Monaco Franke

Monaco Franke #35

Die Urlaubszeit ist vorbei. Schee wor’s! Alle sind endlich wieder dahaam. Gott sei Dank“ wird der eine oder andere sagen, und damit meint der Monaco jetzt nicht die Hoteliers und Campingplatzbesitzer auf Mallorca, an der Costa Blanca, der Adria oder am Gardasee. Zuhause ist es halt doch am schönsten, wenn man vielen Heimkehrern glauben darf. So eine Hymne auf Daheim hört sich sinngemäß in etwa so an: „Hier kenn ich mich aus, hier weiß ich, wos aufm Teller liegt, hier schmeckt ma mei Bier – weil bei dem ganzen Fischgewürm wird ma ganz annersch und vo‘ dem Sangria oder dem ‚rosso de la casa‘ kriech ich allweil Sodbrenna!“

Andererseits: ‚Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen‘ heißt es so schön. Und das muss ja nicht die haarklein detaillierte Beschreibung des Stuhlgangs sein, den ein italienisches Rote-Beete-Risotto, eine südfranzösische Bouillabaisse oder eine spanische Paellapfanne verursacht hat. Ist es nicht schön, mal den eigenen vier Wänden zu entfliehen und etwas Neues zu entdecken? Dolce vita zu genießen, am fernen Urlaubsort Land und Leute kennenzulernen und deren Alltag mitzuerleben. Andere Länder, andere Sitten! Das erweitert den Horizont und macht im Idealfall aus einem bornierten deutschen Stubenhocker einen weitgereisten, polyglotten und weltgewandten Globetrotter.

So weit die Theorie. Denn in der Praxis sieht es doch meistens ein bisschen anders aus. Denn nichts liegt näher, als eine neue Entdeckung, welcher Art sie auch sein mag, mit den Verhältnissen daheim zu vergleichen. Das gilt nicht nur fürs Essen („also, die Salsiccia is ja ned schlecht. Kamma ned meckern. Oba es geht halt nix über scheene fränkische Brodworschd!”) genauso wie für Sehenswürdigkeiten („mir wor’n doch erschd in Vierzehnheiligen! Jetzt muss ich mir scho widder lauter Kerng o’schaua!“) oder Landschaften („a scheene Aussicht hob ich aa vom Staffelberg. Dafür hätt‘ ma ned dausend Kilomeder foahrn müssen!“).

Jetzt ist es scho a weng lachhaft, den Staffelberg mit dem Monte Baldo oder gar einem der Drei- oder Viertausender in den Alpen zu vergleichen. Und dass die Oberbayern den Chiemsee als „bayerisches Meer“ rühmen, ist nichts weiter als ein heilloser Euphemismus, der nette Versuch, darüber hinwegzutäuschen, dass es in dem fraglos schönen Winkel unseres Bayernlandes eben keine Brandung, keinen echten Sandstrand und keinen Horizont gibt. Es würde doch auch niemand behaupten, dass der Kohlmannsee der fränkische Lago Maggiore ist. Und gegen den Dom in Florenz oder die La Sagrada Familia in Barcelona ist die Stadtpfarrkirche St. Augustin bestenfalls a Kapelln! Fast jeder kennt auch den Urlaubs-Siebmgscheid – der, wenn er nicht in der eigenen Familie zu finden ist, spätestens in der Taverne am Nebentisch sitzt und dabei so laut doziert, dass man ihm einfach zuhören MUSS. So erfährt man dann, dass am heimischen Hausberg Pflanzenarten wachsen, nach denen sich die Südandorraner die Finger lecken oder dass der Martin Luther in St. Moriz schon predigte, noch ehe der Bau überhaupt fertiggestellt war. „Des hod’s ned amoll in Rom gehm‘.“

Eine Ausnahme? Vielleicht. Sicher bemühen sich viele unserer Landsleute im Ausland, sind wissbegierig und passen sich so gut wie möglich an. Die Tatsache, dass Deutsche u.a. in Spanien als unbeliebteste Touristen gelten, spricht aber dafür, dass es doch einige gibt, die das nicht schaffen, sondern sich irgendwie danebenbenehmen oder sich so verhalten, dass man sich fremdschämt – vom Tragen dieser unsäglichen, abgrundtief hässlichen Trackingsandalen an dieser Stelle mal ganz zu schweigen!

So wurde der Monaco in seinem Italienurlaub Zeuge der folgenden Szene: So a schwäbischer Doldi, der beim Bäcker vor ihm in der Schlange stand, zeigte mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger eine „3“ an, um dann seine Bestellung aufzugeben: „Quatro Semmeli, per favore!“ Herrlich! Iech kumm ausm Lachen goar nimmer raus!

Der gute Mann wird sicher froh sein, wenn er wieder seine Weckle oder seine Brezzle bestellen kann. Vielleicht ist er ja ein besserer Gastgeber. Gut möglich, denn immerhin nimmt die Zahl der Touristen in Coburg oder Bamberg von Jahr zu Jahr immer weiter zu. Und die würden ja nicht kommen, wenn alle garschdich zu ihnen wären und es ihnen hier nicht wenigstens ein bisschen gefallen würde, oder?! Veste, Marktplatz, Ehrenburg – alles nicht zu verachten. Erst ein wenig abseits der bekannten Touristenwege stellt sich die Frage, wieviel Seidla man ihnen wohl hinterrücks einflößen muss, bis sie alles supertoll finden. Ganz wie in dem Ballermann-Hit von Mickie Krause, der singt: „Geh mal Bier hol‘n/ Du wirst schon wieder hässlich/Ein, zwei Bier/und Du bist wieder schön“!

Schätzla, schau wie iech schau!

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