Monaco Franke

Monaco Franke #33

Archie? Oh, sorry: „Archie Harrison Mountbatten-Windsor“ – so viel Zeit muss schon sein! Oba: Des is ned Euer Ernst, your Royal Highnesses?! Are you serious? Also hier in Coburg sind mit Verlaub viele irritiert, um nicht zu sagen entsetzt über den Namen des neugeborenen Duke Of Sussex, der neuen „Nummer sieben“ auf der Thronfolgerliste des englischen Königshauses! Und der Monaco hat ehrlich g’soochd dreing’schaut wie a Husserla wenn’s blitzd, als er des g’hört hat. Im Jubiläumsjahr von Prinz Albert und Königin Victoria hätte es doch nur eine gute, elegante, ja perfekte Wahl für den Vornamen des Stammhalters von Prinz Harry und Meghan, der Herzogin von Sussex, gegeben: Na klar, Albert! Von mir aus auch noch Harrison hintendran und in (Fußball-)Gottes Namen auch noch Jürgen oder Kloppo Mountbatten-Windsor! Aber Archie?!? Das „Royal Baby“? You‘re kidding!

Queen Elizabeth II. höchstpersönlich hat die Schirmherrschaft für das Jubiläumsjahr in Coburg übernommen. Ja, wer auch sonst, Ihr ignoranten, britischen Zipfel! Auch wenn sie nicht in die Vestestadt kommen wird: Die gude Fraa hod’s nämlich anscheinend als einziche begriffen! Denn der 200. Geburtstag von Queen Victoria und ihres auf Schloss Rosenau in Rödental geborenen Prinzgemahlen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha ist eine große Sache – ein „big thing“, wie die Engländer sagen. Die beiden stehen für das „Viktorianische Zeitalter“, eine beispiellose Blütezeit in England. Dabei ist gerade Alberts Einfluss auf das britische Empire gar nicht hoch genug einzuschätzen. Was hat dieser fortschrittliche, hoch gebildete Mann im Geburtsland seiner geliebten Victoria politisch und kulturell nicht alles bewirkt? Und was hat er nicht alles für sein Volk getan?! Er initiierte die erste Weltausstellung in London, er exportierte Errungenschaft en wie den sozialen Wohnungsbau (die ersten Arbeiterwohnungen mit Wasserleitungen und Toiletten mit Wasserspülung!) auf die Insel und viele Dinge mehr! Fraglos hätte der „König ohne Krone“, wie Albert wegen seines Einflusses auf Victoria und die britische Monarchie auch gerne bezeichnet wird, es verdient gehabt, dass sein Name auch im 21. Jahrhundert in aller Munde bleibt.

Nun also Archie. (Sie merken’s: Iech kumm ned drüber weg!) „Archibald“, von dem „Archie“ ja die Kurzform ist, bedeutet „der Mutige“ oder „der Kühne“. So weit, so gut. Aber nach wem soll’na der Schraaz eigentlich benannt wor‘n saa? Was ist mit der Tradition? Aber in England scheinen ja alle gerade benebelt zu sein. Man sehe sich nur die Diskussion um den Brexit an. Eine never ending story, an deren Ende womöglich Typen wie die Europagegner Nigel Farage oder Boris Johnson das Sagen haben werden – zwei Berufsverhinderer und „Wollen-wir-nicht-Politiker“, die ihr eigenes Ego über das Wohl ihres Landes stellen! Die kam doch echt an Schloch! Grod ned, dass se alle andauernd ihr „Rule Britannia“ drällern! “Rule, Britannia! Britannia, rule the waves!/Britons never, never, never shall be slaves.” Ich hätt’ echt gedacht, die Zeiten sind vorbei! Horch, do sin‘ mir mit unserm‘ Maggus Söder fei noch gut bedient! Der hat gerade ein kämpferisches Plädoyer für die EU und den europäischen Gedanken gehalten. Bayern (und damit auch Franken – des denggd der Maggus immer mit!) profitiere als Exportland ganz besonders vom Binnenmarkt. Europa, hat er jetzt gsoochd, sei ein „cooler Kontinent“. Und wissd Ihr wos? Recht hat er! Und der Monaco legt sogar nuch aans drauf. Iech sooch: Europa is‘ cool und sexy!

Queen Victoria wird übrigens ja auch die „Großmutter Europas“ genannt wird. Also ist Albert ja wohl der Großvater! Trotzdem sind es ausgerechnet die Brexiteers, die die beiden vor ihren Karren spannen (wollen). Victoria hatte aber gerade eben nicht nur das Wohl des Vereinigten Königreiches im Sinn, so wie jene, die sich jetzt gerne auf sie berufen. Nein. Sie hat schon sehr europäisch und weitsichtig gedacht! Sie brachte es auf 40 Enkel und 88 Urenkel und bestimmte, dass alle ihren Namen oder den Alberts tragen sollten. Durch spätere Ehen hatte sie so Nachkommen in fast allen europäischen Monarchien. Die Idee war, dass wenn über den Kontinent verteilt überall Verwandte von ihr auf den Fürstenthronen sitzen, sich die Länder nicht mehr bekriegen würden. Anders gesagt: Es war der gut gemeinte Versuch, den Frieden in Europa zu sichern. A scheena Idee! Leider blieb es beim Versuch, wie die späteren Kriege zeigen.

Fast 200 Jahre später können wir trotzdem festhalten: Europa eine der besten Ideen, die wir je hatten. Seit nunmehr 75 Jahren leben wir hier mit ganz wenigen Ausnahmen in Frieden. Es gibt offene Grenzen, kulturellen und wirtschaft lichen Austausch. Und mit Fug und Recht können wir behaupten, dass ehemalige Feinde heute Freunde sind. Auch deshalb wäre „Albert“ ein guter Name für das „Baby Sussex“ gewesen. Deshalb frooch iech mich scho: Auf wen soll in dera Sach‘ denn noch Verlass sein, wenn nicht auf Königs!

Schätzla, schau wie iech schau!

Für den COBURGER von Wolfram Porr

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