Mutige Ideen – Das Feedback #51

Einhausung der Stadtautobahn

Unsere vierte mutige Idee im COBURGER 50 im April war eine, die andernorts schon umgesetzt wird oder worden ist, in Coburg aber noch kaum diskutiert wird: die Idee einer „Einhausung“ der Stadtautobahn. Möglichkeiten dazu gäbe es viele: Schallschutzwände zu beiden Seiten sind das einfachste, die Schaffung eines „Tunnels“ das Aufwändigste, möglicherweise sogar in Verbindung mit einer Tieferlegung. In und entlang vieler anderer kleiner und großer Städte geht man diesen Weg, entlang der A3 bei Aschaffenburg und Würzburg, in München am Mittleren Ring, in Starnberg mit der B2 oder in Ruhpolding mit dem Tunnel um die Stadt. Nur wenige von sehr vielen Beispielen. In Coburg zum Beispiel könnte man die Stadtautobahn im Innenstadtbereich bis auf Zufahrtsbereiche zu Häusern oder Abfahrten fast komplett einhausen, also vom Weichengereuth bis hin zur Rodacher Straße. Die Vorteile lägen auf der Hand:

✓ Eine Harmonisierung des Stadtbildes.
✓ Weniger Lärmbelästigung.
✓ Weniger Schadstoffemissionen.
✓ Mehr Lebensqualität beidseitig der Stadtautobahn.
✓ Mehr Wert von Grundstücken und Immobilien entlang der Trasse.
✓ Mehr Begrünung und Klimaschutz möglich.
✓ Neue Nutzungen entlang oder auf Einhausung möglich (Fahrrad-, Fußwege).

Soweit unsere vierte mutige Idee. Wir vom COBURGER haben dazu auch wieder die Fraktions- und Ausschussvorsitzenden im Coburger Stadtrat sowie den Oberbürgermeister um eine Stellungnahme gebeten mit knapp zwei Wochen Vorlauf zum Redaktionsschluss. Hier die eingegangenen Stellungnahmen, zur besseren Lesbarkeit teilweise redaktionell bearbeitet:

Norbert Tessmer, SPD-Fraktionsvorsitzender:

„Es handelt sich in der Tat um eine mutige Idee. Schnelle Begeisterung und Ernüchterung liegen bekanntlich oftmals nahe beieinander. Bevor ich mich also dazu äußere, würde ich allerdings gerne die Expertise der Fachwelt hinsichtlich der Machbarkeit und der zu erwartenden Kosten hören wollen. Ehrlich gesagt, zur Umsetzung dieser Idee fehlt mir etwas die Vorstellungskraft, vielleicht auch der Mut. Ich kann mich noch gut an die Bauarbeiten der Stadtautobahn mit ihren Erdbewegungen erinnern. Der gesamte Bereich ab Lauterunterführung entlang des Wiesenweges – zwischen Bahnbetriebswerk und Callenberger Straße – bis nach Neuses war ein flacher Grünzug mit Gärten, Wiesen und Feldern. Immense Aufschüttungen wurden damals vorgenommen, die beispielsweise bei einer Tieferlegung beseitigt werden müssten. Ich glaube nicht, dass das jemand verstehen würde. Aber reden kann man über alles.“

Die Grünen

„Die folgenden Vorteile sehen wir in der mutigen Idee #4 und darum würden wir uns wünschen, dass sie weiter öffentlich diskutiert und ausgearbeitet wird:

Teilung der Stadt in Ost und West überwinden, Lärmverschmutzung entlang der B4 beenden, Abgas- und Feinstaub-Verschmutzung eindämmen/ kanalisieren/filtern (Alle Gebäude entlang der B4 wirken grau, sind vom Schmutz der Straße mitgenommen und angetastet, teilweise ganz entwertet), Wettbewerbsfähigkeit der Stadt Coburg im Wettbewerb/Vergleich als lebenswerter Ort in Bayern erhalten (Starnberg baut den B2-Tunnel und wird dadurch ruhiger, lebenswerter, grüner – soll Coburg zurückstecken und sich abhängen lassen? Oberfranken kann gegen den Großraum München im Wettbewerb um Arbeitsplätze, Verdienstmöglichkeiten, Wohlstand nur dann punkten, wenn es vergleichbare Angebote macht, sich nicht deklassieren lässt. Coburg wirkt heute für Ankömmlinge über die B4 grau und hässlich. Dieser schlechte erste Eindruck sollte nicht entstehen.), Englischer Garten vom Coburger Süden bis zum Coburger Norden – fantasievolle und lebensnahe Gestaltung mit Itzbrücken, Rasenflächen und großen Bäumen, einem Monopteros, Spiel- und Sportplätze, Radwegen, Biotopen etc.

