Monaco Franke

Monaco Franke #19

Horchd amoll, geht’s Eich aa so?

Horchd amoll, geht’s Eich aa so? Also iech kenn mich nimmer aus! Des ganze Gewirr aus „Fake News“, „alternativen Fakten“ und „Postfaktischem“
macht mich fuchsnarrisch. Aber man muss man ja auch den Überblick verlieren. Irgendwie tun sich die Leute immer schwerer, Wahres von Unwahrem
zu unterscheiden, echte Fakten von unterschwellig als Tatsachen getarnten Beeinflussungsversuchen oder ganz bewusstem Belügen. Dass sich jeder schon
mal selbst „bescheißt“, das kennt der Monaco von sich selbst – zum Beispiel wenn er einmal pro Jahr versucht, seine FdH- (also nur zwei Klöß zum Bradn)
oder LCHF-Diät (also scho Brodwerschd, aber ohne Brot, nur mit Kraut!) durchzuziehen. Momentan aber geht’s ans Eingemachte.

Nicht mehr nur Lobbyisten und Interessengruppen versuchen die Menschen in die Irre zu führen, nicht mehr nur Diktatoren und demokratiefeindliche Gruppierungen versuchen so ihr Tun zu rechtfertigen. Bei jeder noch so harmlos scheinenden Meldung muss man sich fragen: Stimmt das jetzt oder will uns da wieder jemand nur seine „Wahrheit“ unterjubeln, um irgendein ganz anderes Ziel zu erreichen? Schwierig! Kein Wunder, dass in diesem Jahr „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gewählt und „Fake News“ zum Anglizismus des Jahres gekürt wurde. Dabei sind Fake News ja nun wirklich kein neues Phänomen! Im Geschichtsbuch vo di Gunga könnt‘ Ihr’s nachlesen! Vor 100 Jahren kam die sogenannte Dolchstoßlegende auf, die den Deutschen weismachen sollte, dass der Erste Weltkrieg gar nicht auf den Schlachtfeldern verloren wurde, sondern dass linke Oppositionelle dem Heer einen „Dolchstoß“ von hinten versetzt hätten. Eine klassische Verschwörungstheorie, getarnt als vermeintliche Tatsache.

Fake News und „alternative Fakten“ , wie sie gerade von Donald Trumps Beraterin Kellyanne Conway so schön verniedlichend genannt wurden, ziehen sich durch die Politik des 20. und 21. Jahrhunderts. „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“? Klar. Das war ja auch keine Mauer, sondern nur ein antiimperialistischer Schutzwall. „Die Rente ist sicher“? Hm, Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm hat damals nur nicht gesagt, auf welchem Niveau. Und Herr Bush: Der Irak verfügte also über funktionierende Massenvernichtungswaffen? Ach so.

Bei der neuen US-Regierung ließ es sich ja erst noch harmlos an: Wie viele Menschen am 20. Januar der Inauguration von Trump als Präsident beiwohnten? Eigentlich doch so was von egal. Schwieriger wird‘s, wenn Unwahrheiten als „alternative Fakten“ bezeichnet und als Rechtfertigung für die eigene Politik eingesetzt werden. Und das scheint Methode zu haben: Jetzt hat Conway sogar einen Terroranschlag erfunden: „das Bowling-Green-Massaker“. Noch nie davon gehört? Logisch. Es hat ja auch nie stattgefunden. Ihre Behauptung, zwei irakische Einwanderer hätten einen Anschlag im Bundesstaat Kentucky verübt, sollten einzig und allein dazu dienen, die von Trump verhängten Einreiseverbote zu rechtfertigen. Im Kleinen findet solch manipulative Desinformation ja auch hierzulande längst statt. Wenn etwa Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth die Pkw-Maut preist und behauptet, Deutschland werde damit Abermillionen einnehmen. Echt jetzt? Neutrale Experten sagen da etwas ganz anderes. Oder wenn wieder steif und fest behauptet wird, Großprojekt XY werde keinesfalls teurer, als die ursprüngliche Kalkulation ergeben hat. Die Erfahrung lehrt etwas anderes. Ja, der Spruch „Traue nur der Statistik, die du selber gefälscht hast“ ist zwar schon alt. Er kommt einem da aber unweigerlich in den Sinn. Und die Medien leisten ihren Beitrag zur Verunsicherung. Jeder sendet, schreibt und postet, und jeder will dabei noch der schnellste sein. Da passieren Fehler.

Gespannt darf man auch sein, wie sich Horst Seehofer aus dem Dilemma herauswindet, das er sich selbst eingebrockt hat. Einen Koalitionsvertrag, in dem keine Obergrenze für Flüchtlinge festgeschrieben ist, werde er auf keinen Fall unterzeichnen, hat er versprochen. Sieht derzeit nicht so aus, als käme er damit durch. Damit’s nicht auffällt, wenn er am Ende doch umfällt, sollte er vielleicht eine Abordnung nach Washington schicken und sich mal erklären lassen, wie das genau funktioniert mit den alternativen Fakten. Der Monaco überlegt, ob er deshalb schon Karl-Theodor zu Guttenberg als Berater in sein Wahlkampfteam geholt hat. Der lebt ja inzwischen in den USA und hat selbst schon Erfahrungen mit – wie soch ich’s am charmantesten – alternativen Methoden beim Erstellen von Doktorarbeiten gemacht.

Die Leute scheinen mehr denn je auf ihr Bauchgefühl zu hören und nichts mehr wirklich zu hinterfragen (genau das meint der Ausdruck „postfaktisch“!). „Des glabbst ja selber ned“ – das sagt man nur noch bei Meldungen, die nicht ins eigene Weltbild passen. Lieber mol schaua, ob’s ned a alternative Wahrheit irgendwo annersch gibt!

Apropos: Kein Bier vor vier? Na ja. Ich bin eh dafür, dass die Uhren dauerhaft auf Sommerzeit umgestellt werden. Halb fünf AMEZ (alternative mitteleuropäische Zeit) – ich mach ma jetz a Seidla auf!

Schätzla, schau wie iech schau!

Undenkbar, Winterurlaub ohne Berge. © Peter Einheuser

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