Monaco Franke

Monaco Franke #18

NEUES AUS DER HAUPTSTADT

Wir befinden uns im Jahre 2016 n.Chr. Die ganze Welt spricht von den US-Wahlen und vom Überraschungssieg Donald Trumps … die ganze Welt?! Nein! Ein von patriotischen Oberfranken bevölkertes 40.000-Seelen-Städtla namens Coburg schert sich einen Sch… um das, was da gerade in den United States Of Neandertal passiert und dreht sich lieber um sich selbst. Denn: In diesem Jahr schenkt die Stadt Coburg der britischen Königin Queen Elizabeth II. ihren Weihnachtsbaum für Windsor Castle. Was für eine Ehre und allweil a große Sach! Jedenfalls für die Coburcher.

Also um ganz ehrlich zu saa: Hauptsächlich für die Coburcher! Denn ganz echt jetzt, liebe Leut‘: What a Gschiss um an Baum! Genauer gesagt eine Nordmanntanne, wie es sie zigtausendfach gibt … sollte man jedenfalls meinen. Doch natürlich ist diese sorgsam ausgewählte, zehn Meter hohe Tanne kein Baum wie jeder andere, sondern ein ganz besonderes Prachtexemplar; perfekt gewachsen, so wie ein Baum eben nur hier – gewissermaßen auf königlichem Boden – wachsen konnte. Denn er stammt nicht irgendwoher, sondern aus dem Callenberger Forst. Das westlich von Coburg gelegene dreiflügelige Schloss Callenberg, zu dessen Land der Forst gehört, ist das Jagd- und Sommerschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg.

Prinz Albert von Coburg war es ja, der seinerzeit im vorvorigen Jahrhundert die Tradition des Weihnachtsbaumes überhaupt erst nach England brachte. Für Ihre Majestät und die königliche Familie durfte es deshalb natürlich keine gewöhnliche Tanne aus dem Frankenwald oder sonstwoher sein. Also überlegte man, und kam auf Callenberg. Da Elizabeth II. ja nun mal von der Linie Sachsen-Coburg abstammt, war es sinnig, einen Baum zu wählen, der daherkommt, wo gewissermaßen auch sie ihre Wurzeln hat. Grod ned, dass sa nuch an Nachweis gebraucht hätten, der belegt, dass es sich um eine „blaublütige“ Tanne handelt. Einen Stammbaum sozusagen. Vielleicht half ja deshalb auch Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha als Jurymitglied bei „CSDS“ („Coburg sucht die Supertanne“) mit, die richtige Tanne auszuwählen, die auch die strengen Vorgaben der Stadt Windsor erfüllte und alle „Konkurrenten“ ausstach. Mit so am garschdigen, g’rupft en G’selln hod ma der Queen jedenfalls ned kumma derf‘n! Scho kloar!

Nun haben die wenigsten von uns in ihrem Wohnzimmer Platz für eine zehn Meter hohe Tanne. Was einen schönen Christbaum ausmacht, das ist aber immer und überall gleich, egal ob nun zehn Meter hoch oder nur 80 Zentimeter klein und auf einem Höckerchen stehend; egal ob in Franken, Oberbayern oder England. Er sollte möglichst eine schöne Spitze haben und keine geknickten Äste. Die Zweige sollten möglichst gleichmäßig gewachsen sein und der Abstand zwischen ihnen nicht zu groß und nicht zu klein, damit man ihn schön behängen kann und beim traditionellen „Christbaumloben“ mit ihm angeben kann (wenichstens a bisserla!). Natürlich sollte er möglichst wenig nadeln. Schließlich darf der Stamm nicht zu dick sein und so akkurat abgesägt, dass er gut in den Christbaumständer passt. Schätzla, den host doch Du letztes Joahr nauf in‘ Dachboden, oder? Iech? Echt jetzt? Hmhh, worschd, den wer’ ma scho widder finden! Kurzum: Es is a Ploch, Joahr für Joahr des berfeggde Bäumla für dahaam zu finden. Und zu teuer derf’s ja aa ned saa!

Diese Probleme haben die Queen und ihr Gemahl Prinz Philipp nicht. Sie bekommen ihren Baum frei Haus geliefert. Am 11. November wurde die Callenberger Tanne gefällt, am 14. mit großem Brimborium auf dem Albertsplatz Richtung England verabschiedet. Im „Christmas Tree Express for the Queen“ ging es anschließend auf die Insel – über Coburgs Partnerstadt Oudenaarde, Calais, Dover und weiter nach Windsor in der Grafschaft  Berkshire, ein paar Kilometer westlich von London. Dort wurde der Baum, der auf der langen Fahrt zum Glück unbeschädigt blieb (nicht auszudenken, was alles hätte passieren können und was das nach sich gezogen hätte!), schließlich geschmückt und aufgestellt.

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Bildquelle: Tim Cordell

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