Monaco Franke

Monaco Franke #42

Für den COBURGER von Wolfram Porr

Jeder Versuch, auf 2020 zurückzublicken, fällt im Vergleich zu den Vorjahren heuer zwangsläufig kurz aus. Im März kam das Coronavirus über uns. Über den Rest des Jahres würden wohl viele gerne den Mantel des Schweigens hängen. Distanz und Abstand waren das Gebot der Stunde, nicht wie sonst Nähe und Zusammensein. Okay, im Juli und August gab es ein paar Wochen, in denen mehr möglich war, als allein oder zu zweit mit einem Mund-Nasen-Schutz durch ausgestorbene Innenstädte zu flanieren, auch wenn alle großen Feste, Zusammenkünfte, Konzerte etc. bekanntlich ausfallen mussten. Vielleicht hatte der ein oder andere sogar das Glück, einen Sommerurlaub verleben zu dürfen, an den er – je nachdem ob ohne oder mit anschließender Quarantäne – mit Freude oder mit Grausen zurückdenkt.

Nein. Nichts war wie sonst. Wer nicht gerade ein privates Highlight erlebt hat, für den dürft e das Aufregendste in den letzten neun Monaten ein Coronatest gewesen sein: Wenn einem a vermummter, ung‘lernter Helfershelfer vom Xundheitsamt so a Stäbla in den Rachen stochert, bis der Brechreiz einsetzt, des vergissd fei ned so schnell! Schlimmer geht’s tatsächlich nimmer, da zieht der Monaco ja sogar noch lieber einen Zahnarztbesuch vor, läuft im FC-Bayern-Trikot durch Giesing (des will fei was heißen!) oder trinkt freiwillig einen ganzen Kranz Kölsch, wenn er noch a scheens Seidla fränkisches Bier im Kühlschrank hat!

In Coburg werden zumindest noch die OB-Wahl und der am Grünen Tisch zugesprochene Wiederaufstieg des HSC 2000 Coburg in die Handball-Bundesliga im Gedächtnis bleiben. Ach ja, und der Grundstein für das Globe ist gelegt – ganz wichtig für die kulturbeflissenen Cobuicher, die so stolz sind auf ihre Lebensart und ihre herzogliche Vergangenheit! In Zeiten, wo jedes Theater, jedes Kino und jede Konzerthalle geschlossen bleiben muss, stellt man hier der westoberfränkischen „Bohème“ für 33 Millionen Euro ein Kulturhaus für 550 Zuschauer hin? Kannst Du Dir nicht ausdenken. Klar werden wir uns später an ein besonderes Jahr zurückerinnern. Ganz sicher aber wird es bei den meisten als verlorenes Jahr in unsere Geschichte(n) eingehen. An eins ohne Tollwood und Samba, ohne Wiesn und Schlossplatzfest. Stattdessen Corona hier, Maskenpflicht da, Covid hinten, Kontaktbeschränkungen vorn. Es is scho so gloar wi Gloßbrüh, dass des ganze Gwerch mit der Hygiene und dem Virenschutz subbawichtig is. Oba ich kann’s trotzdem nimmer hören! Regelrecht dankbar saugt man 2020 deshalb alles auf, was einen mal von der Pandemie ablenkt. So wie die US-Wahl Anfang November. War das spannend! Vier Tage lang haben wir bei CNN oder den Sondersendungen der hiesigen Sender zugeschaut, wie in Georgia, Wisconsin, Nevada und Pennsylvania einfach nichts vorwärtsging! So wie bei einem Computer, der Updates aufspielen will und dann bei 96 oder 99 Prozent einfach stehenbleibt und auch am nächsten Tag noch nicht fertig ist, so dass man wieder einen Neustart machen und von vorne anfangen darf. Die armen Kommentatoren und Analysten konnten einem wirklich leidtun, weil sie immer und immer wieder das Gleiche erzählen mussten. Na ja, so hat der Monaco immerhin sein Englisch a weng aufgefrischt, auch wenn er immer noch nicht weiß, wie er „Sau-Ramml“ nun genau übersetzen soll, damit es die beleidichde Leberworschd Trump in seinem „Fake-News“- und „Stop-the-Count“-Wahn auch versteht!

