Monaco Franke

Monaco Franke #20

Ein regelmäßiger Kirchgänger ist der Monaco ja nicht. Des geb ich lieber glei scho amoll zu. Zwei-, dreimal im Jahr vielleicht, also an Weihnachten, bei Firmungen oder Konfirmationen und unter Umständen sogar mal in aller Herrgottsfrüh in der Osternacht, was dann oba fei ned mei Idee is, gell!

A weng bereut hob ich’s oba ehrlich g‘sochd scho, denn schließlich befinden wir uns im „Lutherjahr“, und da schadet es nicht, wenn man sich a bissala auskennt. Noch dazu als Protestant! 500 Jahre Reformation wird dieses Jahr gefeiert. Vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen (ich kann ma ja scho die zehn Gebote ned merken!) in Wittenberg an die Tür der Schlosskirche und löste damit nicht weniger als eine Revolution aus. Mit Folgen, die bis in die heutige Zeit reichen, wovon vor allem wir Broddesdanden a Liedla singen können! Na ja, so viel grich iech vo mei’m Schulwissen scho‘ noch zsamm`kratzt!

Ja, das kann sich heute niemand mehr vorstellen, der nicht gerade in der Türkei lebt und dort auf der „falschen“ Seite steht. Wer damals den Papst kritisierte, noch dazu als Geistlicher, in dessen Haut wollte man lieber nicht stecken, der bekam es mit der geballten Macht des Klerus und der Inquisition zu tun. Heute darf jeder das Oberhaupt der katholischen Kirche karikieren oder diskreditierende Plakate in Rom aufhängen. Überhaupt kein Thema! Der gutherzige Argentinier nimmt’s gelassen, ja verzeiht einem sogar: „Bassd scho. Loss‘ steck’n!“

Zu Luthers Zeiten sah das noch etwas anders aus. Schließlich war noch dunkelstes Mittelalter, die Zeit der Aufklärung stand erst noch bevor. Trotzdem hat er damals als Priester und Vikar des Augustinerordens seinen ganzen Mut zusammen genommen und alles aufgeschrieben, was ihm an der Heiligen Katholischen Kirche und den Zuständen nicht passte: die Bevorzugung der Reichen, die Obrigkeitshörigkeit und vor allem der Ablasshandel. Aus Angst vor dem Fegefeuer und um sich oder bereits verstorbene Angehörige von ihren Sünden befreien zu lassen, kauften die Menschen für horrendes Geld sogenannte Ablassbriefe. Von den Einnahmen finanzierte die Kirche dann Prachtbauten wie den Petersdom in Rom.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“, war ein Spruch, mit dem die Leute seinerzeit dazu gebracht wurden, Ablassbriefe zu erwerben. Ein Unding, fand Luther, der dann gleich noch die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellte (was ihm ebenfalls nicht gut bekam).

Böse Zungen behaupten ja, den Ablasshandel gebe es in abgewandelter Form heute immer noch. In den Parteien. Nur so sei zu erklären, dass Politiker die Wähler nach Strich und Faden verarschen können und danach trotzdem fröhlich weiterregieren dürfen (und da mein‘ ich jetzt ned nur die mit dem Christen-C im Parteinamen. Also ned nur!). Und das geht so: Die Politiker halten die Wähler mit Versprechungen und kleinen Wahlgeschenken bei Laune. Die dürfen sich dann über WLAN auf dem Land freuen, sich am Aschermittwoch in Passau und anderswo markige Sprüche anhören und im Gegenzug ihre Volksvertreter wiederwählen. Und so ist dann wieder allen geholfen.

Aber zurück zur Reformation und dem Aufkommen des Protestantismus, der in weiten Teilen Mittelund Oberfrankens Einzug hielt – lediglich rund ums Bistum Bamberg blieb man katholisch. Und so ist unsere Gegend bis heute geprägt. Auf Prunk und Pomp haben die Protestanten nie großen Wert gelegt. Alles blieb eher freudlos und karg – und so schauen dann nicht nur viele Kirchen auch aus, sondern auch die Feste und Feiertage! Der wichtigste evangelische Feiertag? Das ist Karfreitag. Der ödeste Tag des Jahres. Keine Musik in der Disco – und im Fernsehen „Ben Hur“ oder „Quo Vadis“, und das quälende gefühlte sechs Stunden lang! Was haben die Evangelen noch? Den „Buß- und Bettag“ im November – als Feiertag (zurecht) längst abgeschafft. Da spricht schon der Name für sich.

Ganz anders die Katholiken. Wenn die feiern, dann bunt, verkleidet, mit Glanz und Gloria. Fronleichnam zum Beispiel, wenn bunte Prozessionen durch die Dörfer ziehen, und die Priester geweihte Hostien unter prächtigen Baldachinen tragen. Oder an „Heilig Drei König“, wenn die Kinder als die drei Weisen aus dem Morgenland verkleidet von Tür zu Tür laufen. Und im richtigen Leben? Das Gleiche! Während Protestanten von Selbstzweifeln geplagt durchs Leben gehen, haben die Katholiken den Kopf oben. Klar! Die gehen, wenn sie’s ordentlich haben krachen lassen, in einen dieser Holz-Kleiderschränke und beichten. Mit drei Rosenkränzen und fünf Ave Maria is hernach alles wieder gut.

Aber hey! Wer geht heute schon noch zur Beichte?! Da ham’s die Broddesdanden dann doch besser! Jedenfalls stell ich mir vor, wie – ganz aufgeklärt – irgendwann scho mit mei’m Seidla auf der Wolke sitz‘, während der Kathole im Fegefeuer noch auf glühenden Kohlen löfft!

Schätzla, schau wie iech schau!

Für den COBURGER von Wolfram Porr

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