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Stadtgespräch #20

Voll die gute Idee

Vor einiger Zeit also ist sie abgelehnt worden, die Idee eines runden Globe Theater aus der Feder der Hochschule Coburg als Ersatzspielstätte für das Coburger Landestheater. Was aber, wenn das Gebäude nicht auf dem Schlossplatz oder dem Anger, sondern dauerhaft auf dem Güterbahnhofgelände gebaut worden wäre. Dort hätte es, nach dem Dasein als Interimsspielstätte, für die Kreativwirtschaft als weithin sichtbares Symbol und als einmaliger Ort für Veranstaltungen gedient und vor allem als Leuchtturmprojekt weit über die Stadt hinaus. Entsprechende Ideen gab es, doch in öffentlichen Diskussionen ging es oft nur um die Kosten, nicht darum, ob es sich vielleicht doch eher nicht um Kosten, sondern um Investitionen für die Zukunft der Stadt gehandelt hätte. Kleider machen Leute. Jetzt zieht das Landestheater einen vom Stadtrat beschlossenen praktischen Jogginganzug an. Den kann man danach wegschmeißen. Der feinen Zwirn, das „Globe“, bleibt als Schnittmuster in der Schublade.

Konto voll

Die Landesausstellung und die Bedeutung Coburgs als Lutherstadt außerhalb der Stadtmauern sorgen schon für mehr Aufmerksamkeit als Einheimische wahrnehmen. Zahlreiche Führungen der Aus-stellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ sind schon ausverkauft, sogar Anfragen aus den USA liegen vor. Es könnte also, wenn dann noch rechtzeitig Coburg in den Kreis der Weltkulturerbestädte aufgenommen wird, ein glorreiches Jahr werden für die Vestestadt, auch in der Hoffnung, dass viele Gäste noch ein paar Tage dranhängen an ihren Aufenthalt, Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel davon profitieren. Die Kirche übrigens überlegt sich angeblich derweil andere Erlösquellen: Die Morizkirche bekommt einen elektronischen Opferstock, heißt es gemäß einer göttlichen Eingebung.

Nase Voll

Die Ketschenvorstadt ist kaum wederzuerkennen. Neue Straßen, sanierte Häuser, neuer Wohnraum. Die Fassaden fast allesamt in neuem Glanz. Viel gab es zu tun, da dürfen den Verantwortlichen natürlich auch kleine Fehler unterlaufen. Blöd nur, wenn sie jemand entdeckt. So fiel jemandem ein großes Werbebanner auf der immer noch sichtlich unten den letzten Jahrhunderten leidenden Rückseite eines Hauses auf. „Ich bin ein Denkmal und werde 2016 saniert und restauriert“, stand drauf. Dummerweise war es zu diesem Zeitpunkt aber schon März 2017, und es sieht immer noch ziemlich ramponiert aus. Das Bild machte in den sozialen Medien die Runde, bis es wohl bei der verantwortlichen Wohnbau Stadt Coburg gelandet sein muss. Jetzt ist das Banner weg, das alte Haus aber ist noch da.

Mund voll

Zu hungrig sein, kommt nicht gut an: Caterer aus der Region Coburg nämlich gehen beim Staatsempfang von Landesvater Horst Seehofer zur Eröffnung der Landesausstellung im Mai im Innenhof der Veste Coburg in Coburg leer aus. Sie hätten das große Festmahl deutlich teurer als ein Konkurrent aus Nürnberg angeboten, heißt es. Um einen niedrigen fünfstelligen Betrag soll es bei der Differenz gehen. Bei 800 angemessen zu bewirtenden Ehrengästen wird ohnehin ein ganz schönes Sümmchen zusammenkommen. Das Geschäft aber machen jetzt die Mittelfranken. Das nennt man freien Wettbewerb, das muss man verdauen. Wenn es dann aber im Allerheiligsten der Vestestadt zur Eröffnung der Coburger Landesausstellung ausgerechnet Nürnberger Bratwürste gäbe oder von Nürnberger gemachte Coburger Bratwürste … das dürfte eingefleischten Herzogtümlern noch schwerer im Magen liegen.

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