Fremdsprachen lernen, das wäre überhaupt eine gute Möglichkeit, die jetzt neu gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen (was haaßd nuchamoll Vollbadscher auf Englisch?). Man könnte auch fußläufich oder auf dem Fahrrädla seine Heimat erkunden oder beim Riemann stöbern und einfach mal wieder ein gutes Buch lesen (hilft ohne bekannte Risiken und Nebenwirkungen oftmals sogar gegen fortgeschrittenen Trumpismus!). Bei den meisten läuft es dann aber doch auf ein Netflix-Abo oder Nichtstun (Neudeutsch: „dschillen“) raus. Ja, sogar dem Monaco ist in diesen Zeiten nix zu bleed, wenn er ned grad fleißig is und fürn Cobuicher schreibt, und schaut alles, was ihm so vor die Glotze kommt: Jede Serie, jedes Geisterspiel und jede „Tatort“- Wiederholung. Sogar Sendungen wie „Masked Singer“, in denen die schöne Werbung zwischendurch immer wieder brutalst von mehr oder weniger gelungenen Gesangsauft ritten unterbrochen wird. Einmal mitgeraten, wollte er nämlich schon wissen, wer sich hinter den Masken verbirgt, um hernach festzustellen, dass er die meisten der C-Promis unter den albernen Plüschkostümen gar nicht gekannt hat. Nicht falsch verstehen! Faulenzen ist in der Pandemie wirklich eine gute Idee. Sogar die Bundesregierung gibt uns das ja gerade mit ihren neuen „Coronahelden“- Spots zu verstehen. Nur sehen das Ärzte und Krankenkassen sicher anders, wobei es immer drauf ankommt, wieviel Chips, Gummibärchen oder M&Ms jeder pro Weltretter-Chilling-Session in sich reinschaufelt. Aber die haben ja momentan Wichtigeres zu tun …

Auf jeden Fall haben wir verstanden! Bis endlich ein Impfstoff da und das Virus unter Kontrolle ist, müssen wir uns zammreißn. Wenn uns das gelingt, dürfen wir dann zur Belohnung ja wenigstens ein schönes Weihnachtsfest feiern, wie unser Ministerpräsident in wirklich jedem Interview wiederholt. Die „stade Zeit“, in der man sich für gewöhnlich besinnt und bei Feuerzangenbowle und Lumumba mal über alles in Ruhe nachdenkt, wird heuer irgendwie nur eine Verlängerung der schon viel zu lange dauernden viel zu ruhigen Zeit sein! Der Monaco jedenfalls hatte schon viele Monate Muße und Gelegenheit, in sich zu gehen und über alles Mögliche nachzudenken. Deshalb wäre jetzt eigentlich mal a wengla Äggdschn recht! Getümmel, gebrannte Mandeln, Glühwein – Halligalli halt! Wäre! Denn die Wirklichkeit sieht eben leider anders aus. Immerhin: Durch die Kontaktbeschränkungen bleibt uns in diesem Jahr vielleicht wenigstens der Besuch von Schwiegermutter und Tante Gertrud an den Feiertagen erspart. Bis dahin dürfen die ihrem Weihnachtsmarkt beraubten Franken neidisch nach Landshut schauen: Dort hat gerade ein „Drive-in-Christkindlmarkt“ mit Lichtern, Christbäumen, Kunstschnee, Würschdln und Weihnachtspunsch eröffnet. Kitschig, gloar – aber schee!

Schau’n mer mal, welche Ideen die Coburcher dem noch entgegenzusetzen haben! Wie wär’s zum Beispiel mit einem Korso in weihnachtlich geschmückten Autos auf dem Marktplatz oder einem distanzierten Kultur-Schrottwichteln auf dem Globegelände? Erstens is‘ eh scho wurschd und zweitens hätten wir wenigstens noch was Schönes, woran wir uns später mal zurückerinnern können, wenn wir an 2020 denken.

Schätzla, schau wie iech schau!

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