Monaco Franke #23

Erschtens kummt’s annersch und zweitens als ma denkt! Das wussten schon unsere Großmütter! Umso erstaunlicher, dass sich ein „alter Hase“ wie Horst Seehofer – ein solch erfahrener Politiker, der schon alles erlebt hat – dann doch so auf dem falschen Fuß erwischen lässt. Die CSU in Bayern bei der Bundestagswahl bei unter 40 Prozent –da sind die Gesichtszüge ganz schön verrutscht oder wie der Franke sagt: Da ham se in der CSU alle a ganz scheene Läädschn zo’ng! Es war aber schon auch ein Erdrutsch!

Scheinbar nichts konnte unserem bayerischen Landesvater in diesem Wahlkampf etwas anhaben. Nicht die Kanzlerin mit ihrer sturen Haltung bei der Frage nach einer Obergrenze, auch nicht die AFD, erst recht nicht die Konkurrenten und Konkurrentinnen in den eigenen Reihen, die seit Jahren wie die Geier um ihren Chef kreisen, um sich in dem Moment auf ihn zu stürzen, wenn dieser mal schwächeln sollte. Und er hatte sich’s auch so schön ausgemalt: Mit Rückenwind in die Koalitionsverhandlungen, die Wiederwahl als Ministerpräsident im kommenden Jahr und dann – nach zwei Jahren oder so – der wohl überlegte und gut vorbereitete Rückzug auf dem Höhepunkt der Macht. Zur Krönung vielleicht noch ein hübsches Prestigeprojekt wie die geplante neue Konzerthalle in München („was Hamburg kann, das können wir schon längst und noch besser!“), schließlich würde er dem bis dahin behutsam aufgebauten Nachfolger (kein Name an dieser Stelle!) die Schlüssel der Staatskanzlei übergeben. Wer sollte dem Ingolstädter da noch den verdienten Platz in der „Walhalla“ streitig machen?

Doch daraus wird nun nichts. Jedenfalls nicht so! Teile der Parteibasis sägen längst laut und vernehmlich an Horstis Stuhl. In Berlin droht „Jamaika“, also die Zusammenarbeit mit den Grünen, die man jahrzehntelang als naiv-spinnerte Chaotentruppe belächelt hat. Dahaam in Bayern will Seehofer derweil die „rechte Flanke“ schließen, in die die AFD gestoßen ist – immer Franz Josef Strauß‘ berühmtes Credo im Sinn, rechts von der CSU dürfe es „keine demokratisch legitimierte Partei“ geben. Des is a bissla so, wie wenn ma duschn, oba auf goar kann Fall nass werden will! Sagen wir mal so: Wenn die CSU den Spagat hinkriegt – bundespolitisch liberal und ökologisch ausgerichtet, stramm national-konservativ im Land – dann Reschbeggd, Herr Drehhofer!

Auch in Oberfranken hat die CSU mächtig verloren. Doch auch das allein an der „Flüchtlingskrise“ festzumachen, wäre zu billig. Teile des zweifellos scheensten Flecklas Bayerns fühlen sich abgehängt und über den Tisch gezogen. Wie zum Beispiel beim Prestige-Bahnprojekt, der nun endlich fertiggestellten ICE-Trasse Nürnberg – Berlin. Denn auch hier kam vieles ganz anders, als man erst dachte!
Was wurde in den letzten Jahren über die Trassenführung nicht diskutiert und verhandelt! Die oberfränkische Wirtschaft hat sich mal richtig auf die Hinterbeine gestellt und argumentiert, wie wichtig diese Anbindung für die Region ist. Und die Freude war entsprechend groß, als bekannt wurde, dass vor allem das westliche Oberfranken profitieren und an die Schnellverbindung angeschlossen werden würde. In Bamberg und Coburg jubilierten die Bosse schon. Und nun das! In zweieinhalb Stunden mit dem Zug in die Hauptstadt – hört sich ja erstmal ganz gut an. Aber nur dreimal am Tag? Klingt dann doch nicht nach dem großen Hauptgewinn! Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer wurde direkt deutlich, als er sagte: „Wir sind einer der wirtschaftsstärksten Räume Europas, mit großen Firmen, die ihre Headquarters hier haben. Deswegen sind wir bei drei Halten am Tag nicht vor Freude über den Tisch gesprungen.“

Die Anbindung von Coburg und Bamberg, wie sie jetzt schwarz auf weiß im neuen Winterfahrplan steht, könne nur der Anfang sein, findet nicht nur Tessmer. Dabei sind diese beiden Städte noch richtig gut weggekommen, wenn man noch dazu bedenkt, dass sie nach der Wiedervereinigung erstmal geschlossen gegen alles waren, was die Region – nun in der geographischen Mitte Europas – mit dem Rest der Welt verbinden sollte. Weiter im Osten warten sie bis heute immer noch auf die Elektrifizierung – da herrscht infrastrukturell frühes Mittelalter! Wer mit der Bahn von Bayreuth nach Berlin will, braucht künftig zwei Stunden länger als diejenigen, die 230 Kilometer weiter südlich in München einsteigen.

Wie gesagt: Erschtens kummt’s halt annersch und zweitens als ma denkt! Noch ein (irgendwie tröstliches) Beispiel für diesen Merksatz, der auf Wilhelm Busch zurückgehen soll, kursiert dieser Tage in München und berührt ein Thema, das alle angeht: den Fußball, genauer gesagt die beiden Münchner Erzrivalen FC Bayern und TSV 1860. Und es geht so: „Da ist gerade mal Oktober, aber die einen haben in der Liga schon wieder acht Punkte Vorsprung und die anderen schon wieder den Trainer entlassen … Aber irgendwas ist dieses Jahr anders.“
Schätzla, schau wie iech schau!

Für den COBURGER von Wolfram Porr

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