Einbahnig um Coburgs Osten – Mutige Idee#48

von Wolfram Hegen

Unsere Geschichte über sieben vielleicht ungewöhnliche, aber gerade deswegen mutige Ideen für Coburgs Zukunft aus dem Coburger #43 im Februar hat uns einige Rückmeldungen eingebracht. Meist positiv, und wenn kritisch, dann vor allem, dass die eine oder andere Idee nicht größer präsentiert, gedacht, erläutert worden ist, sondern durch die Aufzählung auf vier Seiten fast ein wenig unterging.

Das wollten wir ändern. Und haben in Ausgabe 45 und 46 schon zwei Ideen ausführlicher dargestellt: Einen modernen Rathausneubau auf dem Anger und die Verkürzung der Amtszeiten für Stadtoberhäupter und Stadträte. In dieser Ausgabe jetzt unsere dritte der damaligen Ideen etwas ausführlicher.

Und wenn Sie auch noch Ideen haben … her damit

Testlauf innerstädtische Einbahnstraße

Eigentlich sind mehr Einbahnstraßen um die Innenstadt eine schon längst überfällige Idee, angesichts des innerstädtischen Straßennetzes in Coburg, das trotz seiner Enge dennoch fast überall zweispurig ausgelegt ist: Schmale Sträßchen, die sich gelegentlich zu Nadelöhren verengen, Busse, die um 90-Grad-Kurven manövrieren (Respekt an die Busfahrenden), verkehrsblockierendes Abbiegen auf Abbiegespuren ohne Abbiegespur, Ein- und Ausparker, Pizzaholer und -bringer, Paketdienste, und dann natürlich noch Baustellen.

Eine Einbahnregelung in vielen Bereichen der Innenstadt hätte den Verkehr schon lange entspannter und flüssiger gemacht, das Leben angenehmer. Doch nur darum geht es heute schon lange nicht mehr.

Heute erfordern Klimawandel, neue Mobilitätsformen, Fragen der Lebensqualität und die Sorge um die Zukunft der Innenstadt nicht nur in Coburg ein Umdenken, wie innerstädtische Mobilität organisiert wird. Wir erinnern dabei gerne an unser Interview im COBURGER 45 mit Prof. Dr. Mathias Wilde, Professor für Vernetzte Mobilität an der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik der Hochschule Coburg und zuständig für die Shuttle-Modellregion Oberfranken:

„Wir brauchen eine Rückbesinnung auf die frühere Stadt. Die Innenstädte müssen mehr Aufenthaltsqualität entwickeln, mehr Wohnen, mehr Erlebnis, mehr Gastronomie sind ganz wichtig. Es geht also darum, Funktionen wieder mehr zu mischen. Und man sollte sich auf die Besonderheit der eigenen Heimat, der Region besinnen und an der eigenen Einzigartigkeit arbeiten, um nicht vergleichbar mit anderen Innenstädten zu sein. Das man muss städtebaulich begleiten.

Weg vom Auto alleine, hin zur Multimodalität, also Möglichkeiten und Raum für passende Verkehrsmittel für den passenden Zweck schaffen. Dazu muss man alle Verkehrsformen miteinander verknüpfen, also Mobilität vernetzen. Am besten auch digital. Eine App, ein Ticket, eine Karte, über die man Bus, Bahn, Carsharing, E-Scooter etc. abrechnen kann.

Da gibt es ja auch schon die ersten Anbieter. Übrigens sitzt das Portemonnaie auch lockerer bei Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die kaufen zwar pro Einkauf weniger ein, dafür aber häufiger. Das würde wiederum dem Handel helfen.“

In vielen Großstädten übrigens ist man schon auf diesem Weg … und auch in Coburg gab es ja Anträge für z.B. ein paar wenige autofreie Sonntage, um Fortschrittlichkeit wenigstens mal auszutesten … leider erst im November an überraschend vielen Ewiggestrigen im Stadtrat gescheitert. Doch ganz egal, was das Gremium auch immer beschließt: Es wird ohnehin ein Umdenken geben, die Frage ist nur, wann, schade nur, dass dazu wieder einmal eine Chance verpasst wurde.

Wie wäre es daher mit folgendem Versuch:

Eine Einbahnstraße um den östlichen Teil der Innenstadt, eine Einbahnstraße mit einem stark reduzierten Tempolimit. Den freiwerdenden Platz nutzen für zweispurige neue Mobilität, Fußgänger, Fahrräder, E-Bikes, Roller, kleinteiligen ÖPNV zum Beispiel, für mehr Grün, für mehr Aufenthaltsräume, mehr Außengastronomie. Diese Regelung könnte gelten für den Bereich von Schützenstraße über Obere Anlage, Steingasse, Grafengasse, Theaterplatz, Oberer Bürglaß bis zur Heiligkreuzstraße. Nur als Vorschlag, nur mal zum Ausprobieren.

Vorteile:

• Besserer Verkehrsfluss.
• Größere Sicherheit.
• Mehr Platz für Grünflächen und Aufenthaltsplätze.
• Mehr Lebensqualität für Anwohner.
• Mehr Platz für Fahrradfahrer, Fußgänger und neue Mobilitätsformen.
• Mehr innerstädtische Attraktivität.
• Mehr Fortschrittlichkeit.

Coburg könnte (noch) Vorbild sein. (Oder den Anschluss verpassen.)

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