Praktisch könnten die Anwohner-Liegenschaften mit einem im Park auf der Einhausung/dem Tunnel verlaufenden Anlieger-Sträßchen zu ihren Häusern gelangen. Abfahrten Richtung Stadt aus dem Tunnel/der Einhausung heraus würde es nur dort geben, wo baulich möglich, ansonsten P&R-Konzept mit öffentlichen E-Bikes oder Golf-Carts (siehe Gloria Thurn und Taxis, die fährt in Regensburg auch mit einem zugelassenen Golf-Cart durch die Stadt – das fährt sich lustig, die Leute würden das mögen, das würde eine gute Presse geben, weit über Coburg hinaus)

Im Idealfall wird die Bahnstrecke mit eingehaust und/oder tiefergelegt. Durch solch ein Konzept würden sich neue Möglichkeiten ergeben, Coburg als Stadt und Lebensraum zu erleben. Es würde eine völlig neue Dimension von innerstädtischer Schönheit und Lebensqualität in der Stadt entstehen.“

Oberbürgermeister Dominik Sauerteig:

„Die Stadtautobahn einzuhausen, ist eine spannende Idee. Auch ich habe schon darüber nachgedacht, wie schön es wäre, die Stadtautobahn inklusive Weichengereuth wie den Mittleren Ring im Süden Münchens ganz unter die Erde zu legen. Dann könnte man Weichengereuth und die jetzige Stadtautobahn zu einer Anwohnerstraße umbauen mit großem Bürgersteig, Radweg, Bäumen etc. und die Lebensqualität in diesem Bereich – inklusive Güterbahnhofsareal – würde deutlich erhöht. Allerdings sind solche Lösungen extrem teuer und als Realist glaube ich nicht an das Füllhorn, dass der Bund über Coburg ausschütten wird in Anbetracht der riesigen Aufwendungen für Corona, Bundeswehr, Klimaschutz … Zudem bin ich der Meinung, dass es unsere Aufgabe sein muss, klimaschädlichen Individualverkehr intelligent zu verringern, nicht nur einzuhausen.“

Jürgen Heeb, Pro Coburg:

„Ich halte von dieser Idee rein gar nichts. Es ist nicht unsere Straße, wir haben hier keine Planungshoheit. Ideen als Alternativen zum 4-spurigen Ausbau haben wir geliefert, ohne Erfolg. Außerdem kann mir nicht vorstellen, wie dies mit Zufahrten etc. zu regeln ist. Die genannten Vorteile erschließen sich mir nicht: Harmonisierung des Stadtbildes: wie? Weniger Schadstoffemissionen: warum, die werden dann doch nur kanalisiert? Ich finde diese Idee nicht für umsetzbar, von bezahlbar nicht zu sprechen. Welche Vorteile dies für die Umwelt haben soll, erschließt sich mir auch nicht. Kurzum: Mutige Idee, dabei wird es bleiben.

Leider sind auch dieses Mal, wie bisher immer, von der großen Fraktionen CSU/JC sowie von der CSB und der Coburger Liste keine Stellungnahmen eingegangen. Dieses Mal auch nicht von der FDP.

Die JU war vornedran!

Allerdings haben wir zu unserer mutigen Idee eines Testlaufs für eine innerstädtische Einbahnstraße um die östliche Coburger Innenstadt aus dem COBURGER #48 noch einen Brief des ehemaligen CSU-Bürgermeisters Hans-Heinrich Ulmann bekommen:

Die von ihm noch lange vor seiner Zeit als Bürgermeister angeführte Junge Union Coburg-Stadt unterbreitete bereits in den 1980er Jahren den Vorschlag, einen Altstadtring mit zweispuriger Einbahnregelung um die komplette Coburger Innenstadt zu führen und damit die Verkehrsprobleme der Stadt zu lösen. Die Idee damals ging also noch viel weiter als unsere mutige Idee. Ulmann schreibt: „Die Idee erzeugte damals viel Wirbel, konnte aber nicht weiterverfolgt werden, weil sie zu radikal war und das Denken nicht so weit war.“ Das ist 40 Jahre her! Die Idee ist alt, erzeugt immer noch Wirbel – auch als kleinere Variante – und getan hat sich – nichts.

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