden dafür, einen geeigneten Kandidaten ins Rennen zu schicken, sind nicht wirklich hoch. Jede(r) Deutsche, der/die das 40. Lebensjahr vollendet hat, ist wählbar. Er oder sie muss nur von irgendeinem Mitglied der Bundesversammlung vorgeschlagen werden. Der- oder diejenige sollte einen guten Leumund und – falls zum Beispiel die Queen mal wieder zu Besuch kommt – eine gute Kinderstube haben und sich nichts Schlimmes zu Schulden haben kommen lassen. Also Arme hoch: Wer kennt jemanden, der in der Bundesversammlung sitzt und da was deichseln kann?

Joachim Gauck, so die allgemeine Wahrnehmung, hat dem Amt seine Würde zurückgegeben, die sie aufgrund der mehr oder weniger unrühmlichen Rücktritte von Horst Köhler und Christian Wulff eingebüßt hatte. Freiheit und Verantwortung waren seine große Themen. Wie vor ihm Theodor Heuss, Gustav Heinemann oder Richard von Weizsäcker hat er eine Amtszeit geprägt. Das erhoffen sich die Deutschen auch von der kommenden Nummer eins im Staate. Die Liste möglicher fränkischer Kandidaten jedenfalls ist hochkarätig. Da wäre zum Beispiel Gabriele Pauli. Die einstige Fürther Landrätin bringt beste Voraussetzungen für den Posten mit, z.B. gleich aus zwei Parteien politische Erfahrung, ist aber inzwischen parteilos (ein ganz großer Vorteil!) und macht – egal ob im Dirndl, im Sylter Friesennerz oder in Leder – eine gute Figur. Zudem ist sie eine Frau und hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie wenn’s sein muss auch unangenehm sein und sich einmischen kann (wovon vor allem Edmund Stoiber ein Lied singen kann).

Apropos singen: Wer singen und musizieren kann („lustig schmettert das Horn!“) oder auch gerne wandert, der bringt von vorneherein schon mal einiges für das höchste Amt im Staate mit. „Soft skills“ nennt man das heutzutage in Recruiterkreisen. Auch heißt es immer wieder, ein Bundespräsident müsse moderieren können. Und wer wäre dafür nicht besser geeignet als Thomas Gottschalk?! Der Kulmbacher hat jahrzehntelange Moderationserfahrung und sitzt definitiv nicht nur beim Schwager vorn! Er ist witzig, weltoffen und wortgewaltig, spricht fließend Englisch und kann – das wissen wir von der „Wetten, dass …“-Couch – extrem charmant sein. Er hat ein Herz für Kinder und eine Schwäche für Benachteiligte (Peter Maffay …) und trägt selbst seine angegrauten langen Haare mit geradezu präsidialer Würde. Okay, Gute-Laune-Onkel Gottschalk hat keinerlei politische Erfahrung und kommt sicherlich nicht so pastoral daher wie seine Vorgänger Gauck oder Johannes Rau. Dafür könnte er wohl mit Stimmen aus allen politischen Lagern rechnen.

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Wenn man sich die Liste der tatsächlich diskutierten Kandidaten so ansieht, müssen sich die Franken wahrlich nicht verstecken. Dass Bundestagspräsident und Bierbotschafter Norbert Lammert gehandelt wird, ist bekannt. Ob er als CDU-Mitglied aber mit der erforderlichen Mehrheit der Stimmen rechnen könnte, ist bei der voraussichtlichen Zusammensetzung der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten im Februar 2017 wählen wird, fraglich. Gleiches gilt für andere bekannte Politköpfe wie Wolfgang Schäuble (CDU), Gerda Hasselfeldt (CSU) oder Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Also: Ein Franke für Berlin, und „Des grieng ma scho hi“ wäre das neue „Wir schaffen das“!
Ganz erstaunlich ist, dass sich erneut der Name Margot Käßmann hält. Schon vor fünf Jahren war die ehemalige Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Verlosung. Damals war ihre Alkoholfahrt, wegen der sie von all ihren Ämtern zurückgetreten war, aber wohl noch zu frisch, um reelle Chancen zu haben. Und song ma moll so: Da könnte dann genauso gut Günther Beckstein antreten, DER kann sogar nach zwei Maß Bier noch fahren!

Schätzla, schau wie iech schau!

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