Monaco Franke

Monaco Franke #43

Für den COBURGER von Wolfram Porr

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Kennt man, den Spruch. Aber wissen Sie eigentlich, wo der herkommt? Aus den 1980er Jahren, genau! Damals wurden gleich zweimal sogenannte Fettecken des Aktionskünstlers Joseph Beuys mehr oder weniger versehentlich entfernt – einmal von einer Putzfrau und einmal vom Hausmeister der Kunstakademie Düsseldorf. Ein Skandal. Aber ja irgendwie auch lustig. Im Sinne der Kunst könnte man sagen: Wer würde sich heute noch an die schmierig-klebrigen Kunstwerke erinnern, hätte es nicht deren öffentlichkeitswirksame Beseitigung gegeben?! Eben. Und genauso verhält es sich mit 2020. Nur Wenige werden dem alten Jahr eine Träne nachweinen. Nun ist es entsorgt – quasi als Sondermüll auf dem Wertstoffhof unserer Zeit. Klar ist aber auch: Wir werden uns noch sehr lange daran zurück­erinnern.

Auf ein Neues also, auch wenn sich 2021 leider erstmal genauso anlässt wie 2020 zu Ende gegangen ist. Deshalb: Bitte bloß keine unrealistischen Vorsätze fürs neue Jahr! Wegen der bisher einfach nicht einzudämmenden Pandemie müssen wir uns ja sowieso schon alle weiter einschränken und bei allem kürzertreten. Was soll es da noch, sich Dinge vorzunehmen, die man sowieso nach spätestens sechs Wochen wieder über den Haufen wirft?! Also was weiß ich: mit dem Saufen aufhören („ich trink fei jetzt Malzbier“), freundlicher mit seinen Mitmenschen sein („Gudn Moing hob iech g‘soochd!“), gelassener auf alle Gnalldüd‘n und superwichtigen i-Düpferlasscheißer reagieren („Du mich aa“), vielleicht mal loben („goar ned schlecht, bassd scho“) und lächeln anstatt immer nur zu meckern oder ein griesgrämiges Gesicht zu ziehen.

Denn sind wir ehrlich: Das alles sind Dinge, die einen Franken mal komplett überfordern. Weil er dafür aber a heller Kopf (um nicht zu sagen: neunmalgscheid) ist, kann er sich ja ein paar kleine Dinge vornehmen, deren Einhaltung realistisch ist und die er praktischerweise bequem in seinen Alltag integrieren kann. A Stund‘ länger schlafen und aus dem Elfer- einfach a Zwölfer-Seidla machen, zum Beispiel.
Die Politiker gehen da ja wie fast immer mit gutem Beispiel voran. (Ex-)Gesundheitsministerin Melanie Huml etwa kann sogar jetzt schon einen Haken unter ihren Neujahrs-Vorsatz machen, auch wenn sie „Glück“ hatte, dass unser Landesvater da ordentlich mitgeholfen hat. Weil ohne Ministeramt lebt sich’s garantiert gsünder, gell! Also danke, Maggus! Innenminister Joachim Herrmann hat sich fest vorgenommen, nicht mehr zu reden wie ein Wasserfall – einfach damit ihn seine Wähler besser verstehen. Sehr löblich! Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger möchte in diesen Zeiten Vorbild sein und immer nur noch einen Kumpel treffen. Na ja, und Kultusminister Michael Piazolo hat sich auf die Fahnen und in sein Hausaufgabenheftla gschriem, jetzt endlich und endgültig dafür zu sorgen, dass die Schulen für digitales Lernen und Homeschooling richtig ausgestattet werden, also spätestens bis zu den Faschingsferien … na gut, weil die ausfallen dann eben bis zu den Osterferien oder sagen wir lieber bis zu den Pfingst- oder nach den Sommerferien. Ist sicherer!

Ob sich Markus Söders Vorsatz wirklich in die Tat umsetzen lässt, wird sich wahrscheinlich erst im April entscheiden, wenn die Union ihren Kanzlerkandidaten bestimmt. Sicher ist nur eins: Auch wenn sie sich sonst in allen maßgeblichen Punkten und Charaktereigenschaften teils diametral voneinander unterscheiden, Armin Laschet hat sich exakt das Gleiche vorgenommen für 2021 …

Nochmal anders verhält es sich bei unserem Berliner Lieblings-Kabinettsmitglied. Bei dem bekommt das Wort „Vorsatz“ gleich mal eine justiziable Bedeutung. Aber weil es sich halt in all den Jahren so gut bewährt hat, bleibt sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer treu, was seine Vorhaben für 2021 angeht: Alle Vorwürfe wenn möglich ignorieren und nötigenfalls dementieren, alles möglichst lange aussitzen, niemals die Daten seines Dienst-Handys für diesen ausschließlich parteipolitisch motivierten Untersuchungsausschuss freigeben und – am allerwichtigsten – auf gar keinen Fall seinen Stuhl räumen! Warum ist ja so klar wie seine geplante Autobahnmaut gegen EU-Recht verstößt: Je länger er im Amt bleibt desto üppiger fallen Ministerrente und Diäten aus.

Apropos (was für a Hammer-Übergang!): Der Monaco hat sich für 2021 weiter nix vorgenommen, nur was ganz „Leichtes“ – eine Diät nämlich. Bald zehn Monate Corona und dann die Weihnachtszeit mit Blädzla, Stollen und buntem Teller haben die Wampn ganz schön … na ja, Sie ahnen es schon. Ich will jetz auch goar ned näher ausführen, wo’s überall spannt. Man könnte zwar argumentieren: Is doch worschd, die Schbäggrollen und den breiten Schoaßer (die Romantiker unter uns nennen es etwas beschönigend „Hüftgold“) sieht doch momentan eh niemand, wenn man kaum jemanden treffen darf. Aber weise ist, wer vorausschaut – des hat scho dieser Philosoph, Wittgenhauer oder so ähnlich, gsochd. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt. Und dann will man ja ned wie so a Buddhamännla am See hocken und gschamig an sich runterschauen!

Na dann! So schwer kann es ja nicht sein, sagen wir fünf bis zehn Kilo abzunehmen. Schließlich gibt es so viele verschiedene Diäten, da wird schon eine dabei sein, die zu mir passt und nach der nicht sofort der Jo-Jo-Effekt eintritt! Also, was gibt’s da? Kohlsuppendiät gäbert’s – oba da muss ich im Gästebett schlofn, weil da macht mei Frau ned mit! Eierdiät? Geht aa ned, ich muss ja auf mei Cholesterin aufbassn. Außerdem: Wie soll ich ohne Eier die Schnitzel baniern? Eine „Paläo-Diät“? Des Fleisch wär scho recht, oba so viel Wurzlgmüs‘? Des konn fei ned gsund saa!

Low Carb wär a Möglichkeit! Notfalls kamma des Schäuferla auch amaal ohne Klöß essen. Ich könnt auch öfters mal an Vedschi-Day einlegen! Des hältst bloß ned lang durch! Jetzt weiß ich’s! Ich mach Trennkost. Mit Brodwürschd! Erst fress ich die groben zsamm und dann die feinen! Auf dass die Fettecken so schnell verschwinden wie damals die vom Beuys!

Schätzla, schau wie iech schau!